Mehr als drei Monate nach der historischen Wahlschlappe hat sich die SPD-Basis in Baden-Württemberg für eine neue Doppelspitze entschieden. Wie der SWR aus Parteikreisen erfuhr, setzten sich die Mannheimer Bundestagsabgeordnete Isabel Cademartori und der Social-Media-Experte Robin Mesarosch aus Sigmaringen in der Mitgliederbefragung um die künftigen Parteivorsitzenden klar durch. Demnach erhielt das Duo 56,5 Prozent der gültigen Stimmen. Nun sollen die 38 Jahre alte Cademartori und der 35-jährige Mesarosch am Freitag dem Landesparteitag in Ulm zur Wahl vorgeschlagen werden.
SPD-Landesvize Kliche-Behnke klar geschlagen
Die Beiden setzten sich in der Mitgliederbefragung gegen die Tübinger Landtagsabgeordnete Dorothea Kliche-Behnke durch, die seit 2018 SPD-Landesvize ist. Sie kam auf 24,5 Prozent. Dahinter landete der frühere Unternehmensberater Carsten Lotz mit 16,9 Prozent. Von den knapp 30.000 wahlberechtigten Mitgliedern haben sich dem Vernehmen nach über 13.000 an der Befragung beteiligt.
Neues Duo folgt auf Andreas Stoch
Auf das neue Führungsduo Cademartori und Mesarosch kommt eine große Aufgabe zu. Denn die SPD hatte bei der Landtagswahl im März mit 5,5 Prozent das schlechteste Wahlergebnis in ihrer Geschichte eingefahren. Nach der schweren Schlappe hatte Spitzenkandidat Andreas Stoch seinen Rückzug als Partei- und Fraktionschef angekündigt. An der Fraktionsspitze folgte auf ihn der bisherige Generalsekretär Sascha Binder.
Cademartori nannte das Ergebnis der Mitgliederbefragung ein "klares Aufbruchssignal nach einer wirklich niederschmetternden Niederlage bei der Landtagswahl". Auch Mesarosch sprach von einem "bewussten Generationswechsel". Man strebe einen Wechsel an in der Kommunikation, Organisation und in den Inhalten der SPD. Der 35-Jährige hat besondere Reichweiten auf Social Media. Mit derzeit 129.000 Followern folgen ihm auf Instagram mehr Menschen als den Bundespartei-Chefs Lars Klingbeil und Bärbel Bas.
Das neue Duo wolle sich einsetzen für die Zukunft der Industrie, der Wirtschaft und der Natur - "mit und nicht gegen den Klimaschutz", so Cademartori. Außerdem für eine gerechte Verteilung der Profite und Lasten in der Gesellschaft und für ein gutes Leben, dass man sich leisten könne.
Cademartori und Mesarosch stehen für verschiedene Parteiflügel
Isabel Cademartori sitzt seit 2021 im Bundestag und ist verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion. Die 38-Jährige gehört dem pragmatischen und wirtschaftsfreundlichen Seeheimer Kreis innerhalb der SPD an. Dagegen wird Robin Mesarosch dem linken Parteiflügel zugerechnet. Mesarosch hatte von 2021 bis 2025 für den Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen im Bundestag gesessen, verpasste jedoch den Wiedereinzug bei der Bundestagswahl vor gut einem Jahr.
Aus ihren Unterschieden wollen die beiden eine Kraft ziehen, so Cademartori. Es brauche mehr Debatten und nicht weniger, sagte sie mit Blick auf die Gesamtpartei. Notwendige Debatten dürften nicht unterdrückt werden, um ein geschlossenes Bild nach außen abzugeben. Auch Mesarosch betonte, er und Cademartori brächten Unterschiede mit, diese halte man aber auch für eine Chance.