Die ersten Weihnachtsmärkte in Baden-Württemberg haben wieder geöffnet. Dort dreht sich wie immer alles um Glühwein, Langos, kleinen Schnickschnack - und Sicherheitsmaßnahmen. Der Schutz vor Terror, Amok und anderen Gewalttaten kostet die Städte und Kommunen einiges. Denn: Die richtige Sicherung sei eine Herausforderung, die immer größer und teurer werde, sagt Dennis Eichenbrenner, Vorsitzender des Bundesverbands Veranstaltungssicherheit. Gerade kleine Veranstalter könnten das allein kaum stemmen.
- Keine Hinweise auf Anschläge
- Keine Märkte abgesagt
- Eine viertel bis halbe Million Euro für Zufahrtssperren
- Poller Marke Eigenbau
- Panzersperren für den Weihnachtsmarkt
- Strobl: Angst darf Alltag nicht bestimmen
Bislang kein Anschlagsplan auf Weihnachtsmarkt bekannt
Laut BW-Innenministerium gibt es aktuell keine Hinweise auf eine Gefährdungslage oder mögliche Anschläge auf einen Weihnachtsmarkt in Baden-Württemberg. Es bestehe daher kein Grund, auf einen Besuch zu verzichten, heißt es vom Ministerium. Die Sicherheitsbehörden seien bestens vorbereitet, betont Innenminister Thomas Strobl (CDU).
In Baden-Württemberg entscheiden Städte und Gemeinden selbst, welche Sicherheitskonzepte sie umsetzen wollen - zentrale Vorgaben vom Land gibt es nicht, die Polizei kann aber vor Ort beraten. Sie zeigt außerdem stärkere Präsenz auf den Weihnachtsmärkten, daneben es gibt Waffen- und Messerverbotszonen.
Hand in Hand mit den Veranstaltern greifen dabei alle Sicherheitsrädchen eng ineinander - das ist jedenfalls unser Anspruch.
Noch keine Weihnachtsmärkte abgesagt
Bereits im Frühling mussten einige Veranstaltungen in Baden-Württemberg abgesagt werden, da das Geld für die verschärften Sicherheitskonzepte fehlte. Weihnachtsmärkte in Baden-Württemberg sind davon nach Angaben des Städtetags bislang nicht betroffen. Die Städte versuchten alles, um traditionsreiche Veranstaltungen möglich zu machen.
Sebastian Ritter, Dezernent beim Städtetag Baden-Württemberg, sagte, um zu sparen, könne es sein, dass Weihnachtsmärkte verkleinert, Vereine stärker einbezogen oder Standgebühren erhöht würden. Die kommunalen Finanzen müssten dringend gestärkt werden, so Ritter. Städte und Gemeinden beklagen seit Langem, dass sie für ihre Aufgaben zu wenig Geld von Land und Bund bekommen.
Schutz vor Anschlägen: Kosten steigen für Budenbetreiber
Die Kosten für die Sicherheitsmaßnahmen werden nach Angaben des BW-Landesverbandes für Schausteller und Marktkaufleute zwar nicht direkt auf die Budenbetreiber umgelegt. Indirekt merke man das aber schon, sagte Verbandspräsident Werner Burkmeier. So seien die Sicherheitsmaßnahmen ein Grund für erhöhte Platzgebühren. Die Sperren seien eine weitere Einschränkung - so seien Zufahrten nur in gewissen Zeiträumen möglich. Teilweise würden die Stände auch umplatziert. Das müsse man aber eben in Kauf nehmen, so Burkmeier.
Wer zertifizierten Schutz will, muss investieren
Die Stadt Heilbronn setzt beim Weihnachtsmarkt auf High-Tech-Schutz: zertifizierte Abwehrpoller aus der Schweiz. Diese sollen allein für die Miete während des Weihnachtsmarkts 250.000 Euro kosten.
Steffen Schoch von der Heilbronn Marketinggesellschaft (HMG) bekräftigt: Die Sicherheitsmaßnahmen der Stadt entsprechen der höchsten Schutzkategorie. Im Haushaltsplan für 2025 waren die Mehrkosten, die durch Sicherheitsmaßnahmen bei Veranstaltungen anfallen, allerdings nicht vorgesehen. Der Stadtverwaltung Heilbronn liegt nun der Entwurf für ein neues Sicherheitskonzept vor. Sobald das ausgewertet ist, soll entschieden werden, ob man Poller weiterhin mietet oder doch kauft.
Auch die Stadt Esslingen hat tief in die Taschen gegriffen: Für eine halbe Million Euro hat sie eine Vielzahl von mobilen Pollern und Sperrelementen gekauft. Diese sind aber nicht nur für den Weihnachtsmarkt bestimmt - die Elemente wurden und werden auf vielen Veranstaltungen genutzt, wie die Stadt auf SWR-Anfrage mitteilte. Ein weiterer Faktor für die hohen Kosten ist die Einbettung des Markts in die Altstadt. "Wir haben aufgrund unserer historischen Altstadt sowie der Ausdehnung des Mittelalter- und Weihnachtsmarktes sehr viele Zugänge", heißt es von der Stadt.
Marke Eigenbau: Betonpoller und Kette
In vielen Städten kommen mobile Zufahrtssperren zum Einsatz, wie zum Beispiel in Freiburg, Karlsruhe, Öhringen und Forchtenberg (Hohenlohekreis). Oft sind die Module gemietet. In Wangen im Allgäu (Kreis Ravensburg) hatte man zunächst auch auf gemietete Zufahrtssperren gesetzt. Laut der Sprecherin der Stadt, Susanne Müller, kostete das jedes Mal bis zu 6.000 Euro, ein stadteigener Betonklotz unter 5.000 Euro. Das mache bei knapp 30 Barrieren insgesamt über 100.000 Euro. Auf lange Sicht sei das trotzdem günstiger als Barrieren zu mieten, erklärt Müller.
Die Idee für die stadteigenen Betonklötze kam von Mitarbeitern des städtischen Bauhofs. Diese haben die Poller auch selbst konzipiert und gebaut.
Wichtig bei der Konzeption war, dass (...) die Betonpoller auch als Standbock für Christbäume oder Laternenmasten dienen können.
Külsheim recycelt Panzersperren
In Külsheim (Main-Tauber-Kreis) wurden vier ausgediente Panzersperren aus Beton mit einem Durchmesser von 1,40 Meter für den Weihnachtsmarkt umfunktioniert: erst abgestrahlt, dann weiß-rot angestrichen. Ein Aufwand von etwa 1.000 Euro für Farbe und Arbeitszeit. So konnte die Stadt mehr als 30.000 Euro einsparen.
Die Poller sind so unverschämt teuer geworden, dass wir selbst kreativ wurden.
Früher habe ein Poller rund 800 Euro gekostet, inzwischen verlangten Hersteller das Zehnfache, berichtet Simone Hickl-Seitz, Hauptamtsleiterin der Stadt Külsheim. "Die wissen genau, alle Städte brauchen das. Aber die Kassen sind leer", so Hickl-Seitz. Die kostengünstige Lösung Külsheims erfülle ihren Zweck. Die vier Panzersperren aus der ehemaligen Bundeswehrkaserne am Ort wiegen jeweils mehrere Tonnen und waren unter anderem dafür gedacht, Panzer am Durchkommen zu hindern.
Feste sollen erhalten bleiben
Auch wenn man in Zeiten lebe, "in denen wir alle grundsätzlich wachsam sein müssen", mahnt Innenminister Strobl, dass Angst nicht den Alltag bestimmen dürfe.
Wir dürfen uns unsere Bräuche und Traditionen nicht nehmen lassen. Denn wenn wir das tun, hätten die Feinde der Demokratie und der freien Gesellschaft genau das erreicht, was sie erreichen wollen.
Auch der Präsident des Schaustellerverbands BW, Werner Burkmeier, findet die Erhaltung der Feste wichtig. Er wünscht sich, dass "bei den Sicherheitsvorkehrungen mit Augenmaß und gesundem Menschenverstand gearbeitet wird".