Das einsame Monster und der Plan zur Auferstehung
Die Kreatur des Dr. Frankenstein ist noch immer einsam. Das Gesicht mit einem schwarzen Schal verhüllt, den Hut tief über die Augen gezogen, stapft der Mann, der sich Frank nennt, die Treppe hinauf zum Labor der Wissenschaftlerin Dr. Euphronius. Frankenstein-Fans fühlen sich in der gläsernen Kuppel mit den altmodischen Kabeln und Apparaturen sofort heimisch.
Denn in dem Horrormovie „The Bride!“ von Maggie Gyllenhaal sieht es hier oben aus wie in den historischen Frankenstein-Filmen. Hier soll sie zum Leben erweckt werden – die Braut des Monsters. Die Forscherin und der Untote haben die Leiche eines jungen Mädchens aus dem Grab geholt und lassen sie nun auferstehen.
Die irische Schauspielerin Jessie Buckley als Braut erinnert mit ihren wilden Locken an die Punk-Designerin Vivienne Westwood. Christian Bale als Monster Frank hat mit den eisernen Klammern, die seine eckige Stirn zusammenhalten, natürlich Ähnlichkeit mit Boris Karloff, der mit der Rolle berühmt wurde.
Emanzipation von alten Klassikern
Aber im Lauf der ungewöhnlichen Liebesgeschichte emanzipieren sich die beiden von ihren Vorbildern. Bale wird auftauen, seine Bewegungen werden weicher und geschmeidiger, sein Blick wird verschmitzter. Denn zunächst bahnt sich tatsächlich eine Romanze an. Die beiden Geschöpfe aus dem Labor kommen sich näher.
Einmal fängt die Kamera den Blick der Braut ein, wie sie mit den Augen über Franks nackten Rücken streicht. Das könnte der Anfang einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte werden. Aber Frankensteins Braut wird im nächtlichen New York von Männern belästigt. Ihr Begleiter verliert seine Beherrschung und tötet.
Vom Horrorfilm zum Gangsterdrama
Von da an wird der Film zum Roadmovie und die beiden künstlichen Kreaturen zu einem Gangsterpärchen à la Bonnie and Clyde. Während die Menschen zum Mob mutieren, werden die Monster zu Menschen.
Die weichen Bilder des Kameramanns Lawrence Sher, der auch die Joker-Filme gedreht hat, binden mit samtiger Qualität und nostalgischen Farben die verschiedenen Ebenen des Films zu einem sinnlichen Erlebnis zusammen.
Hommage an das Kino und seine Genres
Aber Maggie Gyllenhaal will noch mehr: Sie huldigt in ihrem Drehbuch dem Kino und seinen unterschiedlichen Gattungen vom Horror über die Romanze bis hin zum Musical.
In seiner Einsamkeit ist Frank zum Kinofan geworden. Auf der Flucht macht das Paar dann in jedem Kino Halt, das einen Film des von ihm verehrten Unterhaltungsstars Ronnie Reed zeigt. Gelegenheit für Jake Gyllenhaal – Bruder der Regisseurin – als pomadiger Entertainer aufzutreten.
Auf ihrer Flucht werden die beiden Untoten von einem Detektivpaar verfolgt. Peter Sarsgaard – Ehemann der Regisseurin – spielt den Melancholiker, Penelope Cruz ist großartig als blitzgescheite Ermittlerin.
Aber weder die glänzende Besetzung noch die brillante Kamera oder der feministische Schluss können über die Sprünge in der verschachtelten Geschichte hinwegtäuschen. „The Bride! – die Braut“ geht in den hohen Ansprüchen verloren.
„The Bride! – Es lebe die Braut“ ist ab dem 5. März im Kino zu sehen.
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