Die Mozart-Story aus Nannerls Perspektive erzählt
Die meisten Stationen aus den frühen Wunderkinderjahren von Wolfgang Amadeus Mozart und seiner Schwester Maria Anna sind bekannt. Danach wird es jedoch diffuser, das unstete Leben von Wolfgang Amadeus endet viel zu früh.
Die Leerstellen bieten Raum für Spekulationen oder Dramatisierungen wie beim oscargekrönten Spielfilm „Amadeus“ von Milos Foreman vor 40 Jahren. Warum also nicht eine Geschichte erzählen, die sich ebenso beherzt der Figur des „Nannerl“ annimmt und sie als verhinderte, ihrem Bruder mindestens ebenbürtige Künstlerin darstellt?
Der süße Wunderknabe braucht die große Schwester
Die Serie „Mozart, Mozart“ beginnt mit Tempo und Verve. Sie zeigt, dass sich der süße Wunderknabe ohne seine Schwester verloren fühlt. Und als er 20 Jahre später den Bruch mit dem Salzburger Erzbischof provoziert, ist sie es, die ihn bestärkt, nach Wien zu gehen. Auch, weil sie selbst einer Zwangsheirat entfliehen will.
Während ihr Bruder schnell dabei dabei ist, in eine Bohemeexistenz abzudriften, managed sie die Karriere und muss auch mal in Verkleidung für ihren Bruder einspringen. Dabei merkt sie, dass sie Amadeus auch kompositorisch unter die Arme greifen kann, wenn der wieder zu sehr am Schmerz- und Schlummermittel Laudanum genippt hat.
Zufällig in der Kostümwelt des 18. Jahrhunderts gelandet
Dass das alles erfunden ist und mit den historisch bekannten Fakten nur am Rand zu tun hat, wird hier als künstlerische Freiheit ausgelegt.
Denn in erster Linie geht es mal darum, Maria Anna als eine junge, ziemlich moderne Frau zu zeigen, die ihr Leben und das ihres wuschelköpfigen Bruders in die Hand nimmt, die sich gegen alle Regeln stemmt, und dabei irgendwie zufällig in die Kostümwelt des 18. Jahrhunderts geraten zu sein scheint.
Havana Joy als „Nannerl“ - allein gelassen vom Drehbuch mit soapigen Dialogen
Leider stakst Havana Joy als Nannerl genau wie Eren Güvercin als Mozart etwas unbeholfen durch diesen Historienpark, allein gelassen vom Drehbuch mit allzu soapigen Dialogen.
Was um so mehr auffällt, da Verena Altenburger zum Beispiel einen wunderbar dekadenten Auftritt hat als Marie-Antoinette, die den asketischen und republikanisch gesinnten Hof ihres Bruders in Wien ganz schön durcheinanderbringt.
„Mozart, Mozart“ scheitert am eigenen Anspruch, modern zu sein
Aus der dynamischen Inszenierung von Regisseurin Clara Zoë My-Linh von Arnim hätte eine frische und unverstaubte Improvisation über das alte Mozartthema werden können. Aber dazu bleibt viel zu vieles reine Behauptung: plötzlich gibt es Streit zwischen den Geschwistern, Maria Anna will ihre künstlerische Autonomie verteidigen, gleichzeitig verknallt sie sich blauäugig in Mozarts Rivalen Salieri.
Da wird allzuvieles an den Haaren herbeigezogen, um einen gewissen Mozart-Spirit in die Gegenwart zu transportieren. Warum die Serie eine Musikerinnenstory wählt und dann glaubt, ihrem jungen Publikum so wenig Originalmusik zumuten zu können, ist rätselhaft.
Echte Mozart-Musik gibt es nur im Abspann
Während im Film „Amadeus“ noch peinlich drauf geachtet wurde, dass Mozarts Musik notengetreu quasi die erste Geige spielt, klingt sie hier allenfalls im Hintergrund, ein bisschen im Abspann. Wenn es besonders emotional oder neuartig werden soll, dann driftet die Musik meistens ab in eine Art popmusikalischen Mischmasch mit Mozart-Versatzstücken, zwischen Filmkitsch und Parfumwerbung.
„Mozart, Mozart“ scheint ein niedrigschwelliges Angebot für Leute, die mit Klassik nicht so viel anfangen können, aber die sich gerne von Herz-Schmerz und Musik begeistern lassen. Die Serie atmet den Geist der Netflix-Serie Bridgerton. Aber es ist fraglich, ob sich so eine emotionale Brücke zu zwei zweifellos interessanten Musikerpersönlichkeiten des 18. Jahrhundert schlagen lässt.
Biopic über die hochbegabte Schwester von Wolfgang Amadeus Das Serien-Highlight „Mozart/Mozart“ in der Mediathek
Seit Jahren steht Maria Anna Mozart im Schatten ihres Bruders Amadeus. Er ist der Superstar. Sie ist „nur“ seine Schwester, obwohl sie genauso talentiert ist.
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