Wechsel beim Stuttgarter Autohersteller

Porsche bekommt neuen Chef: Blume hört auf - Leiters folgt beim Stuttgarter Autobauer

VW-Konzernchef Oliver Blume wird zum Jahreswechsel sein Amt als Chef von Porsche abgeben. Auch sein Nachfolger kennt sich als ehemaliger Manager von McLaren mit schnellen Autos aus.

Teilen

Stand

Von Autor/in Lutz Heyser, Tina Fuchs

Der Vorstandsvorsitzende des Stuttgarter Autoherstellers Porsche, Oliver Blume, gibt seinen Chefposten Anfang 2026 auf. Dann übernimmt der McLaren-Manager Michael Leiters den Posten, wie das Stuttgarter Unternehmen nach einer Sitzung des Aufsichtsrats mitteilte. Der 57-jährige Blume war seit Herbst 2015 Chef der Volkswagen-Konzerntochter aus Zuffenhausen.

Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche hob Leiters' jahrzehntelange Erfahrung in der Automobilindustrie hervor. Leiters selbst sprach von einem "fantastischen Unternehmen" mit "ikonischen Sportwagen". Er freue sich darauf, "gemeinsam die einzigartige Geschichte von Porsche fortzuschreiben".

Stuttgart-Zuffenhausen

Ex-Manager von McLaren Michael Leiters: Das ist der neue Porsche-Chef

Der ehemalige McLaren-Manager Michael Leiters übernimmt 2026 als neuer Porsche-Chef von Oliver Blume. Wer ist der Mann, der den Stuttgarter Autobauer aus der Krise führen soll?

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Mit den Personalien geht eine aktuell einzigartige Konstellation in der deutschen Unternehmenslandschaft zu Ende: Denn Blume führt seit gut drei Jahren zwei Börsenunternehmen. Im Oktober 2015 wurde er Vorstandsvorsitzender von Porsche.

VW verlängert Vertrag mit Blume

Unterdessen teilte Volkswagen mit, dass der Vertrag mit Blume vorzeitig bis 2030 verlängert werde. Der Aufsichtsrat habe am Freitag beschlossen, Blume ab dem 1. Januar 2026 einen neuen Vertrag mit einer Laufzeit von fünf Jahren zu geben.

Ein Sprecher des Betriebsrats erklärte dazu, die Arbeitnehmerseite begrüße die Entscheidungen ausdrücklich, und zwar sowohl mit Blick auf Porsche als auch mit Blick auf die Führung des Konzernvorstandes. In der jüngeren Vergangenheit habe der Betriebsrat Vorbehalte gegen die Doppelrolle Blumes gehabt. "Das war aber nie eine Kritik an seiner Person."

Als Porsche-Chef Oliver Blume 2022 den Börsengang einläutete, war es für ihn bis dahin nur aufwärts gegangen: In zu diesem Zeitpunkt sieben Jahren im Amt hatte sich der Gewinn von Porsche verdoppelt - auf fünf Milliarden Euro. Auch die Zahl der Mitarbeitenden hatte sich annähernd verdoppelt, auf 42.000. Porsche - einst kleiner, aber feiner Sportwagenbauer - war das Unternehmen, das dem Volkswagenkonzern Geld einbringen sollte. 

Doppelrolle als Porsche- und VW-Chef seit 2022

Am 1. September 2022 übernahm Blume - kurz vor dem Porsche-Börsengang - zudem den Vorstandsvorsitz der Konzernmutter Volkswagen vom bisherigen Chef Herbert Diess. Für diese Doppelfunktion an der Spitze beider Autokonzerne wurde Blume nicht nur vom Betriebsrat, sondern auch von Aktionärsvertreterinnen und -vertretern immer wieder kritisiert- auch weil beide Unternehmen wirtschaftlich unter Druck stehen. Porsche hat bereits zum dritten Mal seine Gewinnprognose gesenkt. Den Sportwagenbauer belasten zunehmend Konkurrenz in China und Autozölle in den USA.

Aber es war eine Entscheidung der mächtigen Porsche-Familie, unantastbar. Und: Noch liefen die Geschäfte. Die Sportwagen trugen weiter zum Mythos bei, doch das Geld machte Porsche mit den SUVs. Jahrelang lief es für Oliver Blume gut - und so hatte er schon früh und mit Überzeugung die Elektrostrategie ausgerufen.

2019 ist das Jahr des Taycan, und damit der Beginn einer neuen Ära für Porsche.

Modell Taycan soll Porsche den Durchbruch in der Elektromobilität bringen

Der Taycan war der erste vollelektrische Porsche. Bis 2025, hieß es damals, sollte die Hälfte der ausgelieferten Fahrzeuge elektrisch sein. Fünf Jahre später sogar 80 Prozent. Und bereits ab 2024 sollte der meistverkaufte Porsche-SUV, der Macan, nicht weiter als Verbrenner gebaut werden. So die Elektrostrategie.

Stattdessen begann der Abstieg. Die Skepsis gegenüber E-Autos machte auch vor der vollelektrischen Sportlimousine Taycan nicht halt. Es hagelte Kundenbeschwerden. Statt in zwei Schichten wird der E-Sportwagen zurzeit nicht einmal mehr in halber Schicht gebaut.

Vom E-Auto-Fokus zurück zum Verbrenner

Inzwischen soll beim Macan die Rolle rückwärts gemacht werden, für 2028 ist ein neues Verbrennermodell geplant. Das "Aus vom Verbrenner-Aus" kostet Porsche Milliarden, und das bleibt nicht ohne Folgen. Erstmals seit Jahrzehnten sollen Stellen abgebaut werden: 1.900. Verträge für 2.000 Leiharbeiter werden nicht verlängert. Selbst die Beschäftigungssicherung, die bis 2030 gilt, steht offenbar in Frage.

Im August 2025 kam dann eine Hiobsbotschaft für die E-Auto-Branche in Deutschland: Bei Cellforce, der konzerneigenen Batteriezell-Fabrik bei Reutlingen, knipst Porsche noch vor dem Hochlauf der Produktion das Licht aus. Es ist das Ende eines Hoffnungsträgers für Hochleistungszellen. 200 Beschäftigte müssen gehen, momentan läuft die Abwicklung. Nur ein Entwicklungsteam soll beschäftigt bleiben.

Schwäche auf dem chinesischen Markt

Vor allem aber kommt auch Porsche nicht an der China-Problematik vorbei - der Abkehr chinesischer Kundinnen und Kunden von "Made in Germany" als Kaufargument. Der Absatz im einst wichtigsten Markt für die Schwaben hat sich seit dem Rekordjahr 2021 halbiert - ein Trend, der bereits im Jahr 2022 begann. 

Die Verkäufe in den USA laufen zwar weiter. Wer sich einen Porsche leisten kann, der kauft einen Porsche - egal, ob Broker in New York oder Schauspielerin in Hollywood. Aber das Zollthema drückt trotzdem auf die Marge: Porsche als importierender Hersteller will die Einfuhrsteuer nicht voll an die Kunden weitergeben - aus Sorge, dass ein höherer Preis sie vom Kauf abhalten würde.

Blume trägt nicht für alle Porsche-Schwierigkeiten Verantwortung  

Geopolitische Faktoren sind allerdings nicht der Doppelrolle von Blume anzulasten, sagt Stefan Reindl vom Institut für Automobilwirtschaft in Nürtingen (Kreis Esslingen). Wahrscheinlich aber hätte ein Vorstandsvorsitzender, der seine ganze Arbeitszeit Porsche widmet, schneller auf den Rückgang in China reagiert. Oder sorgfältiger kontrolliert, welche Strategien bei der Batteriezellentwicklung von Cellforce verfolgt werden.

Anfang des Jahres las bei einer Porsche-internen Managerkonferenz der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Porsche seinem Führungspersonal die Leviten.

Wir handeln zu langsam. Wir sind überorganisiert, wir stimmen uns ab, noch und nöcher.

Wolfgang Porsche sprach auch ein massives Problem bei den Produkten an, für die Kunden immerhin mehr als 100.000 Euro zahlten. Porsche-Fahrer und Tester hätten dem Aufsichtsrat berichtet, die Autos schienen noch nicht ganz fertig entwickelt.

Viele treue Porsche-Fans finden, das Unternehmen habe nichts mehr mit dem einst feinen und flinken Familienunternehmen zu tun, das begehrenswerte Sportwagen baute. Der Mythos zeige Risse - vielleicht auch als Resultat des Börsengangs von Porsche.

Hat sich Porsche zu lange auf seinen Lorbeeren ausgeruht?

Möglicherweise haben die rasant gestiegenen Absatzzahlen für ein zu ausgeprägtes Selbstbewusstsein geführt. Anfang des Jahrtausends baute Porsche gerade mal 50.000 Fahrzeuge im Jahr. Inzwischen sind es sechsmal so viele, mehr als 300.000. Das Porsche-Management hat sich möglicherweise zu lange auf den eigenen Erfolg verlassen. Der Absturz kam abrupt, aber nicht überraschend.

Im beunruhigten Porsche-Familienclan kursierte laut Medienberichten eine Chatnachricht, Porsche sei "voll auf Crashkurs". Der Gewinn war im zweiten Quartal 2025 um 90 Prozent eingebrochen. In Folge stieg Porsche auch noch aus der ersten deutschen Börsenliga ab und landete im MDAX.

Spekulationen über Abgang bei Porsche Blume: Doppelrolle als Chef von VW und Porsche "ist nicht für die Ewigkeit ausgelegt"

Oliver Blume steht seit drei Jahren an der Spitze von Porsche und VW. Diese Konstellation sei bewusst gewählt worden - aber nicht für die Ewigkeit ausgelegt, so Blume.

SWR4 BW am Morgen SWR4 Baden-Württemberg

Produktion in den USA nicht geplant Trotz Kritik: Blume bleibt weiter Porsche-Chef und plant "schmerzhafte Einschnitte"

Oliver Blume behält seine umstrittene Doppelrolle als Chef von VW und Porsche. Das nächste Porsche-Sparpaket enthält "schmerzhafte Einschnitte". Ein USA-Werk ist nicht geplant.

SWR Aktuell am Morgen SWR Aktuell

Stuttgart

Krise in der Autoindustrie Schwaches China-Geschäft und US-Zölle: Porsche kündigt zweites Sparprogramm an

Die Krise beim Stuttgarter Autobauer Porsche ist offenbar größer als bislang angenommen. Das Unternehmen informierte die Belegschaft, dass ein zweites Sparprogramm nötig sei.

SWR1 Baden-Württemberg SWR1 Baden-Württemberg

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Lutz Heyser
Tina Fuchs
Onlinefassung
Jakob Wilking Fandrey
SWR-Redakteur Jakob Wilking Fandrey
Michael Ströbel
SWR-Redakteur Michael Ströbel

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!