Korrelation vs. Kausalität

"Kaffee fördert Lungenkrebs" - so lassen sich irreführende Meldungen erkennen

Schlagzeilen wie "Kaffee fördert Lungenkrebs" oder "Alkohol ist gesund" sorgen für Aufmerksamkeit, doch ursächliche Zusammenhänge fehlen. Wie erkennen wir solche irreführenden Meldungen?

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Von Autor/in Frank Wittig, Lilly Zerbst

"Weniger Religion – mehr Angst" lautete die Überschrift über einer aktuellen Wissenschaftsmeldung – Hintergrund ist die zunehmende Diagnose von Angststörungen. Oft entpuppen sich solche Schlagzeilen als irreführend. Der Grund: Beobachtete Zusammenhänge in Daten werden medial vorschnell als direkte Ursache dargestellt.  

Wie entstehen irreführende Zusammenhänge? 

Statistische Zusammenhänge können oft irreführend wirken, wenn sie nicht im richtigen Kontext betrachtet werden. Ein Beispiel: Je mehr Eiscreme gegessen wird, desto mehr Fälle von Ertrinken gibt es. Die Daten zeigen tatsächlich eine enge Verbindung zwischen diesen Ereignissen. Doch das bedeutet nicht, dass Eiscreme für Ertrinkungsfälle verantwortlich ist. Die Ursache liegt in einem gemeinsamen Faktor: Das Sommerwetter, das sowohl den Appetit auf Eiscreme steigert als auch mehr Menschen zum Schwimmen animiert.

Junge kauft Eiscreme am Strand. Mit dem Konsum von Speiseeis steigen auch die Fälle von Ertrinken - eine Korrelation, aber keine Kausalität.
Je mehr Eiscreme desto mehr Badeunfälle? Nein, beide Ereignisse häufen sich zwar bei warmen Sommerweiter, hängen aber nicht ursächlich miteinander zusammen - eine Korrelation, aber keine Kausalität.

Ein gemeinsames Auftreten zweier Ereignisse bedeutet also nicht automatisch, dass das eine das andere auslöst. Hier zeigt sich der entscheidende Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität: Eine Korrelation beschreibt lediglich, dass zwei Größen gemeinsam auftreten, während Kausalität bedeutet, dass die eine Größe die Ursache für die andere ist – ein fundamentaler Unterschied, den es in der Analyse und Berichterstattung von wissenschaftlichen Daten zu beachten gilt.

Warum begegnen uns solche Meldungen häufig? 

Überraschende Aussagen wecken Neugier, verbreiten sich schnell und sorgen vor allem im Internet für hohe Klickraten – ein entscheidender Faktor für Werbeeinnahmen.  

Ein Beispiel, das immer wieder Schlagzeilen macht: Moderater Alkoholkonsum sei gut für die Gesundheit. Diese Behauptung taucht seit Jahrzehnten in verschiedenen Medien auf - und poliert auch das Image von Alkoholprodukten.

Doch wissenschaftliche Beweise fehlen. Viel eher wird vermutet, dass Menschen, die beispielsweise in Maßen Wein konsumieren, oft einen höheren Lebensstandard haben – und damit auch einen insgesamt gesünderen Lebensstil. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung warnt ausdrücklich: Es gibt keine risikofreie Menge an Alkohol.

Mann trinkt Rotwein am Essenstisch. Auch das "gesunde Glas Rotwein" ist ein irreführender Mythos.
Irreführende Zusammenhänge: Auch das "gesunde Glas Rotwein" ist ein Mythos.

Wie gefährlich sind irreführende Meldungen? 

Eine Studie aus Südkorea sorgte zuletzt in den sozialen Medien für Aufsehen: Sie bringt die Covid-Impfung mit einem erhöhten Krebsrisiko in Zusammenhang. Doch obwohl die Ergebnisse bereits in der wissenschaftlichen Veröffentlichung kritisch eingeordnet wurden, verbreitete sich die reißerische Behauptung, dass Covid-Impfungen Krebs verursachen könnten.

Der irreführende Faktor in der Studie: Die Daten stammten ausschließlich von Geimpften. Diese Gruppe ist im Durchschnitt älter, hat häufiger Vorerkrankungen und geht regelmäßiger zu ärztlichen Untersuchungen. Dadurch werden automatisch mehr Krebserkrankungen diagnostiziert – doch das hat nichts mit der Corona-Impfung zu tun. Solche Fehlinterpretationen schüren nicht nur Unsicherheit, sondern untergraben auch das Vertrauen in wissenschaftliche Erkenntnisse.

Frau wird geimpft. Aufgrund einer südkoreanischen Studie kursierte jüngst die irreführende Meldung, Corona-Impfungen führen zu erhöhtem Krebsrisiko.
Aufgrund einer südkoreanischen Studie kursierte jüngst die Falschmeldung, Corona-Impfungen führen zu erhöhtem Krebsrisiko.

Auch die aktuell kursierende Schlagzeile "weniger Religion – mehr Angst" kann im ersten Moment einen falschen Eindruck erwecken. Hier gibt der Titel den Studieninhalt stark verkürzt wieder. In der Studie selbst wird der Zusammenhang differenziert betrachtet. Dort heißt es, die stärkere Betonung des ‘religiösen Glaubens’ geht mit einem geringeren Auftreten von Angststörungen zeitlich einher – eine mögliche Kausalität wird angedeutet, aber mit einer geringen Effektstärke beschrieben.

Wie können wir Falschmeldungen erkennen? 

Eine wichtige Faustregel ist, skeptisch zu werden, wenn komplexe Themen auf sehr einfache Ursachen reduziert werden. Wenn zwei statistische Größen miteinander verbunden sind, bedeutet das nicht automatisch, dass das eine die Ursache für die andere ist. Ein Beispiel: "Kaffeetrinker haben mehr Lungenkrebs." Hier lohnt es sich, nach möglichen gemeinsamen Faktoren zu suchen, die beide Phänomene erklären könnten - in diesem Fall etwa der Hang zu Genussmitteln wie Nikotin und Koffein.

Zigarette, Aschenbecher auf Café-Tisch. Kaffee sorgt nicht für ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko - der Zusammenhang ist irreführend.
Kaffee sorgt nicht für ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko - der Zusammenhang ist irreführend.

Woran erkennen wir zuverlässige Wissenschaftsmeldungen?

Belastbare Aussagen basieren in der Regel auf kontrollierten Studien, insbesondere bei medizinischen Themen wie etwa der Krebsgefahr. In solchen Studien werden zwei Gruppen miteinander verglichen – eine, die zum Beispiel einer Behandlung erhält und eine Kontrollgruppe mit Placebo. So lassen sich Kausalzusammenhänge deutlich präziser nachweisen.

Auch KI-Tools können bei reißerischen Meldungen eine erste Orientierung liefern, indem sie aktuelle Reaktionen zusammenfassen. Diese Einschätzungen sind jedoch nur ein erster Anhaltspunkt und sollten kritisch hinterfragt und mit verlässlichen Quellen abgeglichen werden.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Frank Wittig
Frank Wittig, Reporter für SWR Wissen aktuell
Lilly Zerbst
Portraitbild der Reporterin Lilly Zerbst.