Der Zwischenruf in unserer Sendung

Altern mit unseren Helden - zum Tod von Brian Wilson

Die Songs der Beach Boys sind auch nach über einem halben Jahrhundert nicht nur der Soundtrack zum American Dream, sondern für viele auch ein Teil des Soundtracks unseres Lebens.

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Von Autor/in Kleber, Mark

„Good Vibrations“ – als der Titel im Oktober 66 rauskam, war ich noch im Endausbau und meine hochschwangere Mutter dürfte den Hit im Radio mitgeträllert haben. Brian Wilson und die Beach Boys, ich habe sie also quasi noch vor der Muttermilch aufgesogen. Die Beach Boys wurden damit zwar nicht die ewige Nummer Eins auf der Playlist meines Lebens, aber sie waren schon irgendwie immer dabei. Ein Takt reicht manchmal schon, um mich auf eine Zeitreise zu schicken. Musik kann das wie kaum etwas anderes, Erlebnisse und Erinnerungen wachrufen. Manche Songs sagen mir: Ein bisschen Jugend ist immer noch. Und vielleicht ist genau das der Schmerzpunkt. Auch, wenn die Musik nicht altert, die Menschen eben schon. Und natürlich wissen wir alle, dass niemand ewig lebt, und 82 Jahre ist ein echt respektables Alter. Aber so eine Nachricht wie die von Brian Wilsons Tod, tja, die zerreißt so ein bisschen meine Illusionen, als wäre ich immer noch so jung, wie ich mich fühle, das ganze Leben vor mir, ein langer Strand. „Good vibrations“ eben. Nein, wie dieser Song bin ich jetzt auch knapp sechzig Jahre. Puh. Da ist die Jugend nicht mehr nur einen Takt weit weg. Und wie bei Brian Wilson komme ich oft ins Nachdenken, wenn jemand von den musikalischen Heldinnen und Helden meines Lebens geht. Das werden leider ja auch immer mehr. Da ist dann ein bisschen Wehmut und ein bisschen Lebensweisheit: Die Zeit lässt sich nicht festhalten. Aber hey, ein Grund mehr, das Leben zu feiern, und in den „vibrations“ schwingt sogar mehr mit als früher, eine Menge Lebenserfahrung im Bass und immer noch ein paar Träume in der zweiten Stimme. Also, danke Brian, und sorry, liebe Nachbarn, wenn die „good vibrations“ jetzt etwas lauter werden. Liegt nicht nur am Alter.

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Autor/in
Kleber, Mark