Allerheiligen & Gedenken

Liebesbriefe und Tagebücher entsorgen: So trennen Sie sich von Erinnerungsstücken auf die richtige Weise

Während eines Lebens sammelt sich so einiges an: Liebesbriefe, Fotos, Tagebücher. Und so manches Geheimnis nimmt man vielleicht besser mit ins Grab. Doch wie loslassen?

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Von Autor/in Felicitas Heyne

Zeugnisse, Untersuchungsergebnisse von Ärzten, Liebesbriefe, Tagebücher, Fotos und andere Dokumente können jede Menge persönliche Informationen enthalten, die andere Menschen vielleicht besser nicht zu Gesicht bekommen sollten.

Deshalb sollte man sich beizeiten überlegen, was die eigenen Kinder oder Enkel mal finden und lesen sollen, und was man besser vorher in den Aktenvernichter steckt.

Brisante Erinnerungsstücke: sich Konsequenzen bewusst machen

Für SWR4 Psychologin Felicitas Heyne sind eher diese Fragen interessant: Warum habe ich diese Dokumente aufbewahrt? Ist das eine Erinnerung an schöne Zeiten? Ist es eine Mahnung an etwas, was bei mir nicht so gut lief, woran ich erinnert werden möchte? Oder ist es ein Denkmal dessen, was ich erreicht habe?

Sie rät, sich dann an zwei Leitlinien entlang zu hangeln bei der Entscheidung, wie man damit umgeht.

1. Wie möchte ich denn, dass mein Lebensweg in Erinnerung bleibt. Also was möchte ich für ein Bild von mir hinterlassen?

2. Was hat es für die Beziehung zum Partner oder zu den Kindern, die ja über den Tod hinaus fortbesteht, für Konsequenzen, wenn dieses Dokument gefunden werden würde.

Je nachdem können die Konsequenzen positiv oder negativ sein.

"Ich habe ein sehr persönliches Beispiel: Als meine Mutter gestorben ist, haben wir Liebesbriefe zwischen ihr und unserem Vater gefunden. Da haben meine Geschwister und ich entschieden, die lesen wir nicht. Das ist zu intim. Das geht uns nichts an. Aber ihr Tagebuch aus ganz jungen Jahren, als junge Mutter, das haben wir schon gelesen. Und das hat uns geholfen, ihre Persönlichkeit und bestimmte Ereignisse viel besser zu verstehen. Das hat unserer Beziehung zu ihr eher gefestigt."

So verabschieden wir uns von Liebesbriefen und Tagebucheinträgen

Liebesbriefe im Nachlass: Ein kleiner Stapel Briefe, der mit einer Schnur zusammengebunden ist
Liebesbriefe: aufbewahren oder wegwerfen?

Warum wir solche Dinge sammeln und aufheben, dafür hat Psychologin Felicitas Heyne eine einfache Erklärung: "Wir halten ja an solchen Dingen fest, weil sie uns mit etwas verbinden, mit Ereignissen, guten Zeiten, Gefühlen. Sie sind ein Symbol für unser gelebtes Leben. Deswegen halten wir daran fest."

Wir sollten uns bewusst machen, wofür das eigentlich steht und warum wir es aufbewahrt haben. In einem zweiten Schritt könnten wir uns überlegen, ob wir diesen Gegenstand, dieses Dokument wirklich brauchen.

Die eigene Identität verändere sich ja nicht, so Heyne. In unserer Erinnerung sei das sicher aufbewahrt, egal, ob das Dokument da ist oder nicht.

Dann könne man sich überlegen, wie man die Briefe oder Tagebücher angemessen verabschiedet, wenn man nicht möchte, dass sie jemand irgendwann mal liest.

Die Psychologin empfiehlt für wenig wichtige Sachen den Aktenvernichter. Für emotional bedeutsamere Dinge wie Liebesbriefe und Tagebücher sei es stimmiger, wenn man sie feierlich verbrennt, beerdigt oder einem Fluss anvertraut, damit sie davonschwimmen können.

Und dann könne man so einen Satz dabei sagen: "Ich verabschiede dich jetzt, ich brauche dich nicht mehr, aber ich behalte dich im Herzen." Es ist quasi ein kleines Ritual.

Nicht alle Erinnerungsstücke auf einmal entsorgen

Felicitas Heyne hat noch einen Tipp: "Was ganz wichtig ist: schrittweise vorgehen. Auf gar keinen Fall alles auf einmal vernichten. Das ist zu anstrengend und dann trifft man auch Fehlentscheidungen."

Sie rät, lieber mit weniger emotionalen Dingen anzufangen und sich dann zu den schwierigeren Dingen vor zu arbeiten. "Man fühlt sich auch erleichtert, wenn man es nach und nach macht. Und es gibt einem den Schwung, bei den schwierigeren Dingen weiterzumachen."

Wie mit persönlichen Dokumenten von Verstorbenen umgehen?

Privatsphähre beim Nachlass: Frau liest ein Dokument, das sie in der Hand hält
Was aus dem Nachlass eines Verstorbenen lesen und was nicht?

Wenn man solche Dokumente von Verstorbenen findet, kann man sich überlegen, was der oder diejenige gewollt hätte. Welches Gesicht würde er oder sie dabei machen, wenn ich das jetzt lese.

Mit dieser Methode hätten wir in der Regel eine gute Orientierung, sagt Heyne, was wir davon lesen dürfen und was nicht. "Es gibt ja schon so eine kleine leise Stimme in uns, die sagt, dass hätte ich niemals zu ihren oder seinen Lebzeiten zu Gesicht bekommen."

Manchmal sei es trotzdem notwendig, weiter zu lesen, wenn es darum gehe, rechtliche Fragen zu klären. Oder wenn man beim Lesen merkt, "mich geht das nichts an, aber für jemand anderes aus der Familie ist das sehr wichtig." Dann können wir die Dokumente einfach weitergeben.

Oder ich stelle fest, "das geht mich gar nichts an, ich lese nur aus Neugier und Sensationslust," dann kann ich mich fragen: "Wie würde es mir denn gehen, wenn jemand meine Privatsphäre so missachtet, wenn ich verstorben wäre."

Und damit könnte ich mir klarmachen: Der Verstorbene kann seine Privatsphäre jetzt nicht mehr schützen. Aber ich kann das tun. Ich kann mich ein letztes Mal als vertrauenswürdig und fürsorglich diesem Menschen gegenüber erweisen. Und dies mache es dann ganz leicht, eine Entscheidung zu treffen, so die Psychologin.

Und wenn man dann solche sehr privaten Dokumente vernichtet, dann am besten so entsorgen, dass wirklich niemand darauf Zugriff hat.

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