Seine Nachbarn kann man sich nicht aussuchen. Wie die eine Nachbarin, die immer zu später Stunde noch den Rasen mähen muss. Oder die Studenten-WG oben drüber, die gerne mal abends in der Küche tanzt. Nicht zu vergessen den "Detektiv"-Nachbarn, der nur einen Grund zum mosern sucht.
Was am Ende eine gute Nachbarschaft ausmacht, das beantworten Mainzerinnen und Mainzer unterschiedlich. Für die einen reicht es, die Nachbarn nicht zu hören und sie nur gerade so zu kennen.
Für andere braucht es mehr: Sich aufeinander verlassen können, die Tür im Notfall aufbrechen oder auch wirklich gemeinsam Zeit verbringen.
Am Ende ist eine Nachbarschaft wissenschaftlich gesehen eine soziale Beziehung, die aufgrund von räumlicher Nähe entsteht. Freundschaft ist nicht die Regel.
Damit aber Nachbarschaft gelingt, sollte man ein paar Regeln beachten wie sich beim Einzug vorzustellen, aufeinander Rücksicht nehmen oder Probleme anzusprechen, statt den Groll wachsen zu lassen.
Miteinander statt nebeneinander
In Dossenheim im Rhein-Neckar-Kreis haben sich 20 Erwachsene für ein bewusstes Zusammenleben entschieden. Mit ihren 15 Kindern leben sie in einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt zusammen.
Es sei oft laut, sagt Jonas Ecker, einer der Gründer. Doch er genieße es, mit so vielen Menschen zusammenzuleben, die sein Leben bereichern - so kitschig es klinge, betont er.
Diese Wohnform sei auch ein Statement gegen Einsamkeit. Ungefähr 20% der Wohnfläche nutzen die Familien gemeinschaftlich.
Wie in einem kleinen Dorf fühle es sich an: Die Bewohner und Bewohnerinnen unterstützten sich gegenseitig beim Einkauf, würden einander zum Bahnhof fahren oder passten auch mal auf die Kinder der anderen auf.
Mehr als nur Nachbarn
Auch Tatjana Višak wollte weniger anonym wohnen. In den Häusern, in denen sie zuvor lebte, kannte sie ihre Nachbarn kaum. Višak sehnte sich nach mehr Gemeinschaft. Diese finde sie jetzt in diesem Wohnprojekt, viele Bewohnende seien mehr als Nachbarn, vielmehr Mitbewohner und Freunde geworden.
Marcus Stiglegger hat sich viel mit Nachbarschaft beschäftigt - und zwar im Film. Die Figur des Nachbarns sei eine höchst interessante, weil sie sehr vielfältig dargestellt werde, sagt der Film- und Kulturwissenschaftler.
Nachbarn als vielseitiges filmisches Motiv
Nachbarn würden oft genutzt, um eine Situation im Film voranzubringen oder zu stören. Es gibt Gegenfiguren wie den spießigen Ned Flanders in "The Simpsons" oder die exzentrische Figur Mr. Heckles in der Serie "Friends", der für Unruhe sorgt. Aber auch das Motiv des unheimlichen Nachbarns wie in " Das Fenster zum Hof" von Hitchcock kommt häufig vor.