Investitionspakt für den deutschen Film

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer: „Der deutsche Film muss an Größe gewinnen“

Für Kulturstaatsminister Wolfram Weimer ist die Berlinale 2026 ein „Festival des Aufbruchs“. Mit dem geplanten Investitionspakt und der erhöhten Filmförderung seien nun ausreichend Mittel da, um weltweit erfolgreiche Filme zu machen.

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Von Autor/in Karsten Umlauf

„Ein filmpolitischer Durchbruch“

Lange hatte sich Kulturstaatsminister Weimer dagegen gewehrt, Streamer per Gesetz zu Investitionen in den Filmstandort zu verpflichten. Nun ist das für ihn zusammen mit der verdoppelten Bundesförderung „ein filmpolitischer Durchbruch“.

Bis zum Herbst wird es wohl noch dauern, bis das Gesetz wirklich durch den Bundestag geht. Ein Kabinettsbeschluss, der die Fördermittel schon einmal komplett freigibt, könnte wohl realistischerweise bis Mai gefasst sein.

Dennoch hat sich laut Weimer auf der Berlinale schon jetzt viel in Richtung künftiger Projekte bewegt. Weil durch die Beteiligung der Streamer der deutsche Film künftig finanziell viel breiter aufgestellt sei.

Deutschland war mal Weltmarktführer im Film

„Wir sind total unterinvestiert in Deutschland“, sagt Weimer. „Deutschland war vor 100 Jahren mal Weltmarktführer im Film. Vor 50 Jahren waren wir noch unter den Top 3, und wir fallen immer weiter zurück. Man muss sich vorstellen: Der größte deutsche Filmproduzent, der ist 100 Mal kleiner als ein amerikanischer Major.“

Weimer ergänzt: „Das heißt, wir sind die netten Mäuse in dem Tanz der Elefanten, und wir müssen an Größe gewinnen. Und es geht übrigens nicht nur um die Streamer, auch die Sender – RTL, ProSieben und übrigens auch die öffentlich-rechtlichen ARD und ZDF – haben sich verpflichtet, dass sie jetzt dieses Momentum nutzen und in Deutschland deutlich investieren werden.“

Mit deutschen Filmen möglichst viele Menschen ins Kino locken

Das Ziel ist für Weimar ganz klar: mehr Filme, die möglichst viele Leute ins Kino locken: „Wir haben in der Vergangenheit zu häufig mit Fördergeldern Filme produziert, die von der Öffentlichkeit gar nicht wahrgenommen werden. Und mit mehr Blockbustern meine ich, dass wir uns auch den Menschen, der echten Reichweite zuwenden, und auch den Wettbewerb mit den Amerikanern annehmen.“

Weimer findet: „Nicht nur die Amerikaner können in der Welt erfolgreiche Filme produzieren, das können wir auch. Und jetzt haben wir die Instrumente und die Möglichkeiten dazu.“

15 Milliarden Euro für den deutschen Film?

Ob nun wirklich, wie von ihm erwartet, mehr als 15 Milliarden Euro in den nächsten fünf Jahren in den deutschen Film fließen, wird sich zeigen, auch, ob Länder wie Irland oder Ungarn mit ihren hohen Steuernachlässen nicht immer noch attraktivere Bedingungen bieten.

Aufzuholen gibt es jedenfalls einiges, „weil wir auch die technologischen Umstände manchmal nicht haben, weil wir in den Studios nicht die Möglichkeiten für KI-Postproduktionen zur Verfügung gestellt haben, weil wir in anderen Elementen zu teuer und zu bürokratisch sind“, moniert Weimer.

„Aber wenn jetzt so ein Startschuss kommt, das Geld ist da, die Streamer investieren. Ich glaube, dann werden sich alle bewegen und schauen, dass sie in ihrem Bereich auch Marktbedingungen schaffen, die dann wettbewerbsfähig sind. Das ist zumindest mein Wunsch.“

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Autor/in
Karsten Umlauf
Karsten Umlauf, Autor und Morderator bei SWR Kultur