Album-Tipp

Claire Huangci mit Geschwindigkeitsrekord: Piano Heroines

Claire Huangcis Repertoire ist breit gefächert, es reicht von Bach über Beethoven bis Gershwin. Jetzt hat sie ein Konzeptalbum mit Klaviermusik von Komponistinnen herausgberacht.

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Stand

Von Autor/in Eleonore Büning

Huangci spielt Scherzo „Februar“ am Schnellsten

Die mehrfach preisgekrönte Pianistin Claire Huangci hat ihr achtes Soloalbum zum ersten Mal ausschließlich der Musik von Frauen gewidmet. Das liegt im Trend. Allein von Fanny Hensels Klavierzyklus „Das Jahr“ gibt es ja schon ein Dutzend Gesamtaufnahmen.

Huangci spielt das Scherzo „Februar“ aus Hensels Klavierzyklus mit Abstand am Schnellsten. Doch trotz dieser virtuosen Raserei realisiert Huangci treulich alle Vortragsangaben. Nicht nur in punkto Binnendynamik, auch in Artikulation, Farbgebung und Phrasierung ist alles aufs Feinste ausdifferenziert. Das Klangbild leuchtet.

Dieser vergnügte Stakkato-Hüpftanz in lichthellem Fis-Dur ist wirklich sehr weit weg vom deutschen Winter. Hensel komponierte das Stück auf ihrer italienischen Reise, im Februar 1840 in Rom, wo sie auf den Straßen mit Mann und Sohn eintauchte in den römischen Karneval.

Das Jahr, H. 385: No. 2, February. Scherzo

Bekanntes Repertoire neu interpretiert: Clara Schumanns Klavierkonzert

Huangci erarbeitete für ihr neues Album zwei Dutzend romantisch inspirierte Klavierstücke, sämtlich aus der Feder von Frauen, teils deutsche, teils amerikanische. Dabei darf eine nicht fehlen, die zwischen Brahms und Schumann steht und quasi das Herz der musikalischen Romantik repräsentiert: Clara Wieck-Schumann.   

Bei Clara Schumann sieht die diskographische Lage ähnlich aus wie bei Fanny Hensel: Fast alles ist schon mehrfach eingespielt worden. Auch ihr einziges Klavierkonzert, dass sie mit vierzehn Jahren schrieb.

Der kurze Mittelsatz in As-Dur ist unkonventionell. Manche sagen sogar: unfertig.  Diese „Romanze – Andante non troppo con grazia“ führt Claire Huangci so vor, als sei es Kammermusik.

Piano Concerto in A Minor, Op. 7: II. Romanze

Huangci legt Wert darauf, dass kein einziges Quotenstück dabei ist, denn das berge die Gefahr, dass die Qualität leidet. Jedes der 23 großen und kleinen Charakterstücke des Albums ist für sich genommen ein Juwel. Dieses Album ist musikalisch und editorisch eine Großtat. 

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Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Eleonore Büning
Eleonore Büning
Künstler/in
Claire Huangci (Klavier)
Onlinefassung
Janine Putzek