Unsicherheit über Postversorgung im Ort

Muss Löffinger Postfiliale schließen? - Automat soll Menschen ersetzen

Die Post will ihre Filiale in Löffingen schließen – ein Automat soll sie ersetzen. Gerade für Ältere könnte das zur Herausforderung werden. Im Ort regt sich Widerstand. 

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Von Autor/in Lukas Herzog

Es ist das Gesprächsthema im Ort: Die Deutsche Post will ihre selbst betriebene Postfiliale in Löffingen im Breisgau-Hochschwarzwald schließen. Die Filiale lohne sich wirtschaftlich nicht, so die Post. Den Menschen bliebe dann nur noch ein Automat, an dem sie ihre Briefe und Pakete abgeben können – oder die etwa 13 Kilometer lange Fahrt zur nächsten Postfiliale im Nachbarort. Einige Löffinger befürchten deshalb, dass älterer Anwohner durch die Umstellung benachteiligt werden.

Neues Gesetz: Automaten können Postfilialen ersetzen

Wohnen über 2.000 Menschen in einem Ort, muss die Post dort eigentlich eine Postfiliale betreiben. In Löffingen leben 7.700 Menschen. Der Gesetzgeber ermöglicht es der Post aber seit gut einem Jahr, Postfilialen mit sogenannten Poststationen zu ersetzen – wenn die Bundesnetzagentur zustimmt.

In 15 baden-württembergischen Ortschaften ersetzen Poststationen bereits eine Filiale mit Menschen. Löffingen soll jetzt – geht es nach der Post – folgen.

Eine gelbe Poststation.
So sieht sie aus: Die Poststation, mit der die Deutsche Post schlecht laufende Filialen im ländlichen Raum ersetzen möchte.

Löffinger ärgern sich über mögliche Schließung ihrer Post

In einem Café in der Innenstadt treffen sich zur Mittagszeit einige Löffingerinnen und Löffinger, um die Sonne zu genießen. Dass es bald keine Postfiliale mehr geben könnte, kommt hier nicht gut an. "Für uns ist das schlecht", sagt Harald Riedlinger. Er findet: Eine so große Stadt wie Löffingen brauche auch eine richtige Postfiliale. Er selbst habe schon vor einer Poststation gestanden, die ihm sein Paket nicht herausgeben wollte.

Auch Anette Heiler gefällt es nicht, dass die Postfiliale bald weg sein könnte. "Ich habe ab und zu mal spezielle Größen, die ich wegschicken muss", sagt Heiler. Mit der Technik des Postautomaten fühle sie sich zu unsicher. In die Post reinmarschieren und Brief oder Paket einfach abgeben, das sei angenehmer.

Die Außenterrasse eines Cafés.
Bei den Besucherinnen und Besuchern dieses Cafés in Löffingen stößt die mögliche Schließung der Postfiliale auf wenig Begeisterung.

Auch Fans der Poststation leben im Ort

Aber es gibt auch andere Stimmen. Emilia Marx kann den Postautomaten durchaus Positives abgewinnen. "Wenn man studiert oder lange arbeitet, ist es eigentlich schwieriger, in die Post zu kommen, als zu so einem Automaten", meint Marx. Grund sind die kurzen Öffnungszeiten der Filiale. Trotzdem: Für ihre Oma sei so ein Automat sicher eine Herausforderung.

Wie kommen ältere Menschen mit Postautomaten zurecht?

Gerade die Frage, wie ältere Menschen mit solchen Automaten zurechtkommen, beschäftigt viele. Rudolf Gwinner, 71 Jahre alt, probiert die Löffinger Poststation zum ersten Mal aus. Einen Brief will er verschicken. Ein paar Minuten drückt sich Gwinner auf dem Display durch das Angebot. Dann gibt er auf. "Ich weiß nicht, wie ich hier an eine Briefmarke komme", sagt Gwinner. Altersdiskriminierung sei das.

Ein Mann tippt auf das Display einer Poststation.
Selbstversuch an der Poststation. Rudolf Gwinner ist mit dem Automaten überfordert. Seinen Brief wird er hier nicht los.

Die Post sieht das anders. Sie verweist auf Medienberichte, laut denen auch ältere Menschen gut mit der Poststation zurechtkommen. Generell gebe es eine 90-prozentige Zufriedenheit mit den Automaten. Sie seien eine gute Alternative, um die Versorgung auch im ländlichen Raum sicherzustellen.

Zu geringe Nachfrage bei Löffinger Postfiliale?

Der Betrieb der eigenen Postfiliale in Löffingen ist aus Sicht der Post "wirtschaftlich nicht zumutbar". Die Nachfrage sei zu gering, so geht es aus dem Antrag hervor, den die Post bei der Bundesnetzagentur gestellt hat. Der Antrag hat zum Ziel die selbst betriebene Filiale durch die bereits vorhandene Poststation zu ersetzen.

Löffingens Bürgermeister Tobias Link kann das Argument der schlechten Nachfrage nicht nachvollziehen. Zu Stoßzeiten nutzten viele Menschen die Postfiliale. "Vor Weihnachten und Ostern stehen die Leute Schlange", so Link. Bei der Post mit Menschen sprechen zu können, sei den Leuten hier noch wichtig.

Ein Mann sitzt an einem Schreibtisch. Im Vordergrund ein aufgeklappter Laptop.
Der Antrag der Post hat Bürgermeister Tobias Link überrumpelt. Noch hat er Hoffnung, dass die Postfiliale nicht schließen muss.

Bevor man den Antrag bei der Bundesnetzagentur gestellt hat, sei man auf andere Geschäfte in Löffingen zugegangen, so die Post. Das Ziel: Eines der Geschäfte soll die Dienstleistungen übernehmen. Das Geschäft hätte einen Zuverdienst, die Post würde Kosten sparen, so die Idee. Die intensive Suche sei erfolglos gewesen, schreibt die Post in ihrem Antrag. Welche Geschäfte angefragt wurden, weiß man in Löffingen nicht.

Supermarktbetreiber: Post bietet schlechte Konditionen

Vor drei Jahren hat die Post aber schon mal beim örtlichen Supermarkt angefragt. Betreiber Norbert Weißmann hat dankend abgelehnt. "Die Konditionen waren ultra mies", so Weißmann. Ähnlich äußern sich auch andere in Löffingen. Bürgermeister Tobias Link ist sich sicher: Würde die Post besser bezahlen, würde sie auch ein Geschäft finden.

Die Post sagt auf SWR-Anfrage: "Die Bezahlung ist so, dass sie dem Aufwand des Einzelhändlers für das Brief- und Paketgeschäft gerecht wird – nicht mehr, aber auch nicht weniger." Klar sei, dass das Postgeschäft finanziell nicht das Gesamtgeschäft des Einzelhändlers allein tragen könne. Zu konkreten Zahlen äußert man sich nicht. Man suche aber weiter nach einem Partner.

Ein Mann kommt aus einer Postfiliale.
Noch hat die Postfiliale in Löffingen geöffnet. Hier wird auch Rudolf Gwinner seinen Brief los.

Bürgermeister appelliert an Post

Solange die Bundesnetzagentur noch keine Entscheidung über den Antrag der Post getroffen hat, muss sie ihre Filiale in Löffingen auch weiter betreiben. Bürgermeister Tobias Link setzt nun alle Hoffnungen auf diese Entscheidung.

Gleichzeitig appelliert er aber auch an die Post. Diese solle nicht nur rein profitorientiert handeln. Als ehemaliges staatliches Unternehmen habe die Post auch eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung, so der Bürgermeister.

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