Acht Produkte im Elektro- und Schadstofftest

Mehrfachsteckdosen im Test – Wie gefährlich sind sie?

Steckdosenleisten und Adapterstecker sind äußerst praktisch. Aber die Stromverteiler gelten auch als durchaus gefährlich und sind oft Ursache für Wohnungsbrände. Wie groß ist das Risiko bei aktuellen Produkten?

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Von Autor/in Patricia Metz / Markt WDR, 18.06.2025

In jedem Haushalt gibt es sie: Mehrfachsteckdosen und Abzweigstecker. Doch sie gelten als brandgefährlich, immer wieder gibt es Meldungen wegen gefährlicher Zwischenfälle mit den Stromverteilern. Nicht von ungefähr gehören Steckdosenleisten zu den Hauptursachen von Wohnungsbränden. Wie groß ist das Sicherheitsrisiko bei aktuellen Produkten? Lohnt der Kauf von Billigprodukten aus dem Internet? Und: Sind gesundheitsschädliche Schadstoffe enthalten? Wir haben acht Mehrfach- und Abzweigstecker im Elektrocheck und im Chemielabor genauer unter die Lupe genommen.

Diese Produkte haben wir getestet

Ob aktuell handelsübliche Mehrfachstecker sicher sind und ob es Qualitätsunterschiede zwischen Marken- und No-name-Produkten gibt, haben wir im Chemielabor und in einem Elektrounternehmen prüfen lassen.

In einer Stichprobe haben wir uns diese acht handelsüblichen Mehrfachstecker unterschiedlicher Preisklassen angeschaut:

  • den SQ-GZB-01/01-UAC-2 Multifunktions-Wandstecker mit USB-Schnittstelle von Cilia, gekauft bei AliExpress für 0,99 Euro
  • den SQ-ZD801/44-Wege-Eurostecker-Adapter von Cilia, gekauft bei Temu für 3,79 Euro
  • den B2208 Steckdosenadapter mit Schalter, gekauft im Benon-Shop bei Amazon im 2er Set für 10,88 Euro

außerdem Steckdosenleisten mit Schalter:

  • die IPS-3000-B von der Mediamarkt/Saturn-Marke ISY für 4,99 Euro
  • die C01 000111 von der Lidl-Eigenmarke Parkside für 5,99 Euro
  • die Eco-Line 3-fach mit Überspannungsschutz von Brennenstuhl für 13,99 Euro
  • die EPLS 4ALU 4-fach Steckdosenleiste mit Überspannungsschutz von Vivanco für 27,99 Euro
  • die einzeln schaltbare W-LAN-Steckdosenleiste 4-fach G2600571 von Hama für 37,99 Euro

Brandgefährlich: Billige Bauteile und Anwendungsfehler

Jeder dritte Wohnungsbrand ist elektrobedingt. Oft sind Mehrfachstecker die Ursache. Bei der ESG Elektro Service GmbH in Frechen haben wir die Mehrfachsteckdosen auf elektrische Sicherheit checken lassen. Das Unternehmen prüft deutschlandweit die Sicherheit elektrischer Anlagen von mehr als 2000 Groß- und mittelständischen Kunden. Steckdosenleisten gehören mit zu ihrer Kernkompetenz.

Michael Klaus, Elektromeister und Firmeninhaber der ESG, erklärt: „Wohnungsbrände wegen Steckdosenleisten gibt es leider immer wieder. Mitunter sind billige Bauteile und schlechte Verarbeitung daran schuld. Doch eines der Hauptrisiken bei Mehrfachsteckern ist tatsächlich die falsche Anwendung durch den Verbraucher.“

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Erster Eindruck bei allen Produkten gut

Zumindest äußerlich hatten die Fachleute erst einmal nichts an den Mehrfachsteckern zu beanstanden. Alle Produkte trugen ein CE-Zeichen. Damit erklären die Hersteller, dass ihr Produkt den rechtlichen Anforderungen der EU entspricht. Prüfsiegel von TÜV-, GS- und Intertek waren bei mehreren Produkten ebenfalls vorhanden.

Die Kabelquerschnitte von vier Steckdosenleisten waren mit 1,5 mm sehr gut, denn ein höherer Kabelquerschnitt verringert das Risiko von Überhitzung. Lediglich die W-LAN-Leiste von HAMA, die nur bis 2300 W belastet werden darf, wies einen geringeren Kabelquerschnitt von 1,0 mm auf. Dafür war sie mit einem selbstabschaltenden Überlastungsschutz ausgestattet. Auch Kindersicherungen waren in allen Steckdosen vorhanden.

IT-Mehrfachstecker nicht für höhere Stromverbraucher geeignet

Bei der genaueren Betrachtung des Kleingedruckten stellten die Techniker der ESG dann bei manchen Produkten doch einige Pferdefüße fest. Bei dem bei AliExpress gekauften Cilia-Multifunktions-Wandstecker mit USB-Schnittstelle fanden sie den Hinweis „Nur zur Verwendung mit IT-Geräten“. Gleichzeitig ist auf dem Produkt eine Belastbarkeit von 3680 Watt angegeben, die dem Verbraucher eine Verwendung für Geräte mit höherem Stromverbrauch wie Küchengeräte suggeriert.

„Mit diesem Hinweis ist das natürlich dann, wenn es mal zu einem Brand käme, versicherungstechnisch sicherlich ein strittiger Fall,“ warnt Elektriker Michael Klaus. Auch HAMA weist in der Bedienungsanleitung zur W-LAN-Steckdosenleiste darauf hin, keine wärmeerzeugenden Endgeräte an diesem Produkt zu betreiben. Es bestehe Brand- und Verletzungsgefahr.

Einpolige Schaltung kann im ungünstigen Fall gefährlich sein

Der Steckdosenadapter B2208 aus dem Amazon Benon-Shop mit einem schmalen roten Schalter hat bei den Elektrikern Fragen aufgeworfen. Elektromeister Michael Klaus und Prüftechniker Peter Sobetzko wollten wissen, ob der Schalter bei Nullstellung allpolig abschaltet, so wie dies bei Steckdosenleisten mit quadratischem Schalter zumeist der Fall ist.

Mit einem zweipoligen Spannungsprüfer haben die Elektriker den Adapter daher in beiden Steckrichtungen und in beiden Schalterstellungen (0/1) auf Spannung geprüft. Es stellte sich heraus, dass der Schalter nur einpolig abschaltet. Das heißt, bei einpoliger Abschaltung unterbricht der Schalter nur einen Leiter des Stromkreises. Je nachdem wie rum man ihn in die Steckdose steckt, ist auch bei Nullstellung des Schalters noch Strom auf dem Adapter.

Elektromeister Michael Klaus sieht hierin eine Gefahr für den Verbraucher: „Wenn man unter ungünstigen Bedingungen einen Toaster eingesteckt hatte, in dem sich vielleicht ein Toastbrot verklemmt hat, und man würde das mit einem Messer herausholen, - was man natürlich nicht darf -, dann würde man einen lebensgefährlichen Stromschlag bekommen!“

Dennoch ist die einpolige Abschaltung mit Angabe des Warnhinweises „Spannungsfrei nur bei gezogenem Stecker“ erlaubt. Auf dem B2208 ist dieser Warnhinweis angegeben. Michael Klaus geht allerdings davon aus, dass dem Verbraucher nicht bewusst ist, dass bei Nullstellung des Schalters noch Strom auf dem Adapter sein kann. Unsere Passantenbefragung hat diese Annahme bestätigt.

Auf unsere Anfrage hat der Hersteller, die Semexo oHG, darauf hingewiesen, dass…

„…• das Prüfergebnis des WDR-Labors die einpolige Schaltfunktion beanstandet, diese aber technisch und rechtlich erlaubt ist,

• unsere Produkte CE-zertifiziert und nach den harmonisierten Normen EN 60884-1 sowie EN 60669-1 geprüft sind,

• der Farbcode (roter Schalter) nicht suggerieren soll, dass das Gerät in allen Fällen spannungsfrei ist, sondern lediglich den Ein-/Aus-Zustand der Phase anzeigt.“

Hitzeentwicklung nur bei Schlaufenbildung

Außerdem testeten die Elektriker mit einer Wärmebildkamera die Hitzeentwicklung der Kabel unter maximal zulässiger Belastung. Dafür wurden zwei Heizlüfter angeschlossen, denn die brauchen besonders viel Strom. Bei abgewickeltem Kabel zeigten sich alle Produkte mit unter 35 Grad unauffällig. Dann wurden die Anschlussleitungen in Schlaufen zusammengebunden, wie Verbraucher es der guten Ordnung halber oft tun. Allerdings sollte man das keinesfalls machen. Denn die Kabelschlaufen der Steckdosenleisten erhitzten sich innerhalb weniger Minuten auf über 40 Grad.

In den Bedienungsanleitungen der Steckdosenleisten von Parkside und Vivanco fanden die ESG-Techniker den entsprechenden Warnhinweis: „Wegen erhöhter Temperaturbelastung nur in abgewickeltem Zustand betreiben!“

Bei den Produkten von Brennenstuhl und Mediamarkt fehlte dieser Hinweis. Auf unsere Anfrage verweisen beide Hersteller darauf, dass die Temperaturerhöhung im zulässigen Bereich liege und ein Warnhinweis daher nicht erforderlich sei.

Dennoch versehe Brennenstuhl seit Ende letzten Jahres die Steckdosenleisten mit dem Warnhinweis „Nur mit abgewickelter Leitung betreiben!" und erklärt weiter:

„Sollte dies bei dem von Ihnen erworbenen Produkt nicht der Fall sein, so muss es sich um Ware handeln, die davor produziert wurde."

Keine gesundheitsgefährdenden Stoffe in den Mehrfachsteckern

Neben der elektrischen Prüfung haben wir die Mehrfachsteckdosen im Prüf- und Forschungsinstitut Pirmasens auch auf chemische Schadstoffe untersuchen lassen. In den Kunststoffgehäusen und Kabeln wurde nach krebserregenden PAK und fortpflanzungsgefährdenden Weichmachern gefahndet. Denn erst 2022 hatte der WDR in den Kabeln von Lichterketten verbotene Weichmacher nachgewiesen. Erfreulicherweise waren alle acht Produkte frei von den untersuchten Schadstoffen.

Goldene Regeln für den sicheren Umgang mit Mehrfachsteckern

Um Wohnungsbrände durch Mehrfachstecker zu vermeiden, empfiehlt Elektromeister Michael Klaus, ein paar goldene Regeln zu beachten:

  • „Tannenbaumschaltung“ vermeiden, d.h., Steckdosenleisten und -adapter nicht ineinanderstecken. Dadurch kann die Leistung für das erste Gerät schnell überschritten werden. Dies führt zu Überhitzung und kann einen Brand auslösen.
  • Die angegeben Maximalleistung von Mehrfachsteckern niemals überschreiten. Auch dies führt zur Überhitzung.
  • Geräte mit hoher Wärmeerzeugung wie Grills, Wasserkocher, Kaffeemaschinen, Waschmaschinen, Wäschetrockner und Spülmaschinen nie an eine Steckdosenleiste anschließen. Die hohen Leistungen, die für diese Geräte erforderlich sind, können zu Kurzschluss, Überhitzung oder zu Wohnungsbränden führen.
  • Steckdosen niemals mit Vorhängen oder Teppichen abdecken. Auch dadurch kann sich die Wärme stauen und es zu Überhitzung kommen.
  • Ausschalter heißt nicht immer AUS! Steckdosen können trotzdem noch Strom führen. Daher bei Arbeiten am Endgerät immer den Stecker ziehen.
  • Bei der Verwendung von elektronischen Geräten wie TV und Computern empfehlen sich Steckdosenleisten mit Überspannungsschutz. Diese bieten bei einem Blitzeinschlag in den meisten Fällen einen guten Schutz.
  • Steckdosen staubfrei halten. Staub kann sich bei Funkenbildung entzünden.

Alles in allem erfreuliche Ergebnisse in puncto Schadstoffe und elektrische Sicherheit. Elektroexperte Michael Klaus zieht sein Fazit:

Fast alle Steckdosenleisten und Steckadapter hatten eine gute Qualität. Bei dem Produkt mit der einpoligen Abschaltung hatten wir ein bisschen Bauchschmerzen und deswegen empfehlen wir, ein paar Euro mehr auszugeben und darauf zu achten, dass Prüfsiegel vorhanden sind, um dann eine höhere Sicherheit zu haben.

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