So war der Einstieg beim THW für Jens Freitag
SWR1: Wie war mit Mitte 40 der Einstieg beim THW – alles easy?
Jens Freitag: Ich habe schon gemerkt, körperlich könnte ich noch eine Schippe drauflegen. Also da musste man schon Sachen heben und ich war dann schon ein bisschen platt nach den Diensten. Aber das ging schon.
Wann kann man mit dem ehrenamtlichen Engagement beim THW beginnen?
SWR1: Muss man für ein Ehrenamt beim THW auch schon als Jugendlicher anfangen?
Freitag: Man muss nicht, man kann. Wir haben eine Jugendgruppe, da kann man ab zehn Jahren mitmachen. Aber man kann sonst auch in jedem Alter einsteigen.
SWR1: Was war für Dich der Impuls, um beim THW einzusteigen?
Freitag: Ich wollte immer schon was mit Ehrenamt machen. Aber wie das so ist, man hat ja nie Zeit und schiebt es wieder weg. Dann gab es eine Infoveranstaltung, zu der ich mit meinem Sohn hingegangen bin, wir haben uns das angeguckt, und dann habe ich gesagt: Das passt irgendwie, das kann ich mir vorstellen. Und dann war ich recht schnell dabei.
Besondere Augenblicke beim THW-Einsatz für Jens Freitag
SWR1: Du hast schon ein paar Einsätze mitgemacht. Was ist Dir da in Erinnerung geblieben?
Freitag: Das Ahrtal war natürlich eine einschneidende Geschichte. Da ist bei mir hängen geblieben, dass wir eigentlich viel zu wenig machen konnten. Es war einfach so viel zu tun. Wir haben halt das gemacht, was wir machen konnten.
Was mir am meisten hängengeblieben ist: Wir haben für Menschen im Wohngebiet einen Duschcontainer und Sanitärcontainer angeschlossen. Das kann man sich nicht vorstellen: Da war alles dunkel, kein Wasser, kein Strom. Das war nachts gespenstisch.
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Wir haben dann da die Duschen aufgebaut und die Leute konnten mal warm duschen. Das war für sie wirklich super. Einer hat auch ein Plakat gemalt und da stand dann "Die heiße Oase" drauf. Irgendwie macht das was mit einem, weil man weiß, man hat wirklich was gemacht für die Leute und sie haben was davon.
Gibt es auch eine Hilfe für THW-Mitarbeiter wie Jens Freitag?
SWR1: Solche Einsätze können auch sehr belastend sein. Wie wird beim THW damit umgegangen?
Freitag: Wir haben auch Nachsorgeeinheiten, die sich dann kümmern, wenn man so etwas mitmacht und Betreuung braucht. Also, da wird man auch gut versorgt. Zum Glück waren für mich persönlich noch keine Einsätze dabei, bei denen ich das in Anspruch nehmen musste.
Im Ahrtal war eine Tiefgarage, die haben wir ausgepumpt und Kellerräume vom Schlamm befreit. Ich habe dann im Nachgang erfahren, dass dort eine junge Frau tot aufgefunden wurde, die ist ertrunken. Das habe ich aber erst erfahren, als wir wieder zu Hause waren. Darauf habe ich dann noch ein bisschen herumgekaut. Das bewegt einen dann schon. Vor Ort ist man eigentlich da und funktioniert und hat auch gar keine Zeit, darüber nachzudenken.
SWR1: Deinen Sohn hast Du auch angesteckt, der gehört jetzt auch dazu …
Freitag: Ja, stimmt. Er war am Anfang gleich mit dabei, da war er erst neun und musste noch ein bisschen warten. Und mit zehn hat er dann angefangen, in der Jugend mitzuarbeiten. Seitdem ist er mit Begeisterung dabei und macht jetzt die Grundausbildung. Das heißt, bald ist er ein Kollege und darf mit 18 dann mit auf die Einsätze.
So war der Einstieg beim THW für den Sohn Jonas
SWR1: Jonas, Dein Papa hat Dich direkt zu einer Infoveranstaltung des THW mitgenommen. Hat es Dich sofort gepackt, oder wie war das?
Jonas Freitag: Ja, sobald ich in die Jugendgruppe reingeschaut habe, hat es mir direkt Spaß gemacht. Es war eine richtig coole Gemeinschaft, die mich direkt aufgenommen hat. Und es ist einfach sehr interessant, da mitzumachen.
SWR1: Wo konntest Du schon dabei sein und mithelfen?
Jonas: Also, ich habe in den letzten Jahren in der Jugendgruppe einige Zeltlager mitgemacht und so ein bisschen die Leitung übernommen. Seitdem organisiere ich ab und zu Dienste für die Jugend, wenn ich mal nicht in der Grundausbildung bin.
THW-Ausbildung nutzt Jonas Freitag auch im Alltag
SWR1: Was hast Du beim THW gelernt, was Dir auch in der Schule oder im Alltag hilft?
Jonas: Die Hilfsbereitschaft hat sich sehr verbessert. Ich bin immer da, wenn jemand etwas braucht. Und auch generell: Das Zusammensein und das Zusammenhalten haben mich gestärkt. […] Es ist jetzt ein komplett anderes Gefühl, man merkt wirklich die Gruppengemeinschaft.
SWR1: Hast Du in der Grundausbildung auch handwerklich was gelernt?
Jonas: Ja, auf jeden Fall. Die Kraft wird zwar aufgeteilt, aber es ist schon auch anspruchsvoll, wenn man Sachen herumtragen muss. Da lernt man schon viel. […] Wir lernen, wie wichtige Knoten gehen, um irgendwelche Sachen zu verbinden oder festzumachen. Wir lernen, mit verschiedenen Werkzeugen und […] mit Pumpen und Schläuchen umzugehen.
Ehrenamtliches Engagement für das THW – jeder kann mitmachen
SWR1: Was würdest Du anderen Jugendlichen sagen, die überlegen, beim THW mitzumachen, sich aber vielleicht auch nicht so richtig trauen?
Traut Euch einfach, kommt zu uns, es ist eine super Erfahrung.
Jonas: Ich würde auf jeden Fall sagen, dass es sich lohnt, nach einer Jugendgruppe in der Nähe zu gucken und sich das mal anzuschauen und zu fragen, ob man mitmachen kann. Es ist eine super Gemeinschaft, alle sind nett und nehmen Euch gerne auf. Traut Euch einfach, kommt zu uns, es ist eine super Erfahrung.
SWR1: Hast Du noch Freizeit neben dem THW?
Jonas: Ja, dadurch, dass wir nur jeden zweiten Samstag einen Dienst haben, habe ich auch relativ viel Freizeit. Unter der Woche mache ich auch viel mit Freunden, gehe raus und mache Sport.
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