„Das weiße Haus“ zeichnet eine Kindheit wie ein impressionistisches Gemälde. Der Autor bannt Erinnerungen in leuchtenden Momenten, ganz im Stil von Manet und Renoir. Im Zentrum steht seine fantasievolle Mutter Stella, die zwischen einem kühlen Landpfarrer und ihrer eigenen Melancholie hin- und hergerissen ist. Mit nervöser Heiterkeit spielt sie mit den Kindern, trotzt der Strenge ihres Mannes – und selbst als der Christbaum lichterloh brennt, bewahrt sie ihren magischen Leichtsinn. Ein zärtlich-ironisches Porträt voller Poesie und Widersprüche.
Unmerklich vergeht ein Jahr. Der erste Schnee, Weihnachten, die langen Leseabende, die Besuche im Dorf, Kinderspiele, Tod und Begräbnis, Kirche und Schule, das Frühjahr mit den Schwalben, die ersten Rosen, die ersten Erdbeeren, der Leierkastenmann, der Geburtstag, Sommerbesucher, Ernte, das Jahr hat sich gerundet, und doch ist es kein dörfliches Jahr ... In der Welt Herman Bangs spricht alles dieselbe Sprache, Mensch, Natur und Gerät. Wenn die Menschen trauern, trauert auch die Natur, das Glück von Blüte und Frucht ist auch das Glück der Menschen, wenn die Uhren stillstehen, steht auch das Leben still, der bestirnte Himmel ist eine Projektion der Seele, alle Handlungen Projektionen des Herzens. Auf den ersten Blick geschieht nicht viel, und sie reden auch nicht viel, obgleich unaufhörlich gesprochen wird."
Nach dem gleichnamigen Roman von Herman Bang
Aus dem Dänischen von Walter Boehlich
Mit: Hildegard Schmahl, Erik Schumann, Ulrike Bliefert, Peter Lieck u. v. a.
Hörspielbearbeitung und Regie: Ursula Langrock
Produktion: SDR 1983
Herman Bang (1857–1912), wuchs als Pfarrerssohn in der dänischen Provinz auf und war Schauspieler, Regisseur und Feuilletonist, ehe er sich der Literatur zuwandte. Lesereisen führten ihn durch ganz Europa und die USA. Bang prägte als Begründer des dänischen Impressionismus und Hauptvertreter der Dekadenz die skandinavische Moderne. Deutsche Autoren wie Rilke, Hofmannsthal, Hesse und Thomas Mann schätzten seine Werke; Klaus Mann porträtierte ihn sogar in einer Erzählung.