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Wie viele Haarwurzeln ein Mensch hat, steht schon bei der Geburt fest. Neue Haarfollikel zu erzeugen, ist nicht möglich. Daher zielen alle seriösen Behandlungsmethoden gegen Haarausfall darauf ab, die Aktivität der vorhandenen Haarfollikel zu stimulieren, sodass darin wieder neue Haare wachsen.
Die Ursachen für Haarausfall sind dabei vielschichtig. Oft kommen mehrere Gründe zusammen - von Hormonschwankungen über Stress bis hin zu Autoimmunerkrankungen - und müssen erstmal eingegrenzt werden. Gesundheitscoach Dr. Lothar Zimmermann zeigt, was man in welchen Fällen gegen Haarausfall tun kann.
Wann spricht man von Haarausfall?
100 Haare täglich zu verlieren ist normal, weil sich unsere Haare in einem ständigen Wachstumszyklus befinden. Sie wachsen, fallen aus und wachsen wieder nach.
100 Haare mögen auf den ersten Blick viel erscheinen - aber wir haben ungefähr 100.000 Haare auf dem Kopf. Am ganzen Körper sind es bis zu fünf Millionen.
“Wenn man über mehrere Wochen täglich deutlich mehr als 100 Haare verliert oder kahle Stellen bemerkt, sollte man das medizinisch abklären lassen,” rät Gesundheitscoach Dr. Lothar Zimmermann.
Häufigste Ursache für Haarausfall: Vererbung
Die häufigste Form des Haarverlusts bei Männern und Frauen ist die genetische, familiäre Veranlagung. Sowohl bei Männern als auch bei Frauen sind etwa 95 Prozent aller Fälle von Haarausfall durch die sogenannte androgenetische Alopezie verursacht – frei übersetzt: Haarausfall durch männliche Hormone, Androgene.
Diese genetische Veranlagung führt zu einer erhöhten Empfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber dem Hormon Dihydrotestosteron (DHT). Es verkürzt die Wachstumsphase der Haare, wodurch sie früher ausfallen und dünner werden.
In der Regel nimmt bei den Betroffenen mit steigendem Alter der Grad der Alopecia androgenetica zu.
Was tun gegen genetisch bedingten Haarausfall?
Beim genetisch bedingten Haarausfall liegt also das Problem direkt an den überempfindlichen Haarfollikeln in der Kopfhaut. Eine örtliche oder innere Therapie kann zwar helfen, muss aber über lange Zeit angewendet werden, um das genetische Problem zu regulieren.
Weil Gene sich nicht verändern lassen, ist das Ziel, zumindest das Voranschreiten des erblich bedingten Haarausfalls aufzuhalten. Die Haarfollikel müssen länger in der Wachstumsphase gehalten werden und durchblutet sein, damit die Haare nicht mehr verfrüht ausfallen.
Es gibt gut untersuchte Therapien: entweder wird direkt in die Hormonwerkstatt an der Haarwurzel eingegriffen oder die Durchblutung um den Haarfollikel wird gesteigert.
Weitere Ursachen für Haarausfall: Hormone, Medikamente, Ernährung
Wenn Haare übermäßig ausfallen, kann das zahlreiche weitere Gründe haben: zum Beispiel Hormonschwankungen etwa in der Schwangerschaft oder in der Menopause oder durch Schilddrüsenüber- oder unterfunktion.
Haarverlust kann auch als Nebenwirkung von Medikamenten auftreten, wie zum Beispiel bei Blutverdünnern, Antidepressiva, Blutdrucksenkern, Schlaf- oder Schmerzmitteln, Schilddrüsen-, Akne- oder Rheuma-Medikamenten.
Auch ernährungsbedingt kann es zu Haarausfall kommen – etwa bei einer Diät oder einer Ernährungsumstellung, bei Mangelzuständen wie beispielsweise Vitamin B12-, Zink- oder Eisenmangel.
Haarausfall bedingt durch Stress
Auch Stress kann auf das Haarfollikel einwirken und an entzündlichen Reaktionen wie etwa beim kreisrunden Haarausfall beteiligt sein. Verändert sich der körpereigene Stresslevel, sendet das Gehirn dem Haarfollikel und den haarnahen Nerven-, Immun- und Gefäßzellen aktivierende oder hemmende Botschaften.
Die Haarwurzel wird zusätzlich befeuert über benachbarte, ebenfalls gestresste Immun- und Gefäßzellen. Irgendwann kippt die Stimmung: Der Follikel verlangsamt oder unterbricht sein Wachstum, das Haar geht in die Ruhephase über und fällt verfrüht aus.
Aber Haare reagieren nicht immer auf Stress. Experten vermuten, es hängt von der Art, Intensität und Dauer des Stresses ab. Gestresste Haare können auch mit einer Pigmentstörung reagieren und werden dadurch farblos, grau oder weiß.
So wichtig ist eine gründliche Diagnose bei Haarausfall
Nicht jede Form von Haarausfall lässt sich auf die Schnelle mit frei verkäuflichen Mitteln aus der Apotheke oder dem Drogeriemarkt behandeln.
Dr. Zimmermann erklärt: “Entscheidend ist immer die Ursache. Die kann eben sehr unterschiedlich sein. Deshalb ist eine ärztliche Diagnose extrem wichtig. Gerade mit einer frühzeitigen Diagnose kann man in vielen Fällen gut eingreifen.”
Shampoo, Serum, Spülung: Halten Produkte für Haarpflege, was sie versprechen?
Studien liefern gemischte Ergebnisse über den Erfolg kosmetischer Produkte für die Haarpflege. Professorin Natalie Garcia Bartels aus Berlin weiß, warum. Sie ist Dermatologin und Haarexpertin und forscht seit mehr als 25 Jahren.
Mit einem Shampoo, so die Professorin, werde lediglich das äußere, tote Hornmaterial des Haares behandelt und daher kein größerer Effekt erzeugt. “Haarausfall und dessen Ursachen müssen quasi in der Kopfhaut behandelt werden. Da müssen Wirkstoffe einziehen in die Kopfhaut.“
Koffein fürs Haar – wovon die Wirksamkeit abhängt
Koffein soll in der Kopfhaut wirken und ist besonders oft in Haarpflegeprodukten enthalten. Für Professorin Garcia Bartels ist Koffein “ein sehr interessanter Wirkstoff, der auch in gewissen Studien gezeigt hat, dass er stimulierend auf den Haarfollikel einwirken kann.”
Koffein wirke jedoch nicht bei jedem. Wichtig sei hier die richtige Konzentration und eine ausreichende Einwirkzeit.
Von Experten empfohlen wird etwa in Shampoo eine Koffeinkonzentration von mindestens 0,2 Prozent - idealerweise jedoch 1 Prozent oder mehr. Viele Shampoos, die mit Koffein werben, enthalten jedoch kaum Koffein.
Außerdem raten Experten, Koffein täglich ein- bis zweimal anzuwenden, mit mindestens zwei Minuten Einwirkzeit - und das über Monate. So könnte es die Follikel anregen. Nebenwirkungen sind dabei eher unwahrscheinlich, außer man hat spezielle Allergien.
Medikamente gegen Haarausfall: Vorsicht, Nebenwirkungen!
Wer wegen seiner Haarprobleme ärztlichen Rat sucht, kann je nach Ursache des Problems auch mit Medikamenten behandelt werden. Professorin Garcia Bartels weiß, gegen erblich bedingten Haarausfall gibt es wirksame, wissenschaftlich belegte Therapien.
Die Expertin erklärt: “Beispielsweise Minoxidil und Finasterid in örtlicher oder innerlicher Anwendung. Das Finasterid bei Männern. Für Frauen eignet sich auch Minoxidil in bestimmten Konzentrationen.“
Minoxidil verbessert die Durchblutung um die Haarwurzeln herum und hilft so, die Haare besser mit Nährstoffen zu versorgen. Das kann den Haarwuchs anregen.
Minoxidil wird lokal auf die Kopfhaut aufgetragen und wirkt nur solange, wie es angewendet wird. Nebenwirkungen können Juckreiz, selten auch Allergien und Kopfschmerzen sein.
Ursprünglich wurde es gegen Bluthochdruck entwickelt. Dabei stellte man durch Zufall fest, dass das Medikament das Haarwachstum anregt.
Warum Minoxidil genau gegen Haarausfall hilft, ist noch immer unklar. Man geht davon aus, dass durch eine Erweiterung der Blutgefäße die Durchblutung verbessert wird und die Haarfollikel so mit mehr Nährstoffen versorgt werden.
Finasterid ist nur für Männer zugelassen. Es senkt den Spiegel des Hormons Dihydrotestosteron (DHT). So kann es den Haarausfall verlangsamen oder stoppen.
Die Medikamente können allerdings nicht mehr helfen, wenn die Haarfollikel bereits abgestorben oder vernarbt sind, wie bei manchen Kopfhauterkrankungen.
Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) warnen aber vor Finasterid. Gesundheits-Coach Dr. Zimmermann empfiehlt vorab eine ausführliche Aufklärung über mögliche Nebenwirkungen dieser Medikamente, um Risiko und Nutzen abzuwägen.
Der Experte erklärt: “Nebenwirkungen können zum Beispiel Impotenz, die Einschränkung der Libido oder Erektionsstörungen sein. Außerdem kann es starke Auswirkungen auf die Psyche geben - etwa Depressionen, Angstzustände, bis hin zu Suizidgedanken.”
Selten können Nebenwirkungen nach Absetzen des Medikaments noch anhalten - auch Post-Finasterid-Syndrom genannt.
Eigenblut-Therapie gegen Haarausfall
Eigenblutbehandlungen werden bei verschiedenen Krankheiten eingesetzt. In der Wissenschaft sind sie in vielen Fällen umstritten.
Wie steht es um die PRP-Behandlung, also plättchenreiches Plasma, bei Haarausfall? Dafür wird Patienten Blut abgenommen und Blutplättchen herausgefiltert. Sie werden in konzentrierter Form wieder in die Kopfhaut injiziert.
Dr. Kathrin Hillmann, Dermatologin an der Charité in Berlin erklärt: “Bei der PRP-Behandlung ist es so, dass es einen Großteil von kleineren Untersuchungen gibt, wo es sehr gut wirkt. Aber es gibt auch immer noch einen Teil, wo kein nachwachsendes Haar oder besseres Haarwachstum nachweisbar ist. So dass man schon dazu raten kann, es im Einzelfall auszuprobieren.”
Haartransplantation – wenn nichts mehr hilft
Wenn die Haare durch die bekannten Behandlungsmethoden nicht mehr zum Wachsen angeregt werden können, hilft nur eine Transplantation. Haarfollikel vom behaarten Hinterkopf werden dabei an die kahlen Stellen nach vorne verpflanzt.
Dr. Edip Rojan Bicer, Arzt für Ästhetische Medizin in Heidelberg, erklärt: „Nach dem Einsetzen wachsen die wieder an. Die Blutgefäße sprießen dann wieder, umschlingen die Haarwurzeln, können sie mit Nährstoffen versorgen, sodass diese Haare bestehen bleiben und wachsen können.”
Wie gut das geklappt hat, zeigt sich erst nach neun bis zwölf Monaten. Denn zunächst fallen die transplantierten Haare aus, bis die Haarwurzeln nach etwa drei Monaten mit dem neuen Wachstum starten.
Risiken einer Haartransplantation
Für die Transplantation werden Haare vom unteren Hinterkopf entnommen, weil diese resistent gegen das für den erblich bedingten Haarausfall verantwortliche Hormon Dihydrotestosteron sind. Sie fallen also aufgrund ihrer genetischen Prägung auch nach der Verpflanzung in die kahlen Bereiche vorne nicht wieder aus.
Ein Risiko der Haartransplantation kann sein, dass die Haare vorne nicht anwachsen oder zumindest nicht überall oder, dass sich durch den Eingriff die Kopfhaut entzündet. Außerdem können die Ärzte am Hinterkopf nicht beliebig viele Haare entnehmen - sonst würden hinten Lücken entstehen.
Bei einem jungen Patienten kann der Haarausfall weiter voranschreiten, sodass hinter den transplantierten Haaren die eigenen Haare weiter ausfallen. Daher könnte es nach einer Haartransplantation sinnvoll sein, den Haarwuchs weiterhin mit einer Therapie zu behandeln, die möglichst viel Haar erhält.
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Haartransplantation in der Türkei oder in Deutschland?
Viele reisen mittlerweile in die Türkei für eine Haartransplantation, weil es dort günstiger ist. Mit welchen Kosten muss man hier oder im Ausland rechnen?
Dr. Zimmermann schätzt, dass je nach Umfang die Kosten für eine Haartransplantation in Deutschland zwischen 3.000 und 10.000 Euro liegen. Im Ausland seien die Kosten erheblich niedriger - in der Türkei oft zwischen 2.000 und 5.000 Euro.
Der Gesundheits-Coach warnt, dass es gerade in der Türkei einen großen schwarzen Markt gibt. „Es gibt nicht lizenzierte Ärzte, die die Verpflanzung durchführen.“
Egal in welchem Land, so Dr. Zimmermann, wer als Patientin oder Patient auf Nummer sicher gehen will, sollte nach Chirurgen suchen, die sich in einem offiziellen Verband organisiert haben. „Der Operateur sollte eine Approbation haben, Facharzt sein. Es ist wichtig, dass man sich jemanden sucht, der sich mit der Materie genügend beschäftigt hat und weiß, auf was zu achten ist.“
Nicht zuletzt wird es schwierig und aufwendig für Patienten auf Grund der Entfernung, wenn es nach der Operation dann doch Probleme mit der Transplantation geben sollte.
Spezialfall: kompletter Haarausfall – eine Erkrankung
Haarausfall kann auch sehr dramatisch sein und das Leben verändern - etwa beim kompletten Haarausfall, sogar schon im jugendlichen Alter. Die Krankheit heißt Alopecia universalis.
Es beginnt mit dem Verlust der Kopfhaare, betrifft aber in manchen Fällen später den ganzen Körper. Viele Betroffene tragen dann eine Perücke, schminken sich fehlende Augenbrauen oder denken über eine Tätowierung als Ersatz nach. Wimpern werden angeklebt.
Alopecia universalis ist eine Autoimmunerkrankung. Das Immunsystem betrachtet die Haarwurzel plötzlich als Feind - als wäre sie ein Virus oder Bakterium. Das führt zu einer Entzündung der Follikel, wodurch die Haare ausfallen.
Eine Chance, dass wieder Haare wachsen, besteht nur, wenn sich das Immunsystem normalisiert. Solche Fälle sind aber selten.
Die Situation mit dem totalen Haarausfall erleben auch Krebspatienten. Durch die Chemotherapie fallen bei vielen als Nebenwirkung vorübergehend die Haare aus. Für viele eine besondere und emotionale Herausforderung für das Selbstverständnis.
Tipps, um das Haarwachstum zu fördern
Wichtig ist für gesunde Haare, dass man die Haarzellen gesund hält, damit sie weiter Haare produzieren. Dafür brauchen sie eine Menge Nährstoffe über die Ernährung, möglichst gleichbleibend.
Dazu gehören Aminosäuren, Vitamine, Spurenelemente, Botenstoffe, Hormone – und wenig Stress. Hier geht es vor allem um Eisen, Vitamin D und B12, Zink, Selen und ausreichend Proteine. Unsere Haarzellen arbeiten nur dann gut, wenn sie ausreichend mit allem versorgt sind.