Wenn Medikamente nicht wirken

Renale Denervation – Hilfe bei Bluthochdruck?

Rund ein Drittel der Deutschen hat Bluthochdruck. Nicht immer aber wirken blutdrucksenkende Medikamente. Ein minimalinvasiver Eingriff soll helfen. Wie wirksam und sicher ist er?

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Von Autor/in Corinna Klee, Hanna Spanhel

Bluthochdruck ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für Schlaganfall, Herzinfarkt oder Herzschwäche - und damit eine der häufigsten Ursachen für einen vorzeitigen Tod. In Deutschland leidet fast jeder dritte Erwachsene darunter, oft lange unerkannt. Wird Bluthochdruck festgestellt, werden die Patienten in der Regel mit blutdrucksenkenden Medikamenten behandelt, oft sollen sie auch etwas an ihrem Lebensstil ändern.

Doch es gibt Fälle, in denen eine Behandlung mit Medikamenten nicht ausreicht, um den Bluthochdruck wirksam zu senken. Diesen Betroffenen soll ein minimalinvasiver operativer Eingriff helfen: die renale Denervation. Doch was genau bedeutet das – und wie sicher ist das Verfahren?

Bluthochdruck oder Hypertonie – diese Werte sind normal

Jeder Herzschlag pumpt Blut durch unseren Körper, versorgt Organe und Gewebe. Dabei übt das Blut Druck auf die Gefäßwände aus: Der Blutdruck. Ist der Druck in den Blutgefäßen zu hoch, nennt man das Hypertonie, Bluthochdruck.

Misst man den Blutdruck, so unterscheidet man zwei Werte: Den systolischen Blutdruck – wenn sich das Herz zusammenzieht und Blut in die Gefäße pumpt. Und den diastolischen, der den Druck auf die Gefäße misst, wenn der Herzmuskel erschlafft. Der diastolische Wert ist der niedrigere. Der optimale Blutdruck liegt bei unter 120 zu 70. Behandelt werden sollte nach Einschätzung etwa der Deutschen Herzstiftung jeder Blutdruck über 140 zu 90 – in diesem Falle spricht man von Bluthochdruck.

Behandlung mit blutdrucksenkenden Medikamenten hilft nicht immer

In der Regel wird, um den Blutdruck zu senken, zunächst auf den Lebensstil der Patientin oder des Patienten geschaut. Denn Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Übergewicht, wenig Bewegung, eine ungesunde Ernährung oder anhaltender Stress zählen laut Herzstiftung auch zu den wesentlichen Risikofaktoren für arteriellen Bluthochdruck. Seltener liegt die Ursache in anderen Erkrankungen, etwa Nierenerkrankungen. Die Rede ist in solch einem Fall dann von sekundären Ursachen der Hypertonie.

Zur Behandlung von Bluthochdruck werden – sofern keine andere Erkrankung die Ursache ist – die Patientin oder der Patient dann zum einen dazu angeregt, gesünder zu leben. Zum anderen werden dann meist blutdrucksenkende Medikamente gegeben.

Doch bei manchen Menschen wirken diese Mittel nicht, sie leiden unter unkontrollierbarem Bluthochdruck, unter therapieresistenter Hypertonie. Laut der Deutschen Hochdruckliga betrifft das etwa 20 Prozent der Betroffenen.

Gesunde Lebensweise Blutdruck natürlich senken - diese Möglichkeiten gibt es

Bluthochdruck ist eine weit verbreitete Krankheit. Jeder dritte Erwachsene leidet daran. Neben Medikamenten können auch natürliche Methoden helfen, den Blutdruck wieder zu senken.

Doc Fischer SWR

Renale Denervation als alternative Behandlungsform bei Bluthochdruck

Für diese Patienten gibt es seit einigen Jahren eine alternative Behandlungsform: die sogenannte renale Denervation, ein minimalinvasiver Eingriff an den Nieren. Konkret geht es dabei um die Durchtrennung beziehungsweise Verödung von Nierennerven.

Denn die Nervenfasern, die in den beiden Nierenarterien verlaufen, spielen eine Schlüsselrolle in der Blutdruckregulation. Die Nierennerven steuern den Sympathikus, er ist Teil des vegetativen Nervensystems und in Stresssituationen aktiv – und er ist der Gegenspieler des Parasympathikus, des Ruhenervs. Bei Patienten mit behandlungsresistentem Bluthochdruck gerät dieses System aus der Balance, der Sympathikus ist auch in Ruhe verstärkt aktiv. Eine Folge: Bluthochdruck.

Minimalinvasives Verfahren mithilfe eines Katheters

Ziel des minimalinvasiven Eingriffs ist es, die Aktivität der Nierennerven durch die Verödung der Nervenstränge zu verhindern. So soll der Bluthochdruck dauerhaft gesenkt werden. Erkennbare Veränderungen an der Funktion der Niere entstehen dadurch nicht.

Bei dem Verfahren wird ein sogenannter Ablationskatheter über die Leistenarterie und die Bauchschlagader bis in die Nierenarterie geschoben. Der Katheter gibt dort für einen kurzen Moment Energie ab und verödet so die Nervenstränge an den Nierenarterien. Der Eingriff dauert meist bis zu 45 Minuten.

Wo die renale Denervation angeboten wird

Durchgeführt wird die renale Denervation in spezialisierten Zentren – zum Beispiel im Herzzentrum Bad Krozingen. Die Klinik wurde im November 2023 als erstes Denervationszentrum in Baden-Württemberg zertifiziert.

Der Eingriff könne vielen Betroffenen helfen, erklärt Dr. Elias Noory, leitender Oberarzt am Universitäts-Herzzentrum Freiburg Bad Krozingen. „In den letzten Jahren hat sich auch im Rahmen von Studien gezeigt, dass 80 Prozent der Patienten davon profitieren.“

Effekte, Risiken und Nebenwirkungen des Verfahrens

Der Eingriff heilt den Bluthochdruck zwar nicht, aber die Werte können oft deutlich gesenkt werden – und zwar längerfristig, wie erste Studien zu dem noch relativ jungen Behandlungsverfahren nahelegen. Die medikamentöse Therapie wird in der Regel weitergeführt, auch Lebensstil-Änderungen - etwa eine gesunde Ernährung und Bewegung - bleiben wichtig. Oftmals können allerdings die blutdrucksenkenden Tabletten reduziert werden. Nach dem minimalinvasiven Eingriff werden die Patienten zudem weiter überwacht, regelmäßige Blutdruck-Messungen sind nötig.

Die renale Denervation gilt als sicher und komplikationsarm, wie bei jedem Eingriff gibt es aber natürlich gewissen Risiken.

Vorübergehende Nebenwirkungen können laut Informationen von Kliniken, die auf den Eingriff spezialisiert sind, etwa Probleme durch die Verwendung von Beruhigungsmitteln sein oder Schmerzen im Zusammenhang mit der Einführung des Katheters. Risiken sind zudem zum Beispiel Verletzungen an umliegenden Gefäßen durch den Eingriff – ähnlich, wie bei einer Herzkatheter-Untersuchung.

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