Pläne von Kultusminister Jung

Sind angehende Lehrkräfte in den Sommerferien bald nicht mehr arbeitslos?

BW-Kultusminister Andreas Jung (CDU) will Referendare über die Sommerferien zukünftig bezahlen. Ministerpräsident Özdemir (Grüne) hat andere Prioritäten im Bildungsbereich.

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Von Autor/in Julia Kretschmer

Zum Ende jedes Schuljahres werden in BW frisch ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer bisher jedes Mal entlassen, auch wenn sie für das neue Schuljahr schon einen Job haben. Diese Praxis möchte Kultusminister Andreas Jung (CDU) ändern, wie er diese Woche bei einer Veranstaltung der Lehrergewerkschaft Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) angekündigt hat.

Auf SWR-Anfrage teilte Jung mit, das Vorhaben sei ein "Ausdruck einer neuen Willkommenskultur für Lehrerinnen und Lehrer". Das Land habe ein großes Interesse, bei uns ausgebildete Lehrkräfte für den Schuldienst in BW zu gewinnen. Man brauche sie dringend, um Schülerinnen und Schülern bestmögliche Bildungschancen zu vermitteln, so Jung.

Finanzministerium sieht wenig finanziellen Spielraum

Schätzungen zufolge würde es das Land gut 11,5 bis 15 Millionen Euro kosten, die rund 4.000 Lehrkräfte, die jährlich mit dem Referendariat fertig werden, über die Sommerferien weiter zu beschäftigen. Und genau hier liegt der Knackpunkt. Insgesamt sind im Landeshaushalt 2026 für das Kultusministerium gut 14,8 Milliarden Euro an Ausgaben veranschlagt.

An den Eckpunkten für den Haushalt 2027 würde derzeit gearbeitet, heißt es aus dem Grün-geführten Finanzministerium auf SWR-Anfrage. "Es wird absehbar kaum finanziellen Spielraum für Mehrausgaben geben, daher wird es mehr denn je auf Umschichtungen innerhalb des jeweiligen Etats ankommen", so ein Sprecher des Ministeriums. Für den Bildungsbereich habe Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) darauf hingewiesen, dass die Priorität auf dem beitragsfreien letzten Kita-Jahr liege. Jung selbst gibt an, dass die bezahlten Sommerferien gut investiertes Geld seien, jedoch im Gesamtkontext des Landeshaushalts abgebildet werden müsse.

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"Prüfung" der bezahlten Sommerferien steht im Koalitionsvertrag

Die Grünen hatten die Weiterbeschäftigung angehender Lehrkräfte über die Sommerferien noch als Ziel im Wahlprogramm. Bei der CDU war das kein Thema. Im Koalitionsvertrag heißt es: "Um den Lehrerberuf im Land noch attraktiver zu machen, prüfen wir die Bezahlung angehender Lehrkräfte in den Sommerferien zwischen Vorbereitungsdienst und Antritt ihrer ersten Dienststelle."

Bei der Oppositionsfraktion SPD überwiegt die Skepsis, ob Jung sein Vorhaben schlussendlich umsetzen kann. „Heute wird versprochen und morgen wird entlassen. Grüne und CDU spielen mit jungen Leuten, statt sie ernst zu nehmen“, so SPD-Fraktionschef Sascha Binder gegenüber dem SWR. Auch die AfD erwarte laut bildungspolitischem Sprecher der Fraktion, Hans-Peter Hörner, dass den Ankündigungen des Kultusministers Taten folgen. Dass Referendare nach erfolgreichem Abschluss ihrer letzten Ausbildungsphase zunächst in die Arbeitslosigkeit geschickt werden, sei unhaltbar und müsse beendet werden.

Lehrergewerkschaft: Jungs Vorhaben sei wichtiges Signal

Die Lehrergewerkschaft GEW fordert schon seit Jahren die Weiterbezahlung angehender Lehrkräfte über die Sommerferien. Das Vorhaben des neuen Kultusministers sei ein wichtiges Signal für eine mutigere Bildungspolitik der neuen Landesregierung, heißt es in einer Mitteilung. Jungs Amtsvorgängerinnen Theresa Schopper (Grüne) und Susanne Eisenmann (CDU) hatten diese Forderung stets abgelehnt.

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Julia Kretschmer
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