Das war der Liveblog zur Hitze in Baden-Württemberg

DWD warnt vor schweren Gewittern mit Starkregen - auch Superzellen möglich, Rastatt ruft zum Gießen von Bäumen auf, Wie kommt es zu Bränden bei Erntearbeiten?

In Baden-Württemberg ist es wieder heiß. Auch in den nächsten Tagen werden Temperaturen weit über 30 Grad erwartet. Alle Entwicklungen rund ums aktuelle Wetter in unserem Liveblog.

Teilen

Stand

Wann spricht man von Hitzewelle?

Der Begriff Hitzewelle wird derzeit inflationär verwendet - kein Wunder: Es ist einfach heiß. Doch bei der Frage, was eine Hitzewelle ist, gehen die Meinungen je nach Land auseinander. In Thailand definiert man sie anders als etwa in Italien oder Dänemark. Es gibt international keine einheitliche Regelung. Das ARD-Wetterkompetenzzentrum sagt, in Deutschland spreche man von einer Hitzewelle, wenn die Lufttemperatur an drei Tagen hintereinander 30 Grad und mehr beträgt. Eine Tropennacht haben wir dann, wenn die Luft nachts nicht unter 20 Grad abkühlt. Anders der Deutsche Wetterdienst (DWD): Die Bundesanstalt aus Offenbach spricht bereits dann von einer Hitzewelle, wenn an drei aufeinander folgenden Tagen 28 Grad und mehr herrschen.

Rheinland-Pfalz

Mehr als 30 Grad Hitzewelle und gefühlte Temperatur: Was Sie wissen müssen

Ab wann spricht man von einer Hitzewelle und ab wann wird sie gefährlich? Entscheidend ist die gefühlte Temperatur.

Wie muss sich der Hitzeschutz am Arbeitsplatz ändern?

Die Temperaturen steigen Anfang nächste Woche weiter - für viele wird arbeiten dann zur Qual. Über die Auswirkungen der Hitze auf die Berufswelt befassen sich heute auch die Kolleginnen und Kollegen in der Hörfunksendung SWR1 Arbeitsplatz. So geht es etwa um die Frage, wie sich der Hitzeschutz für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer künftig ändern muss und ob entsprechende Maßnahmen bezahlbar sind. Und was man tun kann, wenn der Arbeitgeber zu wenig gegen die Hitze unternimmt.

41 Grad und mehr: Wie muss sich der Hitzeschutz für Arbeitnehmer künftig ändern?

41 Grad und mehr: Wie muss sich der Hitzeschutz für Arbeitnehmer künftig ändern? Ein Dachdecker macht es vor ++ Wie viel Hitzeschutz ist eigentlich bezahlbar und sinnvoll? Ein Gespräch mit der Volkswirtin Katharina Utermöhl ++ Upcycling statt Wertstoffhof: eine 73-jährige Geschäftsfrau gibt alten Pool-Liegen ein neues Leben ++ Frag den Arbeitsrechtler: Was kann ich tun, wenn mein Arbeitgeber zu wenig für meinen Hitzeschutz tut?

Arbeitsplatz SWR1

Bäume im Land leiden unter der Hitze - Warnung vor Astabbruch

Die anhaltende Trockenheit erhöht nicht nur die Waldbrandgefahr - die Hitze macht auch den einzelnen Bäumen an sich zu schaffen. Viele Bäume seien durch den heißen Sommer so gestresst, dass es zu spontanen Astabbrüchen komme, erkärt Waldbaureferent Alexander Abt von Forst BW. Vor allem Buchen litten unter dem Wassermangel. Genauso Eschen, denen auch noch das sogenannte Eschentriebsterben zusetze. Auch Fachleute im Rhein-Neckar-Kreis warnen, dass immer häufiger dicke, scheinbar gesunde Äste plötzlich abbrechen. Grünastabwurf heißt dieses Phänomen. Im Holz ist zu wenig Wasser, die Zellen verlieren Druck, der Ast trägt nicht mehr selbst, so die Erklärung. Vorbeugen könne man kaum, sagen städtische Baumpfleger aus Weinheim. Die Äste sähen gesund aus, Kontrollen würden nur begrenzt helfen. Die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg warnen deshalb auch vor Astbruchgefahr im Schwetzinger Schlosspark. Besucher sollen auf den Wegen bleiben und nicht direkt unter großen alten Bäumen im Schatten sitzen.

Deutscher Wetterdienst warnt vor steigender Waldbrandgefahr am Wochenende

Wer am Wochenende unterwegs ist, sollte mit Blick auf die anhaltende Trockenheit und das steigende Waldbrandrisiko besonders vorsichtig sein, warnt der Deutsche Wetterdienst (DWD). Die Waldbrandgefahr steigt deutlich, für heute wird verbreitet Stufe 4 erwartet, morgen dann je nach Region auch Stufe 5. Der Waldbrandgefahrenindex des DWD reicht von Stufe 1 (sehr geringe Gefahr) bis Stufe 5 (sehr hohe Gefahr). In die Bewertung fließen unter anderem Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind und Niederschlag ein. Waldbesucherinnen und -besucher sollten deshalb besonders vorsichtig sein. Im Sommer gilt dort ein Rauchverbot. Grillen ist grundsätzlich nur an ausgewiesenen Plätzen erlaubt – und selbst dort vielerorts nicht mehr: So darf beispielsweise in zahlreichen Städten und Landkreisen derzeit auch an festen Grillplätzen nicht gegrillt werden. Auch der heiße Katalysator eines Autos kann bereits ein Feuer auslösen.

Diese Karte bildet das vom DWD berechnete Waldbrandrisiko an den Messstationen ab und wird von März bis Oktober täglich aktualisiert. 

So kühlen sich die Besucher beim Heilbronner Volksfest ab

Das Heilbronner Volksfest läuft noch bis Sonntag. Täglich werden über 30 Grad erwartet, Asphalt und Schotter auf dem Geläde heizen sich extrem auf. Ein klassisches Festzelt gibt es hier nicht, dafür einen Klimawald mit mehr als 150 Bäumen und Sträuchern auf rund 800 Quadratmetern. Unter anderem gibt es dort Sitzinseln und feine Nebelsäulen. Laut Stadt wurde bei der Übergabe des Klimawaldes zeitweise ein Temperaturunterschied von 10 Grad Celsius gemessen. Mehrere solcher Wäldchen sollen in Zukunft entstehen und Plätze in der Innenstadt entsiegelt werden. Auch mit Blick auf nächstes Jahr, wenn Heilbronn den Titel "Grüne Hauptstadt Europas" trägt. Bislang schneidet die Stadt beim Thema Klima noch nicht so gut ab. Beim Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe bekam Heilbronn die Rote Karte und landete bundesweit auf Rang 10 der am stärksten hitzebelasteten untersuchten Städte.

Das sind die Wetteraussichten für die kommenden Tage

Heiss, trocken und sehr sonnig: So geht es erstmal weiter in Baden-Württemberg. Am Montag werden bis zu 38 Grad am Oberrhein erwartet. Ab Dienstag könnte es dann im Südwesten möglicherweise erste Regenschauer oder Gewitter geben.

Tempolimit wegen Hitze: Könnten Maßnahmen aus Frankreich ein Vorbild für BW sein?

Während der vergangenen Hitzewelle ist das Tempolimit in Frankreich um 20 Kilometer pro Stunde herabgesetzt worden. Grund war die erhöhte Luftverschmutzung: In Kombination mit starker Sonneneinstrahlung kann aus sogenannten Vorläufersubstanzen, das sind vor allem Stickoxide, das Gas Ozon in Bodennähe entstehen. Das Problem ist im baden-württembergischen Verkehrsministerium bekannt. Von begrenzten Maßnahmen dagegen, hält man allerdings wenig. "Die Erfahrungen in der Vergangenheit haben gezeigt, dass die Wirksamkeit zeitlich beschränkter regionaler oder gar lokaler Maßnahmen zur Minderung der Vorläufersubstanzen kaum eine Wirkung haben", heißt es aus dem Ministerium auf Nachfrage des SWR. Es brauche eher dauerhaft wirkende, großräumige Maßnahmen.

3,16 Meter: Wasserpegel des Bodensees so niedrig wie nie an einem 10. Juli

Die Hitze und die Trockenheit machen auch den Gewässern zu schaffen. Der Pegelstand des Bodensees beträgt heute in Konstanz 3,16 Meter (Stand 18 Uhr) und liegt damit unter dem historischen Minimalwert von 3,24 Metern sowie deutlich unter dem langjährigen Mittel von 4,31 Metern.

Die aktuelle Niedrigwasserlage ist nach Angaben der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg das Ergebnis mehrerer trockener Monate, insbesondere im Südosten Baden-Württembergs. Demnach sei im Mai und Juni deutlich weniger Regen gefallen als im langjährigen Mittel.

Bei 3.500 Badegästen ist Schluss - Hitze-Stress im Freibad

Sommer, Sonne, Freibad: Bei Temperaturen um die 30 Grad lässt es sich im Freibad gut aushalten. In Ladenburg im Rhein-Neckar-Kreis sind es an einem Werktag schon mal knapp 1.000 Badegäste, am Wochenende mehr. Um die Sicherheit gewährleisten zu können, wird an der Kasse mitgezählt: bei 3.500 ist Einlassstopp. Bei so vielen Menschen den Überblick zu behalten - keine leichte Aufgabe. Für Bademeister Roland Löschel aber kein Problem. Im Video berichtet er, wie es ihm und seinen Kolleginnen und Kollegen am Hitze-Rekord-Wochenende Ende Juni ergangen ist:

Freiburg testet Nebeldüsen

Frank Ueckermann, Leiter des Garten- und Tiefbauamts, die Projektverantwortliche für Grünoasen, Kathrin Sehl und Freiburgs Baubürgermeister Martin Haag lassen sich von der Vernebleranlage mit Wassertröpchen besprühen.
In Freiburg wird diesen Sommer ein Vernebler-System getestet. Damit können sich die Freiburger und Freiburgerinnen an Hitzetagen in der Innenstadt etwas abkühlen. Die Vernebleranlage funktioniert über feine Hochdruckdüsen, die Wasser in winzige Tröpfchen zerstäuben. Owusu Künzel

Zwischen den Bäumen vor dem Colombischlössle in Freiburg hat die Stadt Freiburg eine Stahlseilkonstruktion mit integrierten Nebeldüsen installiert. Die Erfrischung bei der so genannten Vernebelungsanlage erfolgt auf Knopfdruck. Das System kostet rund 15.000 Euro und wird den Sommer über getestet. Mit dem Testlauf möchte die Stadt praktische Erfahrungen sammeln. Es soll getestet werden, wie die Vernebler angenommen werden und welche Anforderungen sich für Betrieb und Unterhalt ergeben.

Trockenheit verschärft sich - Hitzewelle bis Ende nächster Woche?

Eine Hitzeglocke ist im Anmarsch, in Baden-Württemberg steigen die Temperaturen bis Montag womöglich auf 37 Grad. Es kommt zwar laut Meteorologen zu keinem neuen Hitzerekord wie Ende Juni, aber die damit einhergehende Trockenheit wird zunehmend zum Problem: "Die ohnehin bereits trockenen Böden trocknen weiter aus, die Wasserstände vieler Flüsse gehen zurück und die Waldbrandgefahr steigt wieder an", sagt Meteorologe Christian Herold vom Deutschen Wetterdienst.

Wie lange die Hitzewelle andauern wird, ist derzeit noch unklar. Die Wettermodelle deuten zum Ende der kommenden Woche auf zunehmenden Tiefdruckeinfluss hin. Damit würde die Luft feuchter und schwüler werden, sodass das Potenzial für kräftige Gewitter zunimmt. Gleichzeitig zeichnet sich ein allmählicher Temperaturrückgang ab.

Demo für mehr Klimaschutz in Stuttgart

Fridays for Future demonstriert am Freitag am Rotebühlplatz in Stuttgart.
Fridays for Future demonstriert am Freitag am Rotebühlplatz in Stuttgart.

Etwa 150 Menschen haben sich heute am Rotebühlplatz in Stuttgart getroffen. Organisiert wurde die Demonstration von Fridays for Future. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kritisierten insbesondere die Politik von Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU). "Mit ihr fährt Klimaschutz, Energiewende und Wirtschaft gegen die Wand", teilten die Verantwortlichen mit. Während früher bei Fridays for Future vor allem junge Menschen zusammengekommen sind, war der Altersdurchschnitt in Stuttgart heute deutlich höher.

Wer leidet am meisten unter der Hitze?

Dem Robert-Koch-Institut zufolge ist die Anzahl der Sterbefälle in besonders heißen Phasen deutlich erhöht. Von dieser hitzebedingten Sterblichkeit scheinen Frauen häufiger betroffen zu sein als Männer. Ein Grund ist wohl die höhere Lebenserwartung von Frauen.

Im Rahmen einer AOK-Umfrage gaben Frauen häufiger als Männer an, durch die Hitze beeinträchtigt zu sein. Dafür könnten auch physiologische Unterschiede verantwortlich sein. Alina Herrmann, Ärztin und Epidemiologin an den Universitätskliniken Köln und Heidelberg, nennt Schwangere als Beispiel. Für sie und das ungeborene Kind kann Hitze ein Risiko sein. Auch in den Wechseljahren kann durch hormonelle Veränderungen die Hitzebelastung stärker werden. Frauen könnten Medizinern zufolge die Hitze mehr zu schaffen machen, weil sie im Schnitt weniger schwitzen, einen höheren Körperfettanteil haben und zu niedrigem Blutdruck neigen.

Entscheidender als das Geschlecht ist aber der Fitnesszustand. Wer mehr Sport treibt, schwitzt schneller und trainiert sein Herz-Kreislauf-System, was den Umgang mit hohen Temperaturen erleichtern kann.

Zunehmende Trockenheit: Städte ändern Bepflanzung

Immer häufiger prägen robuste mediterrane Pflanzen das Stadtbild in Baden-Württemberg. In Reutlingen beispielsweise zählt längst nicht mehr allein die Schönheit der Blüten. Die Stadt wählt vor allem nach Hitzeverträglichkeit und geringem Wasserbedarf aus.  So kommen statt durstiger Begonien oder Petunien robuste Arten wie Lavendel und Salbei in die Beete. 

Außerdem wird der Gieß-Rhythmus angepasst: Junge Bäume bekommen statt einmal pro Woche nun zweimal Wasser, jeweils rund 200 Liter pro Baum. Um Trinkwasser zu sparen, nutzt die Stadt zusätzlich Regenwasser. 

Ein Stadtgärtner gießt einen mit Schotter versetzen Boden in der Kaiserstraße in Reutlingen. Dort entstehen Baumquartiere nach dem "Stockholmer Modell".
So sieht die Grube nach dem "Schwammprinzip" in Reutlingen aus. Der grobe Schotter in 10 bis 15 Zentimeter Tiefe sorgt dafür, dass der Boden länger Wasser speichern kann. Stadt Reutlingen

Um Wasser zu sparen, setzt Reutlingen auf ein besonderes Verfahren. Bäume werden nach dem "Stockholmer Modell" gepflanzt: Dazu wird grober Schotter unter die Erde gemischt, damit ein Boden mit vielen Poren entsteht. Bei Starkregen nimmt er viel Wasser auf und gibt es in Trockenphasen wieder ab - wie ein Schwamm.

Stuttgart: Wegen Hitze müssen Bürgerbüro-Besuche online gebucht werden

Wegen anhaltend hoher Temperaturen sind Besuche in Bürgerbüros in der Landeshauptstadt vom 13. bis 17. Juli nur möglich, wenn der Termin vorher online gebucht wurde. Ohne Termin sind lediglich Abholungen möglich, teilt die Stadt mit. Auf diese Weise soll die Wartezeit der Kundinnen und Kunden vor Ort auf "ein Minimum" begrenzt werden. Bei der Kfz-Zulassungsstelle seien spontane Besuche grundsätzlich weiter möglich, heißt es in der Mitteilung weiter.

Hitze trifft die Landwirtschaft: Frühe Ernte und verbrannte Früchte

Äpfel mit "Sonnenbrand" (Symbolbild).
Äpfel mit "Sonnenbrand" (Symbolbild). picture alliance/dpa | Bodo Schackow

Die Hitzewelle Ende Juni hat auch der Landwirtschaft schwer zugesetzt: Beeren und Kirschen sind verbrannt, zu schnell gereift und sind weniger lang haltbar, teilt der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband mit. Auch bei Äpfeln haben die Landwirte wegen der Hitze große Sorge vor Sonnenbrand.

Im Weinbau macht den Landwirten dagegen weniger die intensive Sonneneinstrahlung als die Trockenheit zu schaffen: Zwar verfüge die Rebe über ein tief reichendes Wurzelsystem und könne deshalb auch längere Trockenphasen häufig besser überstehen, wie Hermann Morast vom Weinbauverband Württemberg, erklärt, aber: "Die vergangenen Wochen mit Temperaturen von über 40 Grad und trockenem Wind haben jedoch auch die Reben belastet."

Viele Betriebe haben bereits in den vergangenen Jahren reagiert und versuchen, wassersparend zu wirtschaften. "In diesem Jahr merkt man jedoch, dass selbst diese Maßnahmen an ihre Grenzen kommen", sagt Tasmin Taskale, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit beim Badischen Landwirtschaftlicher Hauptverband. Durch beschleunigtes Pflanzenwachstum und frühere Reifung müssten ganze Betriebsabläufe angepasst werden. Die Weizenernte musste in diesem Jahr bereits zwei Wochen vorgezogen werden.

Wegen der Hitze: Weitere Waldschäden in BW befürchtet

Die anhaltende Hitze schadet laut Forstkammer Baden-Württemberg den Wäldern. "Die Folgen des Klimawandels sind in unseren Wäldern längst Realität", teilte die Kammer mit. Zu befürchten seien weitere Schäden durch Dürre, Schädlinge und Extremwetterereignisse.

Die Forstkammer appelliert an die Landesregierung: Die im Koalitionsvertrag formulierten Ziele müssten konsequent umgesetzt werden. Besonders wichtig seien dabei die angekündigten verbesserten Förderanreize für private und kommunale Waldbesitzer. "Der klimaresiliente Waldumbau hin zu strukturreichen Mischwäldern ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe", heißt es in einer Mitteilung.

Wieder Hitzeglocke: Am Montag könnten es 37 Grad werden

Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilt, steht Baden-Württemberg die dritte Hitzewelle in diesem Jahr bevor. Verantwortlich ist eine sogenannte Hitzeglocke, erklärt DWD-Meteorologe Christian Herold.

Der Schwerpunkt dieser Glocke befindet sich über Westeuropa, Deutschland liegt zunächst am Ostrand. Die Folge: Anfangs ist vor allem Baden-Württemberg von Höchsttemperaturen über 30 Grad betroffen. Im Nordosten Deutschlands sorgt dagegen noch eine nordwestliche Strömung für die Zufuhr vergleichsweise kühler Atlantikluft. Die Höchstwerte erreichen am Wochenende 35 Grad, am Montag könnten es laut DWD 37 Grad werden. 

Neue Rekordtemperaturen sind den Meteorologen zufolge jedoch nicht in Sicht. In den kommenden Tagen setzt sich die heiße Luft aber zunehmend auch nach Nordosten durch. Bereits Ende Mai hatte es laut DWD eine "ungewöhnlich frühe Hitzewelle" gegeben - gefolgt von der extremen Hitze Ende Juni.

☀️Zwischen zwei Tiefs über West- und Osteuropa sitzt aktuell ein starkes, besonders großes Hochdruckgebiet über uns. Im Alltag heißt das für uns: viel Sonne, wenig Wind und hohe Temperaturen. Für Wetter-Nerds heißt das: Wir befinden uns in einer sogenannten Omega-Lage, es entsteht eine Hitzeglocke. Sie bleibt tagelang, auch über Frankreich und Spanien. 🍃  Forschende vermuten, dass länger anhaltende Wetterlagen damit zusammenhängen, dass der Jetstream durch die Erderwärmung langsamer wird und sozusagen Ausbeulungen bekommt. Der Jetstream ist grob gesagt ein wellenförmiges Wind-Band, das unser Wetter verändert. 🔔 So entstehen Hitzeglocken: Die warme Luft staut sich in der Höhe, der Luftdruck steigt. Sie drückt wie ein Deckel nach unten, absinkende Luft wird komprimiert und erwärmt sich weiter. Wolken lösen sich auf, Regen bleibt aus. ℹ️ Im Video zeigen wir eine stark vereinfachte Form der Hitzeglocke. Manche sprechen stattdessen auch von Heat Dome oder Hitzekuppel. 🌡️ Wegen der Lage kommt die warme Luft aus Frankreich und Spanien als erstes in Baden-Württemberg an. Hitzewellen werden Forschenden zufolge durch den Klimawandel wahrscheinlicher und intensiver, Emissionen aus der Industrie tragen dazu bei. Besonders auffällig sei aktuell die Dauer der Hitzewelle. Meteorologe Tim Staeger vom ARD-Wetterkompetenzzentrum: „Hier zeigt der Klimawandel eindeutig seine Zähne.“ #Wetter #Hitze #BadenWürttemberg #SWR #SWRAktuell

Wirksamkeit erhalten: So lagern Medikamente bei Hitze am besten

Der diesjährige Sommer hat schon jetzt mehrere Temperaturrekorde gebrochen. Das heiße Wetter macht vielen Menschen körperlich zu schaffen. Auswirkungen auf die Gesundheit kann aber laut Wissenschaftlern und Apotheken auch die Lagerung von Medikamenten haben. Denn die meisten Arzneimittel sind hitzeempfindlich. Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den verschiedenen Medikamentengruppen und Wirkstoffen. Betroffen sind vor allem Menschen, die ständig auf gekühlte Medikamente angewiesen sind wie zum Beispiel Diabetiker. Normalerweise kann eine Insulinpumpe wie viele andere Medikamente auch bei Zimmertemperatur gelagert werden, also in der Regel zwischen 15 und 25 Grad. Doch bei Hitzewellen wird es in der Wohnung laut Experten oft wärmer. Für die Lagerung von Arzneimitteln empfehlen Fachleute deshalb dauerhaft den kühlsten und dunkelsten Ort daheim. In der Regel ist das das Schlafzimmer oder ein schattiger Flur. Generell am wenigsten empfindlich auf Hitze reagieren trockene Medikamente wie einfache Tabletten. Hier spiele eine Überschreitung von Stunden oder wenigen Tagen über 25 Grad keine entscheidende Rolle, so Experten. Aber generell gilt: Eine Lagerung im Badezimmer, auf der Fensterbank oder im Auto ist tabu.

Landkreis Esslingen rät vom Baden in Gewässern ab

In den Gewässern im Kreis Esslingen herrscht Niedrigwasser und damit akuter Stress für Tiere und Pflanzen. Zum Schutz der Fische und Kleinlebewesen empfiehlt das Landratsamt, vor allem in kleineren Seen sowie in Bächen und Flüssen aktuell nicht zu baden. Ein weiterer Grund sei, dass mit sinkenden Wasserständen der Abwasseranteil steige. Damit verschlechtere sich die Wasserqualität in den Fließgewässern. Deshalb rät das Landratsamt auch aus hygienischen Gründen vom Baden in Bächen und Flüssen ab. Das Wasser sei keineswegs keimfrei. Es bestehe ein erhöhtes Risiko für Magen-Darm-Infekte.

Passantin rettet Mann aus Neckar

Eine Passantin hat einen Mann aus dem Neckar gerettet. Der 53-Jährige war am Donnerstag in den Fluss bei Heilbronn gesprungen und dort in Not geraten, wie ein Polizeisprecher sagte. Eine Passantin, die zufällig vorbeikam, habe die Situation erkannt und sei ebenfalls in den Fluss gegangen. Die 41-Jährige rettete den Mann den Angaben zufolge und zog ihn zusammen mit weiteren Passanten ans Ufer. Sanitäter versorgten den Mann und brachten ihn in ein Krankenhaus. Er sei zwischenzeitlich bewusstlos gewesen, dann aber wieder zu sich gekommen.

Kliniken in Rhein-Neckar-Region sehen sich gut vorbereitet auf neue Hitzewelle

Die Hitzewelle Ende Juni hat die Notaufnahmen in der Rhein-Neckar-Region zwar stark belastet. Die Kliniken sehen sich allerdings für weitere Hitzewellen grundsätzlich gut vorbereitet. Die GRN-Kliniken setzten weiter auf ihr Hitzeschutzkonzept mit Sonnenschutzfolien und einer besonders engen Betreuung gefährdeter Patientinnen und Patienten, hieß es. Die Uniklinik Mannheim kann bei Bedarf zusätzliches Personal einsetzen und kurzfristig weitere Intensivbetten schaffen. Trotzdem gibt es Grenzen. Schon während der vergangenen Hitzewelle Ende Juni mussten die Notaufnahmen deutlich mehr Menschen mit hitzebedingten Beschwerden versorgen als sonst. Einige konnten nach Flüssigkeitszufuhr und kurzer Überwachung wieder nach Hause, andere mussten auf die Intensivstation. Die Uniklinik Mannheim kam nach eigenen Angaben zeitweise an ihre Kapazitätsgrenze. Deshalb mussten Betroffene nach Heidelberg sowie nach Würzburg und Stuttgart verlegt werden.

Kältestuben für wohnungs- und obdachlose Menschen in Stuttgart

Den ganzen Tag draußen in der Hitze ohne die Möglichkeit, sich abzukühlen: So geht es vielen wohnungs- und obdachlosen Menschen. In Stuttgart können sie sich in der klimatisierten Kältestube der Evangelischen Gesellschaft (eva) zumindest von Montag bis Freitag erholen. Und der Bedarf wachse, sagt Diakonin und Sozialarbeiterin Silvia Kuntrat von der eva: "Wir stellen fest, dass insgesamt mehr Menschen im Sommer kommen - im Vergleich zu vor einigen Jahren. Früher waren wir immer nur im Winter deutlich voller. Jetzt ist konstant im Winter sowie im Sommer der Raum belegt mit bis zu 20 Menschen." Viele, die kommen, seien vorher bereits einen ganzen Vormittag in der prallen Sonne unterwegs gewesen. "Sie sind dann froh, wenn sie sich ein paar Stunden bei 23 Grad ausruhen können", so Kuntrat.

 

Skiverein Meßstetten verschiebt Sommerskispringen

Der Skiverein Meßstetten hat seinen Waterslide Contest Mitte Juli abgesagt. Als Grund gibt der Verein aus dem Zollernalbkreis Wassermangel an. Hintergrund der Entscheidung ist demnach ein Aufruf des Zweckverbands Wasserversorgung Hohenberggruppe an Gemeinden und Vereine, sparsam mit Trinkwasser umzugehen. Bei dem Wettbewerb in der Meßstetter Skiarena Täle wollten Ski- und Snowboardfahrer mit Schwung über ein zehn Meter langes Wasserbecken gleiten ohne dabei einzutauchen. Für das Becken entnimmt der Skiverein normalerweise zehntausende Liter Frischwasser aus dem öffentlichen Wassernetz. Der Verein will jetzt im September ein Sommerskispringen veranstalten.

DLRG rät zur Vorsicht beim Schwimmen im Rhein

Nach mehreren Rettungseinsätzen am Hochrhein warnt die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) eindringlich vor den Gefahren des Badens im Rhein. Erst vor wenigen Tagen musste bei Waldshut-Tiengen eine Frau aus dem Fluss gerettet werden. Eine weitere Schwimmerin wird noch vermisst. Nach Angaben der DLRG müssen die Einsatzkräfte derzeit mehrmals pro Woche ausrücken, weil Menschen die starke Strömung unterschätzen, unter anderem hinter Brückenpfeilern. Dort gebe es Verwirbelungen. Der Rhein sei an sich nicht gefährlich, aber Wasser habe einfach unglaubliche Kraft. Der Rat der DLRG: Brücken, starke Strömungen und Schiffsverkehr absolut meiden und immer auf eine gute körperliche Verfassung achten.

Freibäder mehr als zufrieden mit der bisherigen Saison

Die Freibadbetreiber in der Region Rhein-Neckar und im Neckar-Odenwald-Kreis sind bisher sehr zufrieden mit der Saison - das hat eine nicht repräsentative SWR-Umfrage ergeben. Im Neckargemünder Freibad kamen nach eigenen Angaben rund 75.000 Badegäste. Das sind deutlich mehr als im vergangenen Jahr. Auch in Mannheim sprechen die Verantwortlichen von Rekordzahlen: Allein im Juni zählte die Stadt in ihren vier Freibädern über 100.000 Gäste. In den beiden Heidelberger Bädern waren es seit April knapp 130.000 Badegäste und damit mehr als in den vergangenen zwei Jahren. Wegen des großen Andrangs hat das Adelsheimer Freibad rund 40 Prozent mehr Geld eingenommen als sonst. Auch die Freibäder in Eberbach und Sinsheim ziehen eine sehr positive Zwischenbilanz.

Wie die Hitze teilweise für Engpässe bei Mineralwasser sorgt

Mineralwasser ist zurzeit besonders gefragt - und die nächste Hitzewelle steht bereits an. Doch schon jetzt stehen die Hersteller vor Problemen. Denn: Getränkemärkte in Baden-Württemberg können aktuell zum Teil nicht alle Sorten und Flaschengrößen ihres Sprudel-Sortiments anbieten. Der Grund: Die hohen Temperaturen haben für mehr Absatz gesorgt. Gerade in Hitzeperioden kaufen viele Menschen Wasser auf Vorrat, sagt Michael Neuenhagen, Sprecher des Bad Dürrheimer Mineralbrunnens (Schwarzwald-Baar-Kreis). Die Kisten, die dann oft im Keller stünden, fehlten im Pfandsystem und könnten zum Teil für Verzögerungen sorgen. Auch der Geschäftsführer von Teinacher Mineralwasser aus Bad Teinach-Zavelstein (Kreis Calw), Andreas Gaupp, ruft deshalb dazu auf, Pfand möglichst zeitnah zurückzugeben.

Landkreis Ludwigsburg ruft wieder Hitzewarnstufe 1 aus

Im Landkreis Ludwigsburg gilt ab heute wieder die Hitzewarnstufe 1. Sie dauert bis kommenden Mittwoch. Hitzewarnstufe eins wird ausgerufen, wenn es zum Beispiel mindestens 32 Grad an drei oder mehr aufeinanderfolgenden Tagen gibt. Bei mehr als 38 Grad ruft der Kreis Ludwigsburg Hitzewarnstufe 2 aus. Für solche heißen Tage hat der Kreis einen sogenannten Hitzeaktionsplan erstellt. Er regelt auf mehr als 90 Seiten, was die Einrichtungen wie Schulen, Kliniken oder Kitas im Kreis tun sollen, um die Bevölkerung vor Hitze zu schützen. Dazu zählen beispielsweise längere Mittagspausen und kostenlose Wasserspender in Bibliotheken.

Aalens Oberbürgermeister für Klimaschutz aber gegen "Hitzeaktionismus"

Der Aalener Oberbürgermeister Frederick Brütting (SPD) setzt darauf, dass die Hitzewelle auf allen politischen Ebenen dafür sorgt, dass Klimaschutz wieder ernster genommen wird. In der SWR-Sendung "Zur Sache! BW" am Donnerstagabend warnte der SPD-Politiker aber auch vor übereilten Maßnahmen: "Ich möchte auch keinen Hitzeaktionismus."

Brütting erinnerte daran, dass man in der Endphase der Coronapandemie tausende mobile Lüfter angeschafft habe, "die jetzt in den Kellern sind". Diese seien nicht auf Akzeptanz gestoßen. "Ähnlich wäre es, wenn man jetzt überall Klimaanlagen reinhängt", befürchtet Brütting. Er forderte, die Kommunen müssten zu einer anderen, klimafreundlichen und hitzebeständigen Baukultur kommen, zu einer anderen Kultur der Städteplanung. Zuletzt habe man im Bauausschuss in Aalen über zwei Anlagen der Freiflächen-Photovoltaik diskutiert und sie dann mit Mehrheit beschlossen. Nur die AfD habe dagegen gestimmt. Brütting fragte: "Wenn wir jetzt nicht mit dem Klimaschutz anfangen, wann denn dann?" Die ganze Sendung zur Hitzewelle gibt's in der Mediathek.

Zu viele versiegelte Flächen: Gebäudetechnik-Expertin warnt vor "Hitzeblindheit"

In der Debatte um einen Hitze-Masterplan für BW erklärte Lamia Messari-Becker, Professorin für Energieeffiziente Gebäudetechnik, bei "Zur Sache! BW" am Donnerstagabend: Die Politik habe Wetterextremen Vorschub geleistet, weil zu viel Boden versiegelt worden sei und zu wenig Bäume gepflanzt wurden. Es räche sich jetzt, dass man Lüftungs- und Kühlungsschneisen geschlossen habe, deshalb erhitzten sich Innenstädte nun um so schneller. "Damit sorgen wir de facto dafür, dass aus jeder überhöhten Temperatur eine Hitzewelle wird, aus jedem Starkregenereignis sofort eine Überflutung", sagte Messari-Becker. Sie forderte: "Wir müssen wieder normaler bauen. Wir dürfen nicht mehr so hitzeblind sein. Und wir dürfen in Deutschland nicht an Katastrophen-Demenz leiden."

Sie mahnte, Klimaanpassung als Menschenschutz zu sehen. "Wir haben Quartiere, wo nur noch bestimmte soziale Schichten leben, benachteiligte Menschen, und dort findet man - oh Wunder - viel zu wenig Grünflächen, viel zu wenig Außenraum für Erholung, für soziale Qualität, für Begegnung." Hier müsse die Politik dringend handeln. "Das ist eine tickende Zeitbombe", sagte Messari-Becker. Auch private Häuslebauer könnten etwas tun: "Wir haben verlernt so ein bisschen, traditionell klimabewusst zu bauen", sagte Messari-Becker. Häuser bräuchten zum Beispiel Sonnenschutz und Dachüberstände. Und es müsse wieder "mehr Grün-Gärten als Stein-Gärten" geben. Die ganze Sendung zur Hitzewelle gibt's in der Mediathek.

Baden-Württemberg

Wetter in Baden-Württemberg Hitzewelle im Anmarsch: Es wird wieder bis zu 36 Grad heiß

BW steht vor einer neuen Hitzeperiode: Meteorologen erwarten für das Wochenende viel Sonne und am Oberrhein bis zu 36 Grad. Mit tropischen Nächten ist aber nicht zu rechnen.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Baden-Württemberg

Wetter, Bauernregeln und mehr Hundstage markieren heißeste Zeit des Jahres: Kommt die große Hitze erst noch auf uns zu?

Die Hundstage gelten als die heißeste Zeit im Jahr. Das besagt eine alte Bauernregel. Doch wann sind sie und stimmt die Regel überhaupt?

Baden-Württemberg

RKI-Zahlen für die Bundesländer Menschen mit Vorerkrankungen besonders gefährdet: Dieses Jahr bereits 790 Hitze-Tote in BW

Nach Schätzungen hat die Juni-Hitze in Baden-Württemberg etliche Todesopfer gefordert. Hitze ist dabei meist einer von mehreren Faktoren.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Baden-Württemberg

Bis zu 37 Grad in Baden-Württemberg Hitzewelle erwartet: An diesen Orten kann man sich abkühlen

Das sommerliche Wetter sorgt in Baden-Württemberg teils für Temperaturen über 30 Grad. Während sich manche freuen, kommen andere ins Schwitzen. Wo es trotzdem kühl bleibt.

Baden-Württemberg

Waldbrandgefahrenindex Aktuelle Gefahrenstufe: So groß ist die Waldbrandgefahr bei uns im Land

Im Sommer kommt es oft zu Waldbränden. Hier sehen Sie, wie hoch die Waldbrandgefahr aktuell bei Ihnen ist und welche Regeln Sie einhalten sollten, um einen Ausbruch zu verhindern.