Bahn-Chefin und Bundesverkehrsminister in Mannheim

Gedenktafel für getöteten DB-Mitarbeiter Serkan Çalar in Mannheim enthüllt

Im Februar wurde Zugbegleiter Serkan Çalar von einem Fahrgast niedergeschlagen und starb an einer schweren Hirnblutung. Am Freitag ist am Hauptbahnhof in Mannheim an ihn erinnert worden.

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Stand

Von Autor/in Sarah Keller

Mit einer Schweigeminute haben Familie, Freunde und ehemalige Kolleginnen und Kollegen gemeinsam mit Deutsche Bahn-Chefin Evelyn Palla und Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) des getöteten Ludwigshafener Zugbegleiters Serkan Çalar gedacht. An Gleis 1 des Mannheimer Hauptbahnhofs ist am Freitagnachmittag eine Gedenktafel für ihn enthüllt worden als dauerhafter Mahn- und Gedenkort. Çalar war Angestellter der DB Regio Rhein-Neckar mit Sitz in Mannheim, deshalb befindet sich die Gedenktafel in Mannheim.

Am Gleis 1 des Mannheimer Hauptbahnhofs hängt nun eine permanente Gedenktafel für den getöteten DB-Mitarbeiter Serkan Calar.
Am Gleis 1 des Mannheimer Hauptbahnhofs hängt nun eine Gedenktafel für den getöteten DB-Mitarbeiter Serkan Calar.

Schweigeminute: Tränen bei den Angehörigen

Bei der Schweigeminute für Serkan Çalar standen den Angehörigen des getöteten Zugbegleiters die Tränen in den Augen. Für den Bruder Eray Çalar ist die Gedenkveranstaltung ein Trost, seine Trauer aber bleibe, sagte er dem SWR.

Serkan, du wirst immer mein Bruder sein, wir werden dich nie vergessen, Ruhe in Frieden mein Bruder.

Der Familie gehe es nicht gut, besonders seinen Kindern nicht, erzählte er dem SWR am Rande der Gedenkveranstaltung. "Wie sollen wir uns fühlen, wenn ein Teil von uns weggerissen wurde? Das macht einen kaputt." Er hoffe, dass sich die Situation für die Zugbegleiter verbessere. Der Tod seines Bruders solle nicht umsonst gewesen sein.

Angehörige und Freunde legen Blumen an der Gedenktafel ab. Mit dabei sind Bahn-Chefin Palla (1. von links) und Bundesverkehrsminister Bilger (CDU) (4. von links).
Angehörige, Freunde und ehemalige Kollegen legen Blumen an der Gedenktafel ab. Mit dabei sind Bahn-Chefin Palla (1. von links) und Bundesverkehrsminister Bilger (CDU) (4. von links).

Bahn-Chefin Palla: "Gedenktafel ist eine Mahnung"

"Der Schmerz, den Sie tragen müssen, den kann sich hier niemand auch nur ansatzweise vorstellen“, betonte Bahnchefin Evelyn Palla in ihrer Rede. Sie zeigte sich betroffen und wünschte der Familie viel Kraft. Sein Tod zeige, dass die Sicherheit für das Zugpersonal erhöht werden müsse. Die Gedenktafel sei eine Mahnung.

Es ist eine Mahnung, dass Gewalt keinen Platz haben darf. Nicht in unseren Zügen, nicht an unseren Bahnhöfen und nirgends in unserer Gesellschaft.

Bundesverkehrsminister für härtere Strafen

Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) hatte in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe dafür plädiert, härtere Strafen für gewaltbereite Fahrgäste auf den Weg zu bringen. Der neue Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) stimmte dem Vorhaben in seiner Rede am Freitagnachmittag am Mannheimer Hauptbahnhof zu.

Angriffe auf Zugbegleiter werden gesondert im Gesetzbuch aufgenommen. Das ist richtig und wichtig, dass wir Konsequenzen aus dem schrecklichen Ereignis ziehen.

Weiter betonte er, den Tod von Serkan Çalar als Mahnung für eine "respektvolle Rücksichtsnahme" zu sehen.

Welche Maßnahmen bereits getroffen wurden, damit sich Zugbegleiter und -begleiterinnen wieder sicherer fühlen, und was noch getan werden muss - darüber hat Steffen Bilger im SWR-Interview gesprochen:

Kollegin von Çalar: "Die Gewalt an uns Zugbegleitern muss aufhören“

Zu der Gedenkveranstaltung ist auch eine ehemalige Kollegin Çalars gekommen. Sie möchte lieber anonym bleiben. Seit seinem Tod trägt sie jeden Tag bei ihrer Arbeit einen Button mit einem Bild von ihm. "Er ist so für uns immer sichtbar. Wir vergessen ihn nicht", sagte sie dem SWR.

Eine frühere Kollegin von Serkan Çalar trägt sein Foto jeden Tag an ihrer Arbeitskleidung.
Eine frühere Kollegin von Serkan Çalar trägt sein Foto jeden Tag an ihrer Arbeitskleidung.

Sie wurde nach eigener Aussage bisher nicht von Fahrgästen angegriffen. Aber viele ihrer Kolleginnen und Kollegen seien nicht verschont geblieben. "Es ist sehr schlimm geworden. Wenn jemand keine Fahrkarte hat, werden wir extrem beschimpft, angespuckt, getreten, gebissen". Nach dem Vorfall im Februar hätten viele ihrer Kolleginnen und Kollegen Angst.

Das darf nie wieder passieren, auf keinen Fall. Wir vermissen ihn.

Dauerhafter Gedenkort setzt Zeichen gegen Gewalt im Nahverkehr

Der 36-jährige Zugbegleiter aus Ludwigshafen war Anfang Februar bei einer Fahrkartenkontrolle in einem Regionalexpress zwischen Landstuhl (Landkreis Kaiserslautern) und dem saarländischen Homburg von einem Fahrgast ohne Ticket attackiert worden. Der alleinerziehende Vater zweier minderjähriger Kinder starb später an einer Hirnblutung.

Ein Bild des getöteten Zugbegleiters Serkan Çalar ist am Mannheimer Hauptbahnhof aufgestellt worden. Darunter liegen rote Rosen.
Ein Bild des getöteten Zugbegleiters Serkan Çalar ist am Mannheimer Hauptbahnhof aufgestellt worden. Darunter liegen rote Rosen.

Angreifer zu zehn Jahren Haft verurteilt - Familie geht in Revision

Der Mann, der den Zugbegleiter Serkan Çalar angegriffen hatte, war im Juli vom Landgericht Zweibrücken (Rheinland-Pfalz) wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Dagegen hat die Familie nach Angaben ihres Anwaltes Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt. Die Angehörigen fordern eine Verurteilung wegen Mordes und eine höhere Haftstrafe.

Mannheim

Gedenktafel für Serkan Çalar wird am Freitag in Mannheim enthüllt Übergriffe gegen Bahn-Mitarbeiter: Was der Betriebsratsvorsitzende der DB Regio AG Rhein-Neckar nach dem Tod von Zugbegleiter Serkan Çalar fordert

Im Februar starb Zugbegleiter Serkan Çalar bei einer Fahrscheinkontrolle. Ein Betriebsrat der DB Regio AG Rhein-Neckar fordert, dass Zugbegleiter künftig immer zu zweit arbeiten.

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Nach Tod von Zugbegleiter Interview: Wie wirkt sich der Tod des Zugbegleiters Serkan Çalar auf die Gesellschaft aus?

Am Landgericht Zweibrücken läuft der Prozess um den bei Landstuhl getöteten Zugbegleiter Serkan Çalar. Der Fall hat für große Bestürzung und Verunsicherung gesorgt. Wir haben mit Gewalt- und Konfliktforscher der Uni Bielefeld gesprochen und ihn gefragt, wie sich der Vorfall auf die Gesellschaft auswirkt.

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"Serkan war ein Herz auf zwei Beinen" Erstmals spricht die Familie des getöteten Zugbegleiters aus Ludwigshafen

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Zehn Jahre Haft - so das Urteil des Landgerichts Zweibrücken im Prozess um den getöteten Zugbegleiter Serkan Çalar. Die Nebenklage wird wohl in Revision geht.

Erstmals publiziert am
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Autor/in
Sarah Keller
Onlinefassung
Janina Hecht
Janina Hecht
Laura Uzupyte
SWR-Reporterin Laura Uzupyte aus Mannheim

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