Ida will ihrem kaputten Zuhause und dem gerade erst hinter ihr liegenden Tod ihrer Mutter entfliehen. Nicht geplant, sondern einem starken Impuls folgend, möchte sie alles hinter sich lassen, ihr Leben auf "Flugmodus" stellen und einfach nicht erreichbar sein. Und daher steigt sie nicht in Hamburg aus dem Zug aus, um ihre Schwester zu besuchen, sondern bleibt einfach sitzen und landet schließlich auf der windumtosten Ostseeinsel Rügen. Weit weg von allem, was sie quält; aber auch ganz allein und ohne Geld.
„Ich dachte, wenn ich weit weg bin, werden die Gedanken leiser. Aber sie sind laut, und sie tun weh.“
Doch die Insel lässt Ida nicht im Stich, im Gegenteil: In der "Robbe", einer kleinen Kneipe am Strand, findet Ida nicht nur Arbeit, sondern auch Marianne und Knut, die Besitzer der Kneipe. Sie nehmen Ida ohne zu zögern auf und stellen keine Fragen. In der Selbstverständlichkeit und Wärme dieser neuen Familie, findet Ida langsam wieder zu sich, auch wenn sie sich der Stabilität ihrer Gefühle noch lang nicht sicher sein kann.
Vielleicht ist sie gerade auch deshalb skeptisch, als Leif auftaucht, ein merkwürdiger, aber auch charmanter junger Typ, der so wirkt, als sei er schon immer da gewesen. Seine Art berührt etwas in Ida und auch sie berührt ihn. Und so beginnen sie eine Beziehung, von der keiner der beiden so genau weiß, wohin sie sie führen wird. Und genau diese Offenheit scheint es zu sein, die genau das Richtige füreinander ist.
Léon Haases Inszenierung folgt Caroline Wahls wunderbar lebendig ausgedachten Figuren bei jedem Atemzug. Wellen, Sturm und Beats vermischen sich zu einem atmosphärisch intensiven und dichten Hörerlebnis. Die Schauspielerin Hanna Hilsdorf in der Rolle der Ida und Maximilian Mundt als feinfühliger DJ Leif sind wahre Glücksfälle der durchweg starken Besetzung, ebenso wie Regine Vergeen und Christian Redl als markantes Inselpaar.
- Datum
- Beginn
- Adresse
- Kubus
ZKM | Zentrum für Kunst und Medien
Lorenzstraße 19
76135 Karlsruhe
zkm.de/de -
- Eintritt
- frei
- Programm
- Hörspielvorführung von Léon Hasses Inszenierung des gleichnamigen Romans von Caroline Wahl und im Anschluss: Publikumsgespräch mit dem Regisseur und Bearbeiter Léon Haase
- Mitwirkende
- Mit Hanna Hilsdorf, Maximilian Mundt, Regine Vergeen, Christian Redl, Anika Baumann, Janina Sachau, Béla Milan Uhrlau, Mitja Over, Anke Sevenich und Jochen Nix
Regie und Bearbeitung Léon Haase
Produktion hr 2025
Länge 95 Min
Caroline Wahl, geboren 1995 in Mainz, wuchs in der Nähe von Heidelberg auf. Sie studierte Germanistik in Tübingen und Deutsche Literatur in Berlin, danach arbeitete sie in mehreren Verlagen. 2023 erschien ihr Debütroman "22 Bahnen", für den sie unter anderem mit dem Ulla-Hahn-Autorenpreis und dem Grimmelshausen-Förderpreis ausgezeichnet wurde. "22 Bahnen" wurde außerdem zum Lieblingsbuch des Unabhängigen Buchhandels gewählt. Ihr zweiter Roman "Windstärke 17" steht seit Monaten ganz oben auf den Bestsellerlisten. Gerade sind ihr neuer Roman "Die Assistentin" sowie der Kinofilm zu "22 Bahnen" erschienen. Caroline Wahl lebt in Kiel.
Léon Haase, geboren 1992 in Frankfurt am Main, ist Autor, Regisseur und Produzent für Hörspiele, Podcasts und TV-Dokus. Als Berater unterstützt er Medienunternehmen und Redaktionen bei Formatentwicklung und Dramaturgie.