Deutscher Buchpreis 2025 für Dorothee Elmiger: „Die Holländerinnen"
Die Buchpreis-Jury hat von 20 nominierten Romanen sechs auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2025 gewählt. Insgesamt hatten 124 deutschsprachige Verlage 200 Romane ins Rennen geschickt. Der Preis gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen im deutschsprachigen Literaturbetrieb.
20 Romane auf der Longlist Auffallend sind die Leerstellen: Diese Titel sind nominiert für den Deutschen Buchpreis 2025
Die Jury des Deutschen Buchpreises wählte diese 20 Romane auf die Longlist. Unter anderem dabei sind neue Bücher von Nava Ebrahimi, Dmitrij Kapitelman und Christine Wunnicke.
Das meint SWR Literaturredakteur Christoph Schröder zur Shortlist:
Eines kann man der siebenköpfigen Buchpreis-Jury in diesem Jahr keinesfalls vorwerfen: fehlende Konsequenz. Nachdem auf der im August veröffentlichten und aus 20 Titeln bestehenden Longlist bereits demonstrativ einige wichtige Bücher des Jahres weggelassen wurden, setzt sich das Favoritensterben auf der sechs Titel umfassenden Shortlist nun fort:
Nava Ebrahimis vielerorts hoch gehandelter Roman „Und Federn überall“ – nicht mehr dabei. Jonas Lüschers „Verzauberte Vorbestimmung“, ein Buch, das manch ein Kritiker bereits zum „Jahrhundertwerk“ erklärt hatte – aussortiert. Um nur zwei Beispiele zu nennen.
Stattdessen setzt die Jury auch auf der Shortlist auf Newcomer und Überraschungen. Da sind zum Beispiel zwei Debüts, Jehona Kicajs „ë“, erschienen bei Wallstein und damit in einem Independent-Verlag. Auch das ist mittlerweile ein hartes Kriterium für die Auswahl.
Oder Fiona Sironics Buch mit dem Titel „Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft“, der von zwei Mädchen erzählt, deren Mütter das Leben der Kinder als Momfluencerinnen ausplündern und dabei auch noch die Klimakrise in den Blick rückt. Sehr zeitgemäß, sehr nah an der Booktok-Szene.
Konsequent überraschend
Jede Jury entwickelt ihre eigene Dynamik und ihre eigenen Kriterien. Man blicke, so formulierte Jurysprecherin Laura de Weck, mit den nominierten Romanen in „psychologische, gesellschaftliche und politische Abgründe.“ Das macht, mit Verlaub, gelungene Literatur immer. Und weiter: Jede Lektüre auf der Shortlist sei ein Befreiungsschlag. Darüber darf man geteilter Meinung sein:
Worin der Befreiungsschlag in Christine Wunnickes in sich versponnenen und manierierten Roman „Wachs“ bestehen könnte, wäre einer genaueren Diskussion wert.
Immerhin: Mit „Die Holländerinnen“, Dorothee Elmigers faszinierend-dunkler Reisegeschichte in ein literarisch unterfüttertes „Herz der Finsternis“ rückt ein schmales, literarisch elaboriertes Kunstwerk in den engen Favoritinnenkreis. Kaleb Erdmanns „Die Ausweichschule“ unternimmt den lesenswerten Versuch, ein Trauma mit großer Verspätung in Worte zu fassen. Erdmann war Schüler am Gutenberg-Gymnasium, an dem im Jahr 2002 ein Amoklauf stattfand.
Und quasi alternativlos war die Nominierung von Thomas Melle. Mit „Haus zur Sonne“ steht Melle mittlerweile zum vierten Mal auf einer Long- oder Shortlist für diesen Preis. Melle ist psychisch krank. Er leidet seit vielen Jahren an einer bipolaren Störung. Diese Krankheit in Sprache zu verwandeln, ist zu seiner Lebensaufgabe geworden. „Haus zur Sonne“ ist ein bodenlos niederschmetterndes, sprachlich mitreißendes Werk, das letztendlich die Frage nach dem Wert eines beschädigten Lebens stellt.
So sehr die Buchpreis-Jury sich bereits in der Auswahl der Longlist eingeengt hat – immerhin eröffnet die Shortlist noch die ein oder andere Möglichkeit für den bereits beschworenen Befreiungsschlag. Und das wäre auch ein solcher für die gesamte Buchbranche in ihrem derzeitigen Krisenmodus.
Die Jury 2025: Mit SWR Kritikerin Shirin Sojitrawalla
Die Jury entscheidet, wer den Deutschen Buchpreis 2025 erhält. Die Akademie Deutscher Buchpreis wählt diese jährlich neu, wobei eine mehrmalige Jurymitgliedschaft möglich ist. Teil der Jury ist unter anderem Shirin Sojitrawalla, die auch Mitglied der SWR Bestenliste ist.
„Hey guten Morgen, wie geht es dir?“: Roman des Jahres 2024
Mit dem Deutschen Buchpreis zeichnet die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels jährlich zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse den deutschsprachigen „Roman des Jahres" aus. Der Preis ist mit insgesamt 37.500 Euro dotiert: Der Preisträger oder die Preisträgerin erhält 25.000 Euro, die übrigen fünf Autoren und Autorinnen der Shortlist erhalten jeweils 2.500 Euro.
Am 13. Oktober 2025 findet die Preisverleihung im Rahmen der Frankfurter Buchmesse statt. Im vergangenen Jahr ging der Deutsche Buchpreis an Martina Hefter mit „Hey guten Morgen, wie geht es dir?“.