Mehr Nester als im Vorjahr

Asiatische Hornissen: Was Sie gegen die Insekten tun können

Eine der erfolgreichsten invasiven Arten im Land ist die Asiatische Hornisse. Die Zahl der Nester hat sich im Vergleich zum Vorjahr wieder verdoppelt. Wie können sie entfernt werden?

Teilen

Stand

Von Autor/in Heiner Kunold, Mirka Tiede

Die Anzahl der Hornissen-Nester im Südwesten hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt, das hat die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) mitgeteilt. Demnach wurden im Frühjahr und Sommer bis Ende August deutlich mehr als 2.000 Nester gemeldet. Das seien doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Doch das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium erklärt, dass die gestiegenen Meldezahlen nicht auf eine stärkere Ausbreitung schließen lasse. Sie könne auch Folge eines wachsenden Bewusstseins für die invasive Art sein.

Asiatische Hornisse ist "etabliert"

Hinzu kommt, dass ihr offizieller Status von "invasiv" auf "etabliert" zurückgestuft wurde. Seit 2025 gibt es somit bundesweit keine Bekämpfungspflicht der Asiatischen Hornisse mehr. Das ist die schlechte Nachricht - die gute: Trotzdem nimmt die Zahl der Nestentferner immer weiter zu.

Land bezahlt Entfernung von Asiatischen-Hornissen-Nestern

Mit dem neuen Status "etabliert" müssen also Menschen, die ein Nest der Asiatischen Hornisse in ihrem Garten oder in der Nähe ihrer Bienenstöcke finden, die Kosten einer Entfernung selbst bezahlen. Hier springt das Land, genauer das Landwirtschaftsministerium, in die Bresche: Aktuell werden Nestentfernungen der Asiatischen Hornisse mit 60 Euro für Primärnester gefördert.

Ab September steigen die Zuschüsse auf 200 Euro je Nest, weil dann schon die großen Sekundärnester entfernt werden müssen. Die Sekundärnester werden von den Asiatischen Hornissen erst im späteren Jahr und häufig in größerer Höhe gebaut. Deshalb sind sie schwerer zu entfernen. Bedingung bei der Übernahme der Kosten für die Entfernung eines solchen Nests ist, dass die Nestentferner keine zusätzlichen Rechnungen stellen, sondern ihre Dienstleistung direkt mit dem Badischen Imkerverband abrechnen. Nur so bleibt die Nestentfernung für Betroffene kostenlos.

Vorsicht vor unseriösen Geschäftemachern

Mit den Hornissen kommen auch unseriöse Geschäftemacher. Geworben wird häufig mit einem 24-Stunden-Notdienst, kostenloser Anfahrt und vermeintlich langjähriger Erfahrung. Unseriöse Nestentferner haben auch im Raum Karlsruhe  für ihre Dienste bereits Rechnungen in vierstelliger Höhe gestellt, berichten Kollegen, die das nicht tun.

Die Stadt Karlsruhe empfiehlt, Webseiten genau anzusehen und sich nicht unter Druck setzen zu lassen. Im Zweifel sei vielleicht eine zweite Einschätzung sinnvoll. Außerdem hat die Landesanstalt für Bienenkunde bei der Universität Hohenheim eine Liste von ausgebildeten Nestentfernern herausgegeben, die mit den Imkerverbänden zusammenarbeiten. Hier wird nach Landeszuschüssen abgerechnet. Die betroffenen Bürger müssen unter Umständen überhaupt nichts bezahlen.

Zwei Asiatische-Hornissen-Nestentferner im Schutzanzug stehen mit einem Sauger vor einer Gartenhütte.
Schutzanzug ist Pflicht - genauso wie eine Ausbildung zum Nestentferner

Sind Asiatische Hornissen gefährlich?

Es gibt Nestentferner, die halten Asiatische Hornissen für aggressiver als ihre einheimischen Schwestern. Experten berichten davon, dass die Tiere angriffslustiger sind und schneller im Schwarm angreifen. Wenn Hornissen stechen, wird der Stich manchmal als schmerzhafter als der einer einheimischen Wespe empfunden.

Das liegt an dem größeren und längeren Stachel und dem höheren Anteil von Acetylcholin im Hornissengift. Das ist ein Botenstoff, der die Reize zwischen Nerven weiterleitet. Der Hornissenstich ist aber nicht giftiger als der einer Biene oder einer Wespe. Er kann aber wie jeder Wespen- oder Bienenstich eine allergische Reaktion auslösen.

Asiatische Hornissen bedrohen Honigbienen

Für Imker kann der Angriff von Asiatischen Hornissen einen echten finanziellen Schaden bedeuten. Denn die invasiven Hornissen haben sich auf Honigbienen spezialisiert und fangen sie vor dem Bienenstock häufig schon in der Luft ab. Immer wieder dringen die Hornissen sogar in die Bienenstöcke ein und greifen dort ihre Opfer ab. Dadurch werden nicht nur viele Bienen getötet, betroffene Bienenvölker stellen nach wiederholten Hornissenangriffen manchmal ihre Tätigkeit komplett ein.

Wangen im Allgäu

Württembergischer Imkertag in Wangen im Allgäu Imker in Sorge: Invasive Hornisse tötet Honigbienen

Die Asiatische Hornisse breitet sich seit Kurzem auch im Allgäu, am Bodensee und in Oberschwaben aus. Imker sind in Sorge - und wollen die Bevölkerung sensibilisieren.

SWR Aktuell Baden-Württemberg mit Sport SWR BW

Im Extremfall kann das zum Absterben eines ganzen Bienenvolkes führen, berichten Imker wie Wolfgang Schramm aus Karlsdorf-Neuthard (Kreis Karlsruhe). Er hat bereits mehrere Völker an jagende Asiatische Hornissen verloren. Deshalb versucht Schramm, die Hornissen möglichst früh im Jahr vor seinen Bienenstöcken mit einem Kescher abzufangen und die Ein- und Ausfluglöcher mit engmaschigem Hasendraht zu sichern. Jede Hornisse, die er auf diese Weise im März oder April fängt, ist eine Königin und damit auch ein ganzes Hornissenvolk weniger im späteren Sommer.

Locktöpfchen können gegen Asiatische Hornisse helfen

Eine Bürgerinitiative gegen die Asiatische Hornisse im Landkreis Karlsruhe hat im Frühjahr aus genau diesem Grund sogenannte Locktöpfchen verteilt. Mit ihnen können gezielt junge Königinnen gefangen werden, bevor sie ihr eigenes Nest aufbauen.

Weingarten

Bürgerinitiative kämpft gegen invasive Hornissen-Art Basteln für den Naturschutz: Locktöpfchen gegen die Asiatische Hornisse

In Karlsruhe bastelt und verteilt eine Bürgerinitiative Locktöpfchen, um die invasive Asiatische Hornisse zu bekämpfen. Dafür sei jetzt im Frühling die wichtigste Zeit.

Wichtig ist bei dieser Methode, dass möglichst kein Beifang entsteht, weil sich zum Beispiel auch einheimische Hornissen gerne an den Locktöpfchen niederlassen. Diese Art ist aber vom Aussterben bedroht und steht unter strengem Naturschutz. Sie darf nicht gefangen oder gar getötet werden.

Locktöpfen für die Bekämpfung der Asiatischen Hornisse
Eine Bürgerinitiative aus Karlsruhe möchte mit Locktöpfen die Asiatische Hornisse stoppen.

Bekämpfung der Asiatischen Hornisse mit Aktivkohle und Heißwasserdampf

Zur Bekämpfung der großen Sekundärnester der Asiatischen Hornisse setzen die Nestentferner inzwischen lange Lanzen ein. Mit ihnen werden die Nester aus mehreren Metern Entfernung  angestochen. Eine Variante setzt dabei auf Aktivkohlestaub, um die Asiatischen Hornissen abzutöten.

Eine weitere Methode funktioniert mit Heißwasserdampf. Sie hat den Vorteil, dass sie sehr schnell funktioniert und auch die Brut abtötet. Wichtig ist auch, dass diese Bekämpfungsmethode ohne Chemie auskommt.

Peter Westermann in einem Schutzanzug in einem Garten. Er ist ehrenamtlicher Asiatische-Hornissen-Nestentferner im Raum RastattBaden-Baden
Peter Westermann ist ehrenamtlicher Nestentferner im Raum Rastatt/Baden-Baden

Es gibt mehr invasive Hornissen - aber auch immer mehr Bekämpfer

Eine gute Nachricht im Kampf gegen die invasiven Hornissen aus Fernost kommt vom badischen Imkerverband: Zwar gibt es immer mehr Nester der Asiatischen Hornisse, aber auch die Zahl der Nestentferner ist seit dem vergangenen Jahr deutlich angestiegen. Mittlerweile gibt es in Baden-Württemberg mehr als 200 Spezialisten, die in der Lage sind, Nester der invasiven Art zu entfernen.

Die Imkereiverbände bieten weitere Lehrgänge an und haben nach eigenen Angaben aktuell lange Wartelisten für die praktische Ausbildung. Wahrscheinlich kann die Asiatische Hornisse im Land nicht mehr ausgerottet werden, befürchten Experten. Es gibt aber die Hoffnung, ihre Bestände so zu dezimieren, dass sie nicht allzu großen Schaden anrichtet.

So können Sie Nester der Asiatischen Hornisse melden

Sichtungen von Nestern und Königinnen können über die Meldeplattform der LUBW übermittelt werden. Außerdem gibt es die Möglichkeit, Sichtungen über die Web-App NABU-naturgucker zu melden.

Invasive Arten Diese Schäden richten der hungrige Ochsenfrosch, Kaulquappen-Kot und Hexenkraut an

Ochsenfrosch, Waschbär, große Drüsenameise und Kermesbeere sind invasive Arten in Baden-Württemberg. Sie breiten sich aus. Wie wirkt sich das auf heimische Tiere und Pflanzen aus?

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Karlsruhe

Invasive Arten Albträume von Ameisen: So kämpfen Anwohner gegen die größte Kolonie der "Tapinoma magnum"

Rund 60 Kommunen in Baden-Württemberg sind schon betroffen. Aber in Karlsruhe-Neureut ist die bundesweit größte Kolonie invasiver Ameisen entstanden. Die Bekämpfung wird Jahre dauern.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Rhein-Neckar-Kreis

Invasive Arten Mühsamer Kampf gegen Götterbaum und Kermesbeere: So bedrohen eingeschleppte Pflanzen die Artenvielfalt

In den letzten Jahrhunderten sind neue Pflanzenarten zu uns nach Europa gekommen. Die meisten dieser Neophyten machen keine Probleme. Aber einige Arten verbreiten sich rasant.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Karlsruhe

Invasive Arten Waschbären sind gekommen, um zu bleiben: Warum die Stadt Karlsruhe gegen sie vorgehen muss

In ganz Baden-Württemberg steigt die Population der Waschbären. Für Menschen und Tiere kann das gefährlich werden. In Karlsruhe hat man deshalb einen Plan - und Technik.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Heiner Kunold
Das ist Heiner Kunold
Mirka Tiede
SWR-Reporterin steht in einem Großraumbüro

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!