Die Wahlbeteiligung bei der OB-Wahl in Ludwigshafen am 21. September war auffallend gering: Nur 29,3 Prozent gingen wählen. Was hat die anderen 70 Prozent zurückgehalten? Eine Suche nach Antworten an drei verschiedenen Orten.
Unterwegs auf dem Friesenheimer Markt und am Berliner Platz
Jeden Mittwochmorgen gibt es in Ludwigshafen-Friesenheim einen Wochenmarkt. Bei Gesprächen beim Schlendern über den Markt zeigt sich: Hier zumindest haben die meisten gewählt. Aber dann ist da eine junge Frau am Obststand. "Ich habe mich an dem Tag mit anderen Themen beschäftigt und habe kein Interesse. Ich bin zu faul", erzählt die 36-jährige Nicht-Wählerin. Und auch zur Stichwahl wolle sie nicht gehen.
Mehr Nicht-Wähler treffen wir am Berliner Platz. Viele wollen nicht offen sprechen, aber eine 19-jährige Erstwählerin erklärt: "In meinem Freundeskreis wurde nicht darüber gesprochen. Ich habe nichts über die Wahl mitbekommen." Eine andere Frau, 49 Jahre, steht wartend am Bus. Auch sie hat nicht gewählt: "Ich kenne die Kandidaten nicht, deswegen bin ich nicht wählen gegangen."
Unterwegs beim Sportverein Ludwigshafener SC
Dienstagabend beim Sportverein LSC in der Gartenstadt: Die Fußball-Kids trainieren, die Eltern stehen am Spielfeldrand und schauen zu. Auch von ihnen wollen wir wissen: "Haben Sie gewählt?" Von allen Befragten an diesem Abend hat aber tatsächlich nur eine Person gewählt.
Und die Nicht-Wähler? "Wenig Zeit und wenig Interesse", sagt ein Mann. Seiner Meinung nach kümmert sich die Politik nicht um die Probleme der Menschen. Eine Frau sagt, dass sie nicht so gut Deutsch spreche - und deshalb nichts von der Wahl mitbekommen habe. Und eine Frau, die am Spielfeldrand steht, sagt: "Ich habs einfach total verpeilt, es ist mir zu spät eingefallen - und da war es schon zu spät". Die Stichwahl am Sonntag hat sie sich aber fest eingetragen - "da gehe ich wählen", verspricht sie.
Unterwegs beim Max-Planck-Gymnasium Ludwigshafen
Freitagmorgen, eine Doppelstunde Sozialkunde im Ludwigshafener Max-Planck-Gymnasium. Hier sitzen viele 18-Jährige - also potentielle Erstwähler. Und hier sind dann tatsächlich die meisten auch wählen gegangen.
Es macht sowieso keinen Unterschied.
Und doch: Ein 18-Jähriger sagt, er habe am Wahl-Wochenende arbeiten müssen und danach habe ihm die Motivation gefehlt, sich über die Kandidaten zu informieren und wählen zu gehen. "Ich habe mir auch gedacht, es macht sowieso keinen Unterschied, ob ich wähle oder nicht", sagt er.
70 Prozent der Wahlberechtigten gingen nicht wählen OB-Wahl Ludwigshafen: Warum war Wahlbeteiligung so gering?
Dieses Ergebnis lässt aufhorchen: Die Mehrheit der wahlberechtigten Menschen in Ludwigshafen ist nicht zur OB-Wahl gegangen. Woran liegt das? Der Versuch einer Analyse.
"Ich fühlte mich nicht repräsentiert", sagt ein weiterer Schüler. Für ihn sei der ÖPNV-Ausbau am wichtigsten. "Doch da konnte mich niemand von den Kandidaten überzeugen."