Kommentar

Wolfram Weimer: Rücktritt besser noch vor der Leipziger Buchmesse

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer eröffnet am 18. März die Leipziger Buchmesse, ausgerechnet am Gedenktag zur Märzrevolution von 1848 und ihrem Freiheitskampf. Welche Bedeutung haben seine Worte noch? Weimer sollte besser vorher seinen Hut nehmen.

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Von Autor/in Tomas Fitzel

Mehr Niederlage geht nicht

Die Buchhandlungspreise werden jetzt nur noch schnöde verschickt. Denn, so Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, eine „angemessene Würdigung“ sei nach der Debatte nicht mehr möglich. Umgekehrt kann sich in der Buchbranche keiner noch einen angemessenen Auftritt des Kulturstaatsministers vorstellen.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer während einer Haushaltsdebatte mit Bundeskanzler Friedrich Merz, September 2025 im Bundestag
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer während der Haushaltsdebatte mit Bundeskanzler Friedrich Merz im September 2025 im Bundestag

Mehr Niederlage geht eigentlich nicht. Wolfram Weimers Problem ist nicht, dass er ein konservativer Hardliner ist. Der Wählerwille wollte schließlich auch eine konservativere Regierung. Weimers Problem ist ebenso wenig, dass er ein Kulturkämpfer ist, auch wenn er dies vehement abstreitet.

Sein Problem ist, dass ihm gerade die konservativen Tugenden fehlen: Haltung und Anstand. Den ehemaligen Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger pries er zu dessen Abschied als „Goetheschen Löwen“, dessen Mut in seinem Herzen läge.

Wolfram Weimer duckt sich weg

Doch er selbst kneift vor der anstehenden Kontroverse mit den Buchhändlern. Vorsichtshalber schwänzte er gleich die Preisverleihung der Berlinale. Und er kuscht vor der Bild-Zeitung, die ihn vor sich hertreibt. Das wurde schon an seinem ersten Amtstag klar deutlich.

Die „Bild“ titelte damals: „Claudia Roths Gehirn gefeuert“ und diffamierte damit den bisherigen Amtsleiter Andreas Görgen. Weimer schwieg dazu, statt sich hinter ihn zu stellen. Er schwieg ebenso zu der Meldung der „Bild“, dass er die Berlinale-Chefin Tricia Tuttle feuern wolle, statt sich hinter sie zu stellen.

Mannhaft wäre gewesen, zu bekennen, dass er sie tatsächlich entlassen wollte, aber damit nicht durchkam. Und hier liegt sein zweites Problem: Sein Umgang mit der Wahrheit.

Vertrauen in Kulturpolitik zerstört

Dass er seinen ersten und vermutlich letzten Haushalt als Rekordhaushalt verkaufen ließ, was nicht den Tatsachen entspricht, geschenkt. Die Debatte darüber verfolgte er übrigens stumm von der Zuschauerbank. Daher ging die Kultur bei der Verteilung der Sondervermögen auch leer aus, trotz zahlreicher maroder Kulturbauten.

Aber wie er jetzt vor dem inhaltlichen Streit ausweicht, Nebelkerzen zündet und ständig andere vorschiebt, das zerstört jedes Vertrauen in die Kulturpolitik und erzeugt ein Klima der Verunsicherung und auch Einschüchterung.

Wolfram Weimer mag ein Zweimetermann sein, aber wenn es darauf ankommt, ist er doch klein mit Hut und den sollte er daher schleunigst nehmen.

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