Das Enjoy Jazz Festival ist längst mehr als nur ein Event für Jazzliebhaber. Mit seinem Untertitel „Jazz & Anderes“ öffnet es die Türen für eine Vielzahl musikalischer und kultureller Ausdrucksformen.
„Jazz ist ein streitbarer Begriff“, erklärt Konrad Bott, Musikkurator und SWR Kultur Jazz Redakteur. „Beim Enjoy Jazz wird zum Einen der Jazz als Ausdruck schwarzer Kultur in den USA gewürdigt, gleichzeitig aber auch für moderne Spielformen geöffnet.“
Von Harfe bis Legendenstatus
Das Festival, das über einen Monat hinweg in der Rhein-Neckar-Region stattfindet, bietet täglich Konzerte, Podiumsdiskussionen und mehr. Die diesjährigen Acts seien so unterschiedlich wie beeindruckend.
Besondere Highlights sind für Konrad Bott Künstler wie Brandy Younger, die am 7. Oktober mit ihrer Harfe ein Spannungsfeld zwischen Jazz-Tradition und R’n’B-Sound aufspanne.
James Brandon Lewis, der am 24. Oktober auftritt, überzeuge mit explosivem und harmonisch wendigem Sound, der dennoch zugänglich bleibt.
Abdullah Ibrahim tritt am 5. November als 90-jähriger Vertreter des südafrikanischen Jazz auf. Ein Musiker, der einst im Kampf gegen die Apartheid eine wichtige Rolle spielte.
Wissen und Austausch im Fokus
Das Enjoy Jazz Festival ist nicht nur ein musikalisches, sondern auch ein intellektuelles Erlebnis. Unter dem diesjährigen Motto „Knowing“ wird das Thema Wissen und kulturelle Freiheit beleuchtet.
„Es geht darum, wie wir die Fülle an Informationen in unserer Welt mit Jazz als Impuls konstruktiv nutzen können“, erklärt Bott.Dazu gibt es auch eine Podiumsdiskussion mit Pianist Nik Bärtsch, moderiert von Sophie Melih-Beha vom Deutschlandfunk.
Darüber hinaus bietet das Festival außergewöhnliche Formate wie Listening Bars, bei denen Musik in entspannter Atmosphäre gemeinsam gehört und besprochen wird. Auch ein Kindertag mit Workshops und Konzerten steht auf dem Programm. Ein weiterer Höhepunkt ist die Verleihung des SWR Jazzpreises an Christopher Dell.
Ein Jazzfestival der Vielfalt
Das Enjoy Jazz Festival sei zwar weniger bekannt oder nicht so alt wie das Deutsche Jazz-Festival in Frankfurt oder das Jazzfest Berlin. „Aber für ein umfassendes Verständnis dessen, was Jazz alles sein kann, ist Enjoy Jazz sehr wichtig“, findet Konrad Bott.
Besonders die Vielfalt der Veranstaltungsorte und die zeitliche Streckung über mehrere Wochen würden das Festival zu einem besonderen Erlebnis machen.
Wer es nicht schafft, live dabei zu sein, kann sich auf eine Alternative freuen: Ab dem 15. Oktober bietet die ARD Audiothek unter dem Titel „ARD Jazz. Die Nacht“ einen Querschnitt aus den letzten Jahrzehnten des Festivals, kuratiert von Konrad Bott.