Eine Datenanalyse des SWR zeigt, dass die meisten Elektroautos im Betrieb günstiger sind als vergleichbare Benziner oder Diesel. Allerdings liegt der Kaufpreis oft Tausende Euro höher. Diese Investition rentiert sich meist erst nach mehreren Jahren und unterscheidet sich je nach Modell. Doch das Blatt könnte sich schon bald wenden: Durch ansteigende CO2-Preise auf Benzin und Diesel könnte auch der heute noch günstigere Verbrenner spürbar teurer werden. Der Grund: Autofahrer müssen dann für Sprit mehr bezahlen.
- Kostenanalyse: So teuer sind Elektroautos im Vergleich
- Das verändern politische Maßnahmen
- Politische Anreize: Folgen für Verbraucher und das Klima
- Streit um Klimaziele: Zu ambitioniert oder zu langsam?
- Politische Anreize: Verschiedene Maßnahmen nötig
- CO2-Preis hängt vom zukünftigen Verhalten ab
Kostenanalyse: So teuer sind Elektroautos im Vergleich
Das SWR Data Lab hat Kaufpreise, Fahrzeugdaten und Betriebskosten von über 5.500 Neuwagenmodellen von 2024 bis April 2025 aus dem ADAC-Autokatalog untersucht. Die Analyse zeigt, wie teuer ein Elektroauto, Diesel oder Benziner der unteren Mittelklasse beim Kauf und Betrieb über viele Jahre im Mittel ist.
Das bremst die Verkehrswende. Bisher waren im Jahr 2025 nur etwa 17 Prozent der Neuzulassungen reine Elektroautos. Insgesamt machen sie damit etwas mehr als drei Prozent der Autoflotte auf deutschen Straßen aus.
Die Wirkung politischer Maßnahmen
In einer historischen Datenanalyse werden auch die langfristigen Auswirkungen des früheren Umweltbonus und des bestehenden Dieselprivilegs sichtbar. Eine Projektion zur CO2-Bepreisung wirft einen Blick in die Zukunft. Hier kann lediglich auf Basis der aktuellen politischen Pläne ein Szenario gezeigt werden.
Politische Maßnahmen haben Wirkung auf die Attraktivität von Elektroautos. Es gibt noch mehr Möglichkeiten wie etwa das sogenannte Social-Leasing, um die Wohlstandshürde beim E-Auto-Kauf zu senken. Wie politische Anreize in Zukunft tatsächlich aussehen werden, kann aktuell niemand sagen.
Politische Anreize: Folgen für Verbraucher und das Klima
Elektroautos sind auf ein Autoleben gesehen deutlich klimafreundlicher. Dennoch: Jedes Auto, ob Elektro oder Verbrenner, schadet dem Klima. Dr. Gerfried Jungmeier, leitender Forscher bei Joanneum Research, betont, dass unser Mobilitätsverhalten den größten Einfluss auf das Klima hat.
Jungmeier sagt: "Das Beste für das Klima ist es, bewusst zu schauen, wo kann ich zu Fuß, mit dem Rad und dem ÖPNV meine Mobilitätsbedürfnisse befriedigen". Für die verbleibenden Strecken empfiehlt er Autos mit kleinen Batterien, die ausschließlich erneuerbaren Strom nutzen, sowie das Fahren in Gruppen.
Einige Landkreise setzen bereits auf besseren und nachhaltigeren ÖPNV und bieten Carsharing-Flotten an. Dennoch werden die Ziele der Bundesregierung und der Landesregierungen aktuell verfehlt.
SWR-Datenanalyse Zu wenige Elektroautos auf den Straßen: Baden-Württemberg verpasst Verkehrswende-Ziele
Baden-Württemberg verpasst seine ambitionierte Verkehrswende. Doch neue Daten zeigen: Im bisherigen Trend verfehlt BW auch das niedrigere Klimaziel der Bundesregierung.
Streit um Klimaziele: Zu ambitioniert oder zu langsam?
Die Erkenntnisse aus der SWR-Datenanalyse wurden dem Bundesverkehrsministerium vorgelegt: Ein Sprecher bewertet grundsätzlich "den bisherigen Hochlauf der Elektromobilität als positiv – sowohl bei der Entwicklung der Zulassungszahlen vollelektrischer Fahrzeuge als auch beim Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur".
Datenanalyse Elektromobilität in RLP: Alle 2.600 Meter eine Ladesäule, kaum E-Autos
In RLP gibt es vielerorts ausreichend Ladesäulen für E-Autos, dennoch gibt es Hürden an der Säule: Zu unübersichtlich, zu teuer. Eine Datenanalyse zeigt, wie es vor Ort aussieht.
Anders sieht das die Europäische Kommission. Sie kritisierte kürzlich in einem Bericht, dass Deutschland im Verkehrssektor hinterherhinke.
Analysen des SWR Data Lab zeigen, dass es in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz regionale Unterschiede im Ladenetz gibt. Auch werden voraussichtlich die Klimaziele für die Verkehrswende in BW und RP verfehlt.
Politische Anreize: Verschiedene Maßnahmen nötig
Martin Doppelbauer, Professor für Hybride und Elektrische Fahrzeuge am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), richtet sein Augenmerk auf den Koalitionsvertrag der Bundesregierung. Er bezweifelt, dass diese eine wesentliche Stärkung plant. Er sagt: "Wenn wieder von ‘Technologieoffenheit’ und dem Abwehren von ‘Flottengrenzwert-Strafzahlungen’ die Rede ist, geht das in die gegenteilige Richtung."
Doppelbauer fordert einen verstärkten Fokus auf vollelektrische Autos, einen schnelleren Ausbau der Ladesäulen sowie Förderungen beim Kauf von E-Autos. "Meine Einschätzung ist allerdings, dass wir die Ziele meilenweit verfehlen werden", sagt er.
Datenanalyse E-Mobilität: Rheinland-Pfalz droht Verkehrswende deutlich zu verfehlen
Die Landesregierung beschloss jüngst ein neues Klimagesetz, ohne die Verkehrswende zu nennen. Eine Datenanalyse zeigt: Mit dem aktuellen E-Auto-Trend, wird das Klimaziel verfehlt.
Die Verkehrsministerien beider Länder haben schon 2024 der damals neuen Bundesregierung ihre Vorschläge unterbreitet: Sie fordern eine klimaorientierte Reform der Kfz-Steuer, die Abschaffung sozial- und klimaschädlicher Subventionen sowie eine wirksame und sozialverträgliche CO2-Bepreisung.
CO2-Preis hängt vom zukünftigen Verhalten ab
Ein weiterer Faktor, der für Verbraucher eine Unsicherheit für die künftigen Kosten darstellen kann, ist die CO2-Bepreisung. Schon 2019 beschloss die Bundesregierung die CO2-Bepreisung für Wärme und Verkehr, um die Klimaziele zu erreichen und den Umstieg auf klimafreundlichere Autos zu fördern. Seit 2021 verteuern sich jährlich klimaschädliche Brennstoffe wie Benzin und Diesel. Die Einnahmen aus dem CO2-Preis plant der Bund, in klimafreundlichere Technologien zu investieren.
Berechnungen des SWR Data Lab zeigen: Die Auswirkungen der CO2-Preise können einen großen Unterschied für die anfallenden Kosten für Verbraucher bedeuten. Denn ein hoher CO2-Preis bedeutet: Tanken wird teurer.
Um die Folgen für Autofahrer abzumildern, könne laut Maximilian Kellner, Forscher am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, in der Praxis mit einem Politikmix aus verschiedenen Instrumenten und folglich niedrigeren CO2-Preis gerechnet werden. Viel hänge davon ab, wie gut es gelänge, den Emissionsausstoß insgesamt zu verringern, zum Beispiel über Flottengrenzwerte, Subventionen für Wärmepumpen oder den Ausbau des ÖPNV.
Ändert sich nichts am Mobilitäts- und Heizverhalten in Deutschland, ist es Kellner zufolge durchaus möglich, dass ein Durchschnitts-Benziner über sein Autoleben mehrere Tausend Euro teurer wird. Das sei ein starker finanzieller Anreiz, sich für ein E-Auto zu entscheiden. Wie viel mehr tatsächlich beim Tanken zu zahlen wäre, hängt allerdings auch vom Ölpreis und anderen Faktoren ab.
Die aktuelle Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD verspricht im Koalitionsvertrag, am CO2-Preis festzuhalten sowie "ein Programm für Haushalte mit kleinem und mittlerem Einkommen, um den Umstieg auf klimafreundliche Mobilität gezielt zu unterstützen". Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sagte gegenüber dem SWR, er "wäre froh, wenn eine Kaufprämie für E-Autos kommen würde". Die Entscheidung liege allerdings beim Wirtschaftsministerium. "Das würde einen neuen Schub geben. Wir haben es uns fest vorgenommen", sagt er. Aktuell haben die Ministerien dazu noch keine konkreten Details bekanntgegeben.