Aberglaube und alte Weisheiten

Mythos Rauhnächte: Wie ein alter Brauch in der Region Trier am Leben gehalten wird

Wenn dichter Nebel in das Moseltal zieht und die Nächte rund um Trier besonders still werden, beginnt eine Zeit, in der viele Menschen einen alten Brauch erwecken: die Rauhnächte.

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Stand

Von Autor/in Lynn Bentzen

Zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag scheint die Welt langsamer zu werden. In den Dörfern der Eifel, entlang der Mosel und auf den Höhen rund um Trier erzählen sich Menschen seit Generationen Geschichten.

Von umherziehenden Seelen. Von Träumen als Zeichen. Und von Nächten, in denen die Grenze zwischen Diesseits und Jenseits verschwimmt. In der ländlich geprägten Region rund um Trier haben sich manche dieser Vorstellungen bis heute gehalten.

So wurden die Rauhnächte früher an der Mosel und in der Eifel begangen

Früher galten die Rauhnächte als Zeit des Stillstands. Zwölf Tage lang wurde kaum gearbeitet. Stattdessen wurde geruht, erzählt, gedeutet. Häuser und Ställe räucherte man aus – zum Schutz von Mensch und Tier vor bösen Geistern. Diesem Brauch verdanken die Rauhnächte auch ihren Namen.

Während der Rauhnächte wurden traditionell Häuser und Ställe ausgeräuchert – ein alter Brauch zum Schutz von Mensch und Tier.
Während der Rauhnächte wurden traditionell Häuser und Ställe ausgeräuchert – ein alter Brauch zum Schutz von Mensch und Tier.

Auch Träume wurden aufmerksam beobachtet. Auch kleine Zufälle zählten. Sie sollten Hinweise auf das kommende Jahr geben. Zudem sollte man zwischen den Jahren keine Wäsche aufhängen, damit Frau Holle daraus kein Leichentuch für den Besitzer webt. Diese Geschichten sind eng mit der Landschaft verbunden: mit dunklen Wäldern, abgelegenen Höfen und langen Winternächten, wie sie auch die Region Trier seit jeher prägen.

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Das kann man in den Rauhnächten rund um Trier unternehmen

Heute spielen die Rauhnächte auch rund um Trier noch immer eine Rolle. Im Meulenwald bei Schweich zum Beispiel treffen sich Menschen kurz vor ihrem Beginn bei Feuer und Kerzenlicht. Sie nehmen sich Zeit, schauen auf das vergangene Jahr zurück, lassen Dinge los und denken über neue Wünsche nach. Dabei werden alte Bräuche aufgegriffen und auf eine modernere Art weitergeführt.

An der Mosel und in der Eifel gibt es außerdem öffentliche Veranstaltungen rund um die Rauhnächte. In Kinheim an der Mosel kommen die Menschen zwischen den Jahren zusammen, feiern gemeinsam, hören Musik, trinken Wein und erzählen sich alte Geschichten. In der Vulkaneifel, zum Beispiel im Museumsbahnhof Üxheim-Ahütte, finden zur Rauhnachtszeit Konzerte statt, die für eine ruhige Stimmung sorgen.

Viele Menschen nutzen die Rauhnächte für Spaziergänge und Wanderungen – etwa entlang der Mosel oder in den Wäldern der Region.
Viele Menschen nutzen die Rauhnächte für Spaziergänge und Wanderungen – etwa entlang der Mosel oder in den Wäldern der Region.

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