„Dieser Roman ist ein Ereignis", begründet die Jury die Auszeichnung für Dorothee Elmiger. „Die Holländerinnen", der Roman der 1985 geborenen Schweizer Autorin, sei „ein faszinierender Trip ins Herz der Finsternis" - zugleich poetisch, politisch und von unheimlicher Gegenwärtigkeit.
„Die Holländerinnen" nimmt Bezug auf den realen Fall zweier niederländischer Frauen, die 2014 in Panama verschwanden, und verbindet ihn mit einem Expeditionstheaterprojekt im Dschungel.
In der Erzählung begleitet eine Schriftstellerin eine Gruppe von Künstler*innen, die sich im tropischen Wald auf das Rätsel der vermissten Frauen einlassen. Der Roman arbeitet mit indirekter Rede, Fragen nach Authentizität sowie mit Bruchstückhaftigkeit von Erzählung und Wirklichkeit. Elmigers Roman lotet die Grenzen des Sagbaren aus und eröffnet Räume des Schweigens, in denen Gewalt, Verlust und Erinnerung sichtbar werden.
Eine überzeugende Entscheidung
Elmigers Roman mit dem Deutschen Buchpreis auszuzeichnen, meint SWR Kultur Literaturkritiker Carsten Otte, sei eine durchweg überzeugende Entscheidung. Denn: „Das Grauen kommt hier im Konjunktiv I daher, der immer auch eine nicht nur sprachliche Differenz zum schwer fassbaren Geschehen aufzeigt." So erkenne die Ich-Erzählerin, als sie im Wald herumirrt, dass diese Geschichte keine Pointe und auch kein klares Ende haben könne.
Sympathische Rede und harmonische Stimmung
Auch die Stimmung bei der Preisverleihung im Frankfurter Römer sei gelassen gewesen. Nach den Debatten im vergangenen Jahr schienen alle Beteiligten eine möglichst harmonische Veranstaltung absolvieren zu wollen. „Die reflektierte und gleichsam sympathische Dankesrede der Schweizer Autorin passte in die harmonische Buchpreis-Szenerie, die sich vom Vorjahr deutlich unterschied," kommentiert Otte die Verleihung.
Sechs Romane sind nominiert Das ist die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2025
Die Finalistinnen und Finalisten für den Deutschen Buchpreises stehen fest: Dorothee Elmiger, Kaleb Erdmann, Jehona Kicaj, Thomas Melle, Fiona Sironic und Christine Wunnicke.
Die Jury 2025: Mit SWR Kritikerin Shirin Sojitrawalla
Die Jury entscheidet, wer den Deutschen Buchpreis 2025 erhält. Die Akademie Deutscher Buchpreis wählt diese jährlich neu, wobei eine mehrmalige Jurymitgliedschaft möglich ist. Teil der Jury war unter anderem Shirin Sojitrawalla, die auch Mitglied der SWR Bestenliste ist.
229 Romane wurden eingereicht
Im Jahr 2025 sind 229 Romane aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ins Rennen um den Deutschen Buchpreis gegangen. Darunter waren 124 deutschsprachige Verlage vertreten. Im August wurde die Longlist mit 20 Romanen bekannt gegeben, im September schließlich die Shortlist mit sechs Titeln.
Mit dem Deutschen Buchpreis zeichnet die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels jährlich zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse den deutschsprachigen „Roman des Jahres“ aus.
Der Preis ist mit insgesamt 37.500 Euro dotiert: Der oder die Preisträger*in erhält 25.000 Euro, die übrigen fünf Autor*innen der Shortlist erhalten jeweils 2.500 Euro.
Frühere Preisträger*innen
Im vergangenen Jahr wurde der Martina Hefter mit „Hey guten Morgen, wie geht es dir?“ mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. 2023 erhielt der österreichische Autor Tonio Schachinger für „Echtzeitalter“ den Preis und im Jahr zuvor Kim de l'Horizon mit dem Debütroman „Blutbuch“.