Was macht man nach dem Essen mit der Verpackung der Fertig-Lasagne? Fettig, triefend. Auf vielen solcher Verpackungen steht drauf, sie dürfen im Papiermüll entsorgt werden. Aber ist die Box, so dreckig, nicht eher was für den Hausmüll? Keins von beidem, betont Katharina Istel, Verpackungsexpertin beim NABU. Sie stellt klar: "Papierverpackungen für fettige oder feuchte Lebensmittel oder Flüssigkeiten gehören in der Regel in die Gelbe Tonne."
Mischverpackungen sind kein reines Papier
Denn auch wenn auf der Packung steht, dass sie aus Papier ist, um die besonderen Eigenschaften, wie Dichtigkeit, Reißfestigkeit oder Durchsichtigkeit zu erreichen, wird das Papier bei den Verbundverpackungen mit Plastik oder Alufolie kombiniert.
In der Lebensmittel- und Kosmetikindustrie sind die Verpackungen beliebt. Sie schützen die Produkte optimal, lassen sich oft gut stapeln und transportieren, sorgen für ein grünes Image. Und sie sind überall. Die Schachtel vom Tiefkühlspinat, Brötchentüten mit Sichtfenster oder das Päckchen mit Haferflocken, all das sind Verbundverpackungen.
Verpackung aus Papier sieht "öko" aus
Viele Hersteller setzen inzwischen gezielt auf einen Papier-Look. Milchkartons werden extra braun-meliert designt, sehen nach Altpapier aus, obwohl sie das gar nicht sind. Fleischverpackungen bekommen eine extra Papierbanderole.
Denn viele Konsumenten haben so das Gefühl, etwas für die Umwelt zu tun, meint Katharina Istel. Plastik zu reduzieren und durch Papier zu ersetzen, sei zunächst der richtige Weg. Wenn aber unnötig Verbundverpackungen produziert würden, nur um ein nachhaltigeres Image zu kreieren, sei das ein schwieriger Trend.
Verbundverpackung mit bloßem Auge kaum zu erkennen
Selbst für Experten ist es auf den ersten Blick oft gar nicht so einfach zu entscheiden, in welcher Tonne eine Verbundverpackung richtig ist, erklärt Dr. Arne Krolle, Papierexperte und Autor der Studie. Dazu brauche es dann schon Labormethoden.
Denn in der Theorie ist die Sache einfach: Bei einem Papieranteil von mindestens 95 Prozent darf eine Verpackung laut Gesetz ins Altpapier. Allerdings stimmten in der Studie in mehreren Fällen die Entsorgungsempfehlungen nicht mit diesen Werten überein. Und in der Praxis kann auch eine Verbundverpackung, die zu 95 oder mehr Prozent aus Papier besteht, im Papierrecycling Probleme machen.
Problem Fremdstoffe in der Verpackung
Denn auch kleine Mengen von Fremdstoffen im Mix der Verpackung haben das Potenzial, die Anlagen der Recycler zu verkleben oder das Recycling zu behindern, betont Arne Krolle: "Es kommt zu Problemen bei der Produktion, zum Beispiel weil das neue Papier reißt oder zu optischen Qualitätsverlusten. Das können schwarze oder silberne Stippen auf dem Papier sein."
Teilweise stören die Fremdstoffe auch nachfolgende Prozesse. Das Recyclingpapier kann dann nicht mehr richtig geklebt oder bedruckt werden. Oder es landen Stoffe im Prozess, die verhindern, dass das neue Papier für Lebensmittel genutzt werden kann. Der NABU empfiehlt deshalb die Entsorgungsregeln anzupassen und künftig mehr zu beachten, über welche Tonne sich eine Verpackung am besten recyceln lässt.
Neue Regeln in der EU-Verpackungsverordnung
Recycler und Umweltverbände setzen auf eine neue EU-Verpackungsverordnung, die im August in Kraft tritt. In der EU müssen dann spätestens ab 2030 alle Verpackungen recycelbar sein. Und ab 2028 muss klar gekennzeichnet werden, wo und wie die Verpackung entsorgt werden soll.
Papierexperte Krolle sieht darin das Potenzial, vor allem in den Haushalten mehr Klarheit zu schaffen. "Damit der Verbraucher es einfach hat, weiß, was wohin entsorgt werden kann. Das ist wichtig für Umwelt und Klima, um möglichst gut und vollständig recyceln zu können."