Konversion vorerst gestoppt

Bundeswehr meldet Bedarf an: Scheitert das Logistikzentrum am Stegskopf?

Die Bundeswehr stoppt die Umwandlung militärischer Liegenschaften für zivile Zwecke. Das betrifft auch mehrere Standorte im Norden des Landes, wie das ehemalige Lager auf dem Stegskopf.

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Von Autor/in Tim Saynisch

Jahrelang bemühte sich die Gemeinde Emmerzhausen im Kreis Altenkirchen darum, Teile des ehemaligen Truppenübungsplatzes Daaden am Stegskopf in ein Logistikzentrum umzuwandeln. Zuletzt scheiterte das an juristischen Hürden, sagt Helmut Stühn, Vorsteher des Zweckverbandes Stegskopf und parteiloser Bürgermeister der VG Daaden-Herdorf. Jetzt seien die Verträge aber reif zur Unterschrift gewesen. Doch daraus wird vorerst nichts.

Stegskopf steht auf der Liste des Ministeriums

Denn das ehemalige Lager Stegskopf ist eine von 187 Liegenschaften im Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Und für die hat das Verteidigungsministerium die Konversion, also die Umwandlung für zivile Zwecke, und den Verkauf durch die BImA vorerst aussetzt. Diese Liegenschaften sollen "für Zwecke der Verteidigung geprüft" werden, heißt es im Papier des Ministeriums, das dem SWR vorliegt. Es sei absehbar, dass Deutschland seine Streitkräfte aufstockt - und die brauchen Platz.

Ich habe eigentlich erst durch die morgendliche Zeitungslektüre davon erfahren.

Ein Szenario, das auch die Gemeinde Emmerzhausen schon im Hinterkopf hatte. "Aufgrund der geopolitischen Lage hat der erste Beigeordnete von Emmerzhausen das Thema mehrfach bei der BImA angesprochen", berichtet Stühn. Eine Antwort dazu habe es aber nie gegeben. Der Vorsteher des Zweckverbands zeigt sich überrumpelt von den Neuigkeiten, sagt: "Es gab keine Absprachen vorher. Ich habe eigentlich erst durch die morgendliche Zeitungslektüre davon erfahren."

Scheitern des Logistikzentrums wäre ein Rückschlag

Der Zweckverband hat jetzt erneut den Kontakt zur BImA gesucht, um zu klären, wie umfassend die Forderung des Verteidigungsministeriums ist. Aktuell wisse er zu wenig, um eine genaue Prognose abzugeben, beteuert Stühn.

Das wäre ein herber Rückschlag für all unsere Bemühungen der letzten Jahre.

Aber für den Fall, dass das geplante Logistikzentrum den Plänen des Verteidigungsministeriums zum Opfer fällt, findet er klare Worte. Dadurch bleibe die einzige Möglichkeit der wirtschaftlichen Entwicklung für die Region auf der Strecke, vor allem für die Ortsgemeinde Emmerzhausen: "Das wäre ein herber Rückschlag für all unsere Bemühungen der letzten Jahre."

Naturschutzinitiative unterstützt Vorstoß der Bundeswehr

Die Naturschutzinitiative (NI) mit Sitz in Quirnbach im Westerwaldkreis hingegen begrüßt die Ankündigungen der Bundeswehr. Die NI hatte mit Verweis auf den Naturschutz schon mehrfach gefordert, den Stegskopf nicht an die Gemeinde Emmerzhausen zu veräußern. Eine erneute Nutzung durch die Bundeswehr könne "mit den Zielen des Nationalen Naturerbes und der Biodiversität vereinbar sein", schreibt die NI in einer Pressemitteilung. Dies habe bereits die ehemalige militärische Nutzung gezeigt.

Auch Mob-Stützpunkt Dichtelbach im Gespräch

Ebenfalls auf der Liste der BImA-Liegenschaften, für die die Konversion ausgesetzt ist, steht der ehemalige Mobilmachungsstützpunkt (Mob) in Dichtelbach im Rhein-Hunsrück-Kreis. Zur großen Verwunderung des parteilosen Ortsbürgermeisters Kevin Keber. Der hatte bis jetzt nämlich gehofft, dass endlich ein Schlussstrich unter ein unliebsames Kapitel Dichtelbacher Ortsgeschichte gezogen würde.

Eine Karte der betroffenen Bundeswehr-Standorte in Rheinland-Pfalz
Eine Übersicht der betroffenen Standorte. Die weißen Standorte waren bereits an die Bundes-Anstalt für Immobilien-Aufgaben (BiMa) übergeben worden, eine Vorstufe der zivilen Nutzung. Die orangenen Standorte werden vom Bundesverteidigungsministerium verwaltet, sie sollen auch nicht an das BiMa übergeben werden

Denn der an den Dichtelbacher Wald angrenzende, sogenannte Mob-Stützpunkt befand sich bereits im Rückbau. "Endlich", wie Keber im Gespräch mit dem SWR betont: "Nach 30 Jahren laufen hier endlich die Rückbauarbeiten. Vor rund drei Wochen wurde damit begonnen. Es gab Vandalismus und die Natur hatte sich die Gebäude zum Teil schon zurückgeholt."

Zuversicht über Rückbau weicht Ratlosigkeit

Nach der Ankündigung aus Berlin kommt Keber allerdings ins Zweifeln, ob der Schandfleck im Wald nun wirklich weichen wird. Es herrsche eine gewisse Ratlosigkeit. "Wir wissen nicht genau, was das für uns bedeutet", sagt er. "Die Bagger stehen jedenfalls noch im Wald", schildert der Dichtelbacher Bürgermeister gegenüber dem SWR. Auch Keber betont, weder die Bundeswehr noch die BImA hätten im Vorfeld den Kontakt gesucht.

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