Baden-Württembergs neue Verkehrsministerin Nicole Razavi (CDU) will beim Umbau der Mobilität keinen schnellen Abschied vom Verbrenner. Stattdessen setzt die Ministerin auf Technologieoffenheit und synthetische Kraftstoffe. Bei ihrem ersten TV-Auftritt als Landesverkehrsministerin in der SWR-Sendung "Zur Sache! Baden-Württemberg" sagte die CDU-Politikerin, man müsse wegkommen von der Schwarz-Weiß-Debatte zwischen E-Auto und Verbrenner.
Razavi: E-Auto muss zur Lebenswirklichkeit passen
Razavi betonte, das Elektroauto sei zwar "sicherlich das Fahrzeug der Zukunft". Gleichzeitig brauche es aber weiterhin saubere Verbrenner als Übergangstechnologie.
Entscheidend sei, welche Lösung zur jeweiligen Lebenswirklichkeit passe. Wer zuhause laden könne oder eine eigene PV-Anlage habe, für den sei ein E-Auto attraktiv. Viele Menschen hätten aber weder eine passende Ladeinfrastruktur noch das Geld für ein Elektroauto, so Razavi. Politik mit "erhobenem Zeigefinger" lehne sie deshalb ab.
Klimaziel 2040 statt Verbrenner-Aus 2035?
Auf die Frage nach dem geplanten EU-weiten Verbrenner-Aus ab 2035 reagierte Razavi ausweichend und verwies auf das Klimaziel 2040. Das stehe zwar fest, im Koalitionsvertrag habe man sich aber bewusst auf Technologieoffenheit konzentriert. Die Landesregierung investiere auch in synthetische Kraftstoffe. Baden-Württemberg müsse wettbewerbsfähig bleiben, sagte die Ministerin mit Blick auf die Autoindustrie und rund 480.000 Arbeitsplätze im Land.
Baden-Württemberg ist weiter Verbrennerland
Die Zahl der E-Autos steigt, der Staat lockt wieder mit einer Kaufprämie. Aber der Anteil an Verbrennern ist weiter hoch: Viele Menschen in Baden-Württemberg wollen weiter ihren Diesel oder Benziner fahren. Im Oktober 2025 waren laut dem Datenmonitor der Landesagentur e-mobil BW 4,4 Prozent der Autos in Baden-Württemberg elektrisch, 58,9 Prozent waren Benziner und 27,3 Prozent Dieselfahrzeuge.
Die Klimaziele der vorhergegangenen Landesregierung sahen vor, dass der Anteil klimaneutraler Autos auf den Straßen in Baden-Württemberg bis 2030 die 50-Prozent-Marke knacken soll. Laut einer SWR-Datenrecherche ist das unrealistisch.
Kritik von der Deutschen Umwelthilfe
Die Geschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe, Barbara Metz, kritisierte die Politik in der SWR-Sendung "Zur Sache! Baden-Württemberg" scharf: Die Landesregierung fahre einen "Zickzack-Kurs" ohne Bekenntnis zum Verbrenner-Aus.
Außerdem seien Wasserstoff und E-Fuels im Pkw-Bereich unrealistisch. Razavi entgegnete, die Strategie sei gemeinsam mit der Automobilwirtschaft entwickelt worden. Dass die Deutsche Umwelthilfe anderer Meinung sei, sei "geschenkt", so Razavi.