Bad Bunny: Der Albtraum der MAGA-Republikaner
Es ist ein Schlag ins Gesicht der MAGA-Republikaner. Ausgerechnet Bad Bunny, puerto-ricanischer Weltstar und Trump-Kritiker, wird als Haupt-Act bei der Halbzeitshow des Super Bowls auftreten. Geschätzt hundert Millionen Menschen werden das Football-Finale am 8. Februar allein in den Vereinigten Staaten am Fernsehen verfolgen.
Auf der Bühne der legendären Halbzeitshow wird also ein Latino-Künstler mit Faible für genderfluide Looks stehen. Ein Künstler, der sich offen für Frauen- und LGBTQ-Rechte einsetzt und ausschließlich auf Spanisch singt – und als meistgehörter Künstler weltweit erfolgreicher ist als alle englischsprachigen Popstars der Gegenwart.
Bad Bunny, bürgerlich Benito Martinez Ocasi, steht also für alles, was das weiße, konservative Amerika als Bedrohung empfindet. Die Ankündigung des Super-Bowl-Auftritts hat einen regelrechten Kulturkampf entfacht. Eine Petition Trump-naher Politiker versuchte vergeblich, den Aufritt des 31-Jährigen zu verhindern. Er sei nicht in der Lage, „die amerikanische Kultur zu ehren“ hieß es darin.
Ein Latino, der die Vereinigten Staaten repräsentiert
„Bad Bunnys Erfolg zeigt, dass es kein Only-English-Amerika mehr gibt“, sagt Kulturwissenschaftler Jörn Glasenapp von der Universität Bamberg gegenüber SWR Kultur. Die Vereinigten Staaten seien erheblich diverser als es das weiße, konservative Amerika wahrhaben wolle. Dass die Entscheidung derart provozieren würde, sei vorhersehbar gewesen: „Er ist für die MAGA-Republikaner der regelrechte Albtraum.“
Die frühere „Fox News”-Moderatorin Tomi Lahren behauptete in ihrem Podcast sogar, Bad Bunny sei kein Amerikaner und erntete dafür Spott in den sozialen Medien. Ob sie das als rassistische Provokation meinte oder wirklich nicht besser wusste: Die Aussage verweist auf das schwierige Verhältnis der Karibikinsel zu den Vereinigten Staaten, das spätestens seit Trumps Regierungszeit massiv belastet ist.
Puerto Rico gehört seit 1898 zum Territorium der USA. Es ist das einwohnerreichste Außengebiet des Landes, aber kein Bundesstaat. Die Einwohner empfinden sich als Bürger zweiter Klasse. Sie haben zwar den US-Pass, dürfen aber nicht wählen.
Kritik an Massentourismus und Gentrifizierung
Bad Bunny ist in seiner Heimat so etwas wie ein Nationalheiliger. In seinen Songs macht er auf die sozialen und politischen Missstände in Puerto Rico aufmerksam, klagt die ungebremste Zuwanderung reicher Amerikaner an und die Folgen von Massentourismus und Gentrifizierung: Explodierende Kosten, Armut und Vertreibung.
„Sie wollen uns den Fluss und auch den Strand wegnehmen. Sie wollen meine Nachbarschaft und sie wollen, dass die Kinder weggehen. Ich möchte nicht, dass sie dir das antun, was mit Hawaii passiert ist“, singt er zum Beispiel in „Lo que le pasó a hawaii“.
Spätestens seit dem Hurrikan Maria, der 2017 in Puerto Rico eine Schneise der Verwüstung hinterließ, wird der Sänger auch als politisches Sprachrohr für die Menschen seiner Heimat wahrgenommen.
Er nutzte seine Reichweite, um auf die katastrophalen Zustände aufmerksam zu machen, die von der Trump-Administration massiv heruntergespielt wurden. Seine Dokumentarfilm-ähnlichen Musikvideos wie „El Apagón – Aquí Vive Gente“ oder Songs wie „Una Velita“ stärkten das Durchhaltevermögen der Bevölkerung.
Sprache als Form des Widerstands
Sein Album „Debí tirar más fotos“, das bei den Grammys kürzlich als erstes spanischsprachiges Album ausgezeichnet wurde, ist eine Liebeserklärung an die reichen musikalischen Wurzeln seiner Heimat: weniger Reggeaton, mehr Bomba y Plena, Jíbaro, Salsa. Dass Bad Bunny weiterhin ausschließlich auf Spanisch und in puerto-ricanischem Dialekt singt, ist ein Ausdruck kulturellen Widerstands.
Früher waren Latino-Stars oft gezwungen, Englisch zu singen, wenn sie international erfolgreich sein wollten. Anders aber als beispielsweise sein Landsmann Ricky Martin oder die kolumbianische Sängerin Shakira hat Bad Bunny sich dem aber stets verweigert.
Ricky Martin äußerte nach Bad Bunnys dreifachem Grammy-Gewinn seine Bewunderung für den Künstler in einem Brief: „Du hast gewonnen, ohne deine Wurzeln zu verleugnen.“
Als die „New York Times“ Bad Bunny in einem Podcast fragte, ob es ihn nicht störe, dass so viele Menschen seine Texte gar nicht verstehen könnten, antwortete er mit einem kunstvoll gesungenen „I dont caaare!“ – es kümmere ihn schlichtweg nicht.
Bei seinem inzwischen legendären Auftritt bei der Comedsendung „Saturday Night Life“ im Oktober dankte er auf Spanisch allen Latinos und Latinas, die ihm den Weg bereitet hätten. „Und falls ihr nicht verstanden habt, was ich gesagt habe“, fügte er auf Englisch hinzu – „bis zum Super Bowl sind noch vier Monate, Spanisch zu lernen“.
Diese Haltung wird ihm von der Latino-Community hoch angerechnet. „Bad Bunnys Position ist klar: Ihr müsst sprachlich zu mir kommen, ich komme nicht zu euch“, sagt Experte Jörn Glasenapp: „Er gilt als glaubwürdig“.
Neues Selbstbewusstsein der Latino-Musikszene
Zudem zollt Bad Bunny der lateinamerikanischen Diaspora in den USA auch inhaltlich Tribut, wie im Musikvideo zu „NUEVAYoL“, wenn eine KI-generierte Stimme Donald Trumps verkündet: „Dieses Land wäre nichts ohne Mexikaner, Dominikaner, Puertoricaner, Kolumbianer, Venezolaner, Kubaner.“
Auch bei der Grammy-Verleihung zeigte er sich unerschrocken: „ICE out“ rief Bad Bunny in seiner Dankesrede. „Wir sind keine Wilden, wir sind keine Tiere, wir sind keine Fremden: Wir sind Menschen und wir sind Amerikaner“.
Diese Authentizität sei ein zentraler Bestandteil seines Erfolgs, sagt Glasenapp. Heute präsentiert sich die Latino-Musikszene selbstbewusster – und mit ihr die lateinamerikanische Minderheit in den Vereinigten Staaten, die fast 20 Prozent der Einwohner*innen ausmacht und im Visier der aggressiven Migrationspolitik der Trump-Regierung steht.
Super Bowl als politisches Event?
Aus Sorge vor Razzien der Einwanderungsbehörde ICE bei seinen Konzerten hatte Bad Bunny letzten Herbst erklärt, keine Shows mehr in den Vereinigten Staaten zu spielen. Für den Super Bowl am 8. Februar macht er nun eine Ausnahme. NFL-Sicherheitschefin Cathy Lanier erklärte bereits, dass keine ICE-Agenten bei dem Event eingesetzt werden.
Donald Trump findet die Künstlerwahl „schrecklich“. Dass die Punkband Green Day vor Bad Bunny spielen wird, veranlasste ihn, seine Teilnahme abzusagen. Zeitgleich wird die Gegenveranstaltung „All American Halftime Show“ stattfinden. Kid Rock wird dort auftreten. Der US-Countryrocker gilt schon lange als Anhänger Donald Trumps.
Jörn Glasenapp überrascht diese Eskalation nicht. Lange Zeit sei das Super-Bowl-Publikum vor allem weiß gewesen, während der Großteil der Spieler Schwarz sei, sagt er. Die Halbzeitshow erlebe eine strategische Neuausrichtung, die den Republikanern nicht passe. Die Veranstalter wollen Künstler, die die ethnische Vielfalt des Landes repräsentieren.
Bad Bunnys Auftritt auf der größten Pop-Bühne der Vereinigten Staaten ist für die spanischsprachige Community damit jetzt schon ein klares Zeichen der Anerkennung.