Mythen und Fakten zum Stresshormon

Cortisol-Entgiftung – wie sinnvoll ist der Trend auf Social Media wirklich?

Influencer geben auf Social Media zahlreiche Tipps, wie der Körper vom Stresshormon Cortisol entgiftet werden kann. Doch ist wie sinnvoll ist der Trend überhaupt?

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Von Autor/in Katharina Ditschke

Viele Menschen auf Social Media folgen aktuell einem bizarren Trend: der Cortisol-Entgiftung. Im Netz kursieren viele Fotos von rundlichen Gesichtern, den sogenannten "Cortisol-Faces", deren Ursache Alltagsstress sein soll. Zahlreiche Videos zeigen die vorher-nachher Wandlung: aufgedunsen in starken Stressphasen und deutlich schmaler nach einer Entgiftung von Cortisol.

Cortisol ist ein wichtiges Stresshormon im Körper

Cortisol ist – neben Adrenalin - das wichtigste Stresshormon im Körper und ist ein ganz natürlicher Teil unseres Hormonhaushalts. In Phasen von Stress oder beispielsweise bei einem wichtigen Meeting im Job, werden große Mengen an Cortisol ausgeschüttet. Die machen uns leistungsfähig und hellwach. Gleichzeitig sinkt das Bedürfnis nach Schlaf.

Der Cortisol-Spiegel schwankt, je nach Tageszeit. Morgens ist er am höchsten – das Cortisol weckt uns im Prinzip auf. Je nach Aktivität und Stresslevel gibt es dann auch im Laufe des Tages immer wieder Peaks. Bei den allermeisten Menschen reguliert der Körper das Cortisol-Level ganz von allein.

"Mir ist es einfach wichtig, dass die Menschen keine Angst haben müssen vor ihrem Cortisol-Spiegel, weil das einfach was ganz normales ist und dass es was Gutes ist und sie damit den Alltag bewältigen können. Und durch diesen Instagram Hype und TikTok – da wird ja eine Angst geschürt, dass man zu viel Cortisol haben könnte und gar nicht darauf eingegangen, was für tolle Eigenschaften es hat.", erklärt Dr. Birgit Harbeck, Fachärztin für Endokrinologie an der Uniklinik Hamburg.

Der Körper produziert Cortisol in der Hirnanhangsdrüse und den Nebennieren. Auf Social Media kursieren viele Mythen um das Stresshormon.
Der Körper produziert Cortisol in der Hirnanhangsdrüse und den Nebennieren. Das Stresshormon ist ein wichtiger Bestandteil unseres Hormonhaushalts. IMAGO / YAY Images

Gefährlicher Trend auf Social Media warnt vor zu viel Cortisol

In den sozialen Medien äußern einige Follower unterdessen die Befürchtung, durch Dauerstress am so genannten Cushing-Syndrom erkrankt zu sein. Dabei ist das (Cushing-Syndrom) eine seltene Erkrankung. Nur etwa 2-5 von 1 Millionen Personen erkranken jährlich daran. Beim Cushing Syndrom produziert der Körper permanent zu viel Cortisol und befindet sich in einem dauerhaften Alarm-Modus. Das kann ernsthafte Folgen für die Gesundheit haben.

Harbeck erklärt zum Auftreten des Cushing-Syndroms, wenn gesunde Menschen plötzlich anfangen würden, ungewollt exzessiv an Gewicht zuzunehmen, obwohl sie nichts an ihren Ernährungsgewohnheiten verändert haben, dazu noch Symptome wie eine rasche Ermüdbarkeit, oder rote Streifen am Körper haben. Als weiteres Symptom könne ein Mondgesicht auftreten, ein gerundetes, letztendlich dicker wirkendes Gesicht, was auf ein Cushing-Syndrom hindeuten kann. Wenn Menschen diesen Symptomkomplex haben, sollte man das abklären lassen.

Person mit Cushing Syndrom. Durch zu viel Cortisol bläht sich bei Betroffenen das Gesicht auf. Auf Social Media befürchten viele diese Krankheit zu haben.
Durch zu viel Cortisol bläht sich bei Menschen mit Cushing Syndrom das Gesicht auf. Viele Menschen auf Social Media befürchten diese Krankheit zu haben. Doch eine tatsächliche Erkrankung ist sehr selten. IMAGO / Jam Press

"Von einem lebenswichtigen Hormon kann ich mich aber nicht entgiften!"

Ursache für das Cushing-Syndrom ist meistens ein gutartiger Tumor an der Hirnanhangsdrüse. Sie produziert dann dauerhaft zu viel Cortisol. Von Stress und einem hohen Cortisol-Spiegel allein – so wie einige Influencer behaupten – wird das Gesicht jedoch nicht aufgedunsen oder "dick". Dafür seien die Cortisol-Ausschüttungen viel zu gering, sagen die Experten. Vielmehr führe ein – vielleicht durch Stress bedingtes – "Mehr-Essen" zu einer Gewichtszunahme allgemein und damit auch zu mehr Fettansammlungen im Gesicht.

Unterdessen raten Influencer nicht nur, ihren Cortisol-Wert mit Selbsttests zu ermitteln, sonders sich auch von dem Hormon zu entgiften. "Cortisol-Entgiftung suggeriert ja, dass es etwas ganz Schlimmes ist, von dem man befreit werden muss. Diese Tipps, die diese Influencer geben sind ja sehr allgemeiner Natur, dass sie versuchen mit natürlichen Ursachen das Level herunterzufahren, indem man eben viel schläft, sich gesund ernährt, Sport treibt." findet Harbeck. Das seien ja einfach nur Tipps für eine gesunde Lebensweise. Davon würden natürlich alle profitieren. Letztendlich würde, wenn man dadurch ein bisschen weniger Stress hat insofern auch ein bisschen weniger Cortisol ausgeschüttet, weil man weniger Peaks habe. Aber man könne nicht von einem lebenswichtigen Hormon entgiften.

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