Invasive Art

Werden Waschbären die neuen Haustiere?

Waschbären kommen auch bei uns in Deutschland den Menschen immer näher. Eine neue Studie zeigt, dass sich die Wildtiere bereits anatomisch an das Leben bei uns anpassen.

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Von Autor/in Pascal Kiss

Waschbären plündern Mülltonnen, streifen durch Gärten und gehen auf Häuserdächer. Sie verlieren also ein Stück weit ihre Scheu von uns Menschen. Eine neue Studie der University of Arkansas, USA hat nun gezeigt, dass der Waschbär sich bereits an den städtischen Raum und uns Menschen anpasst. Daraus entsteht die Frage, ob Waschbären sich vielleicht schon vom Wildtier hin zum Haustier entwickeln.

Anpassung an den Menschen: Werden Waschbären bald zum Haustier?

Aktuell sind Waschbären noch zu wild und definitiv keine Haustiere. Man kann allerdings schon jetzt messen, wie sich die Waschbären langsam verändern.

Das Forschungsteam um Artem Apostolov hat dafür 19.000 Bilder von Waschbären analysiert. Den Forschenden ging es dabei um Hinweise wie schlaffe Ohren, kleinere Gehirne oder kürzere Schnauzen - Merkmale, die viele Haustiere besitzen, im Gegensatz zu Wildtieren.

Die Studie hat gezeigt, dass Waschbären beispielsweise eine um 3,5 Prozent kürzere Schnauze haben, wenn sie schon länger in Städten leben. Das sind nur kleine Änderungen, die aber auffällig sind.

Waschbären passen sich immer mehr an das Leben mit uns Menschen an. Wird die invasive Art bald zum Haustier?
Eine neue Studie hat gezeigt, dass Waschbären im städtischen Raum sich zunehmend anpassen. Entwickeln die Wildtiere sich zum Haustier?

Warum haben Haustiere kürzere Schnauzen?

Bisher gibt es nur Theorien. Es wird vermutet, dass das mutigere und zahmere Verhalten von Haustieren durch einen Gendefekt ausgelöst wird. So beeinflussen bestimmte Stammzellen auch das Verhalten der Tiere. Es geht um sogenannte Neutralleisten-Zellen. Sind diese weniger aktiv, hat das Tier vermutlich ein geringeres Stressempfinden und fühlt sich in der Nähe von Menschen wohler. Diese veränderten Stammzellen beeinflussen auch die Gesichtsknochen. Das heißt: Wird das Tier wegen eines veränderten Stressempfindens zahmer, kann sich auch sein Aussehen verändern.

Ob die kürzeren Schnauzen nun darauf hindeuten, dass der Waschbär sich zum Haustier entwickelt, konnte die Studie aber nicht zweifelsfrei zeigen. Das betont Zoologe Dorian Dörge von der Goethe Universität in Frankfurt am Main im Interview mit Impuls. Dörge meint: "[Die Forschenden; d.Red.] haben aber auch verschiedene Klimazonen mit einbezogen und herausgefunden, dass die Waschbären in wärmeren Gebieten kürzere Schnauzen haben als die in kälteren Gebieten."

In kälteren Gebieten seien längere Schnauzen von Vorteil, da so die Atemluft durch verlängerte Atemwege besser aufgewärmt werden könne. Was die Forschenden jedoch nicht bedacht haben, so Dorian Dörge, sei, "dass in den Städten permanent wärmere Temperaturen sind als im umliegenden Gebiet." Daher könne auch das wärmere Stadtklima Grund für die kürzeren Schnauzen sein: "Damit kann man darauf leider gar nicht zurückschließen, dass sich da ein Domestikationseffekt überhaupt zeigt." so Dörgen weiter.

Warum Städte für Waschbären so attraktiv sind

Waschbären passen sich an uns an und haben herausgefunden, dass sie in unserer Nähe viel Müll und sehr verlockende Lebensmittelabfälle finden. Natürlich lassen wir Menschen Waschbären eher gewähren, wenn diese zutraulich statt aggressiv sind.
In Städten überleben also häufiger die mutigeren Waschbären. Sie finden Nahrung in der Nähe von Menschen.

Wie der Waschbär nach Deutschland kam

Die Verbreitung der Waschbären im europäischen Raum lässt sich dabei auf zwei Aussetzungen zurückführen. Die erste, 1934 am nordhessischen Edersee, wurde durchgeführt, um die lokale Fauna anzureichern. Durch seine Anpassungsfähigkeit hat sich der Waschbär mittlerweile in ganz Deutschland verbreitet. Besonders im städtischen Raum fühlt er sich wohl.

Denn unsere Städte wachsen, wir erschließen immer mehr Lebensräume und hinterlassen dabei überall Nahrung, die für Wildtiere attraktiv ist. Leider stellen Waschbären aber ein echtes Problem für die heimische Tierwelt dar. Sie fressen Insekten, Krebstiere, Fische und kleine Säugetiere.

Waschbären passen sich immer mehr an das Leben mit uns Menschen an. Wird die invasive Art bald zum Haustier?
Durch ihre anpassungsfähigkeit fühlen sich Waschbären in Städten immer wohler. Doch sie werden auch zu einem zunehmenden Problem im Stadtbild.

Waschbären werden zur Herausforderung für Städte

Das Problem ist, dass Menschen in Städten Bedingungen schaffen, die für Waschbären so attraktiv sind, dass sie von sich aus kommen. In Baden-Württemberg hat sich der Anteil der von Waschbären besetzten Reviere seit 2011 fast vervierfacht. In Stuttgart gelten sie seit 2024 sogar als Plage – inklusive Stadtjäger.

Ob Waschbären sich über die Zeit zu neuen Haustieren entwickeln, bleibt ungewiss. Doch schon jetzt sind sie ein Problem im Stadtbild. Bereits im Juli 2025 haben Forschende deshalb ein Positionspapier veröffentlicht. Darin fordern sie Schutzmaßnahmen gegen den Waschbären.

Zoologie Doch kein Haustier: Der Waschbär bleibt ein Problem für heimische Arten

Der Waschbär hat eine große Fangemeinde im Internet, weil er so süß ist. Die Fans dürften sich über eine aktuellen Studie freuen: Demnach wird die invasive Art so langsam zum Haustier. Der Zoologe Dorian Dörge sieht aber methodische Fehlschlüsse in der Studie und betont: Das Tier ist in Europa ökologisch betrachtet ein großes Problem.
Jochen Steiner im Gespräch mit dem Zoologen Dorian Dörge, Goethe-Universität Frankfurt am Main

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Landesschau Rheinland-Pfalz SWR RP