Maue US-Geschäfte

Daimler Truck: Sinkende Prognose - und ein Lichtblick für Beschäftigte

Daimler Truck hat wegen der US-Zollpolitik die Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr nach unten korrigiert. Am geplanten Jobabbau hält das Unternehmen fest.

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Von Autor/in Geli Hensolt

Daimler Truck machen die unsichere Wirtschaftslage wegen der US-Zölle und ein maues Geschäft in den USA zu schaffen: Der Hersteller rechnet damit, dass er dort dieses Jahr weniger LKW verkaufen wird. Finanzchefin Eva Scherer sprach von einem deutlichen Rückgang der Auftragseingänge in den vergangenen Monaten.

Wegen des schwächelnden Marktes in Nordamerika senkte der Dax-Konzern nun erneut seinen Jahresausblick. Das teilte das Unternehmen am Donnerstagabend in Leinfelden-Echterdingen mit. Das bereinigte Betriebsergebnis werde deshalb niedriger als bisher angenommen ausfallen und zwischen 3,6 und 4,1 Milliarden Euro liegen. Das wären bis zu 23 Prozent weniger als 2024.

Im Industriegeschäft - ohne Finanzdienstleistungen - geht Daimler-Truck-Chefin Karin Radström nun von 44 bis 47 Milliarden Euro Umsatz in 2025 aus. Bereits Mitte Mai hatte der Konzern seine Ziele gesenkt und einen Erlös im Industriegeschäft von 48 bis 51 Milliarden Euro angepeilt.

Weltweit wurden weniger Fahrzeuge verkauft

Das Unternehmen sagt aber auch: Eine neue Zoll-Lage würde den Ausblick erneut verändern. Gerade erst hat US-Präsident Trump ein Dekret zu den neuen Zollbestimmungen unterzeichnet. Die neuen US-Zölle für Importe aus dem Ausland treten demnach erst später in Kraft, nicht schon an diesem ersten August.

Im ersten Halbjahr hat der LKW-Hersteller weltweit sieben Prozent weniger Fahrzeuge verkauft als im Vorjahreszeitraum, in Nordamerika gingen die Verkäufe um 18 Prozent zurück. Bei den Bussen legte Hersteller um acht Prozent zu.

Pläne für Stellenabbau und Einsparungen bleiben

Am geplanten, umfangreichen Jobabbau in Deutschland in den kommenden Jahren hält das Unternehmen weiter fest - trotz des Protests von Arbeitnehmervertretern.

Sie gehe davon aus, dass bis 2030 etwa 5.000 Stellen in Deutschland wegfallen werden, erklärte Daimler-Truck-Chefin Radström an diesem Freitag bei der Präsentation der aktuellen Geschäftszahlen. Bis 2030 will der LKW-Hersteller in Europa eine Milliarde Euro einsparen – Betriebsrat und Unternehmen hatten sich auf entsprechende Maßnahmen geeinigt.

Wenn sie alle Maßnahmen zusammenrechne, gehe sie davon aus, dass das einen Abbau von 5.000 Stellen bedeute, so Radström.

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Die Arbeitnehmervertreter akzeptieren zwar, dass Personalabbau notwendig ist - allerdings nicht in dieser Höhe. Betriebsratschef Michael Brecht erklärte, es sei möglich, Stellen in Deutschland zu halten, wenn die Arbeitskosten in Deutschland gesenkt werden könnten.

Bis Anfang 2035 werden betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen

Ein neuer Tarifvertrag soll nun die deutschen Standorte des Herstellers absichern - und betriebsbedingte Kündigungen verhindern. Das teilte der Gesamtbetriebsrat mit, eine Unternehmens-Sprecherin bestätige das auf Anfrage des SWR.

Den so genannten „Zukunftstarifvertrag“ hat Daimler Truck mit der IG Metall abgeschlossen. Er enthält laut Betriebsrat die "Zukunftssicherung 2035", mit der betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland bis Anfang 2035 ausgeschlossen sind.

Zudem regelt dieser Vertrag, wie die Standorte Berlin, Kassel, Mannheim, Wörth, Gaggenau und Leinfelden-Echterdingen abgesichert und weiterentwickelt werden sollen. Darauf hatten sich Unternehmen und Betriebsrat bereits in einer Betriebsvereinbarung verständigt.

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Brecht betonte, auch der Betriebsrat wolle ein wettbewerbsfähiges Unternehmen. Darauf habe man sich geeinigt, nicht auf den Abbau von Stellen.

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Geli Hensolt
Geli Hensolt
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Hanna Spanhel
Redakteurin Hanna Spanhel