Mit einer Schweigeminute haben Familie, Freunde und ehemalige Kolleginnen und Kollegen gemeinsam mit Deutsche Bahn-Chefin Evelyn Palla und Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) des getöteten Ludwigshafener Zugbegleiters Serkan Çalar gedacht. An Gleis 1 des Mannheimer Hauptbahnhofs ist am Freitagnachmittag eine Gedenktafel für ihn enthüllt worden als dauerhafter Mahn- und Gedenkort. Çalar war Angestellter der DB Regio Rhein-Neckar mit Sitz in Mannheim, deshalb befindet sich die Gedenktafel in Mannheim.
Schweigeminute: Tränen bei den Angehörigen
Bei der Schweigeminute für Serkan Çalar standen den Angehörigen des getöteten Zugbegleiters die Tränen in den Augen. Für den Bruder Eray Çalar ist die Gedenkveranstaltung ein Trost, seine Trauer aber bleibe, sagte er dem SWR.
Serkan, du wirst immer mein Bruder sein, wir werden dich nie vergessen, Ruhe in Frieden mein Bruder.
Der Familie gehe es nicht gut, besonders seinen Kindern nicht, erzählte er dem SWR am Rande der Gedenkveranstaltung. "Wie sollen wir uns fühlen, wenn ein Teil von uns weggerissen wurde? Das macht einen kaputt." Er hoffe, dass sich die Situation für die Zugbegleiter verbessere. Der Tod seines Bruders solle nicht umsonst gewesen sein.
Bahn-Chefin Palla: "Gedenktafel ist eine Mahnung"
"Der Schmerz, den Sie tragen müssen, den kann sich hier niemand auch nur ansatzweise vorstellen“, betonte Bahnchefin Evelyn Palla in ihrer Rede. Sie zeigte sich betroffen und wünschte der Familie viel Kraft. Sein Tod zeige, dass die Sicherheit für das Zugpersonal erhöht werden müsse. Die Gedenktafel sei eine Mahnung.
Es ist eine Mahnung, dass Gewalt keinen Platz haben darf. Nicht in unseren Zügen, nicht an unseren Bahnhöfen und nirgends in unserer Gesellschaft.
Bundesverkehrsminister für härtere Strafen
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) hatte in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe dafür plädiert, härtere Strafen für gewaltbereite Fahrgäste auf den Weg zu bringen. Der neue Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) stimmte dem Vorhaben in seiner Rede am Freitagnachmittag am Mannheimer Hauptbahnhof zu.
Angriffe auf Zugbegleiter werden gesondert im Gesetzbuch aufgenommen. Das ist richtig und wichtig, dass wir Konsequenzen aus dem schrecklichen Ereignis ziehen.
Weiter betonte er, den Tod von Serkan Çalar als Mahnung für eine "respektvolle Rücksichtsnahme" zu sehen.
Welche Maßnahmen bereits getroffen wurden, damit sich Zugbegleiter und -begleiterinnen wieder sicherer fühlen, und was noch getan werden muss - darüber hat Steffen Bilger im SWR-Interview gesprochen:
Kollegin von Çalar: "Die Gewalt an uns Zugbegleitern muss aufhören“
Zu der Gedenkveranstaltung ist auch eine ehemalige Kollegin Çalars gekommen. Sie möchte lieber anonym bleiben. Seit seinem Tod trägt sie jeden Tag bei ihrer Arbeit einen Button mit einem Bild von ihm. "Er ist so für uns immer sichtbar. Wir vergessen ihn nicht", sagte sie dem SWR.
Sie wurde nach eigener Aussage bisher nicht von Fahrgästen angegriffen. Aber viele ihrer Kolleginnen und Kollegen seien nicht verschont geblieben. "Es ist sehr schlimm geworden. Wenn jemand keine Fahrkarte hat, werden wir extrem beschimpft, angespuckt, getreten, gebissen". Nach dem Vorfall im Februar hätten viele ihrer Kolleginnen und Kollegen Angst.
Das darf nie wieder passieren, auf keinen Fall. Wir vermissen ihn.
Dauerhafter Gedenkort setzt Zeichen gegen Gewalt im Nahverkehr
Der 36-jährige Zugbegleiter aus Ludwigshafen war Anfang Februar bei einer Fahrkartenkontrolle in einem Regionalexpress zwischen Landstuhl (Landkreis Kaiserslautern) und dem saarländischen Homburg von einem Fahrgast ohne Ticket attackiert worden. Der alleinerziehende Vater zweier minderjähriger Kinder starb später an einer Hirnblutung.
Angreifer zu zehn Jahren Haft verurteilt - Familie geht in Revision
Der Mann, der den Zugbegleiter Serkan Çalar angegriffen hatte, war im Juli vom Landgericht Zweibrücken (Rheinland-Pfalz) wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Dagegen hat die Familie nach Angaben ihres Anwaltes Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt. Die Angehörigen fordern eine Verurteilung wegen Mordes und eine höhere Haftstrafe.