Eine Feldlandschaft auf der Schwäbischen Alb – etwa 15 Windräder stehen hier weit verteilt und mittendrin ist das Energietestfeld: zwei Windkraftanlagen, vier Testmasten (jeder ca. 100 Meter hoch), vollgestopft mit Technik. Eigentlich wird hier geprüft, wie sich die Erzeugung von Windenergie in Steillagen optimieren lässt. Aber gleichzeitig geht es um die Frage, wie man Fledermäuse und Vögel davor schützen kann, mit den Windrädern zu kollidieren.
Wir wollen Vermeidungsmaßnahmen entwickeln, das heißt technische Maßnahmen, die Vögel und Fledermäuse besser davor schützen, in die Rotoren zu fliegen. Und um das entwickeln zu können, muss man als erstes natürlich genau wissen: Wie verhalten die Tiere sich denn an den Anlagen?
Vögel besser vor Windrad schützen
Dr. Frank Musiol vom Zentrum für Sonnenenergie und Wasserstoffforschung in Stuttgart koordiniert die Naturschutzmaßnahme, in deren Zentrum der Rotmilan steht. Drei Paare dieses Greifvogels brüten momentan in der Nähe des Testfeldes. Um herauszufinden, wie sich die Tiere verhalten, wurden einige von ihnen mit einem GPS-Sender ausgestattet. Zudem sind auf dem Testfeld Kameras installiert und mehrere Laser Rangefinder (Entfernungsmesser) am Start. So können die Flugbewegungen der Vögel permanent nachvollzogen werden.
Rotorblätter bei Gefahr automatisch stoppen
Bislang gibt es für die Betreiber von Windkraftanlagen viele Auflagen. So müssen die Räder etwa auf der Schwäbischen Alb während der Brutzeit der Rotmilane tagsüber abgestellt werden. Das schmälert sowohl die Energieerzeugung als auch den Gewinn. In dem Projekt werde deshalb untersucht, so Frank Musiol, ob es möglich sei, die Anlage so zu programmieren, dass sie jedes Mal automatisch stoppe, wenn sich ein Vogel nähere.
Reicht es vielleicht, die Geschwindigkeit nur etwas zu drosseln, weil ein Vogel eine langsamer laufende Anlage leichter als Gefahr erkennt und eben ausweicht?
Geprüft werden soll auch, ob farbige Rotorenblätter die Tiere rechtzeitig warnen können. Was hier am Rotmilan getestet wird, lässt sich, so Frank Musiol, auch auf andere Vogelarten übertragen. Gleichzeitig wird am Testfeld untersucht, wie sich Fledermäuse besser schützen lassen.
Klimaschutz und Tierschutz gehen zusammen
Rund 1,4 Millionen Euro sind bisher in das Naturbegleitprogramm des Windenergiefeldes auf der Schwäbischen Alb geflossen. Gut investiertes Geld, sagt Musiol, wenn man am Ende Methoden findet, die dafür sorgen, dass deutlich weniger oder gar keine Tiere mehr mit Windkraftanlagen kollidieren. Die Mehrkosten für ein Windrad wären nach Musiols Einschätzung marginal und für die Betreiber wäre es vermutlich sogar ein Vorteil: Denn dann wären in Schonzeiten keine stundenlangen pauschalen Abschaltungen mehr nötig.
Theoretisch ist es zwar möglich bestehende Anlagen nachzurüsten, aber das wäre eine freiwillige Entscheidung des Betreibers. Für alle Anlagen, die zukünftig errichtet werden, könnte man diese Investitionen in den Tierschutz aber zur Auflage machen. Würde das gelingen, davon ist Musiol überzeugt, ließen sich Windenergie und Artenschutz unter einen Hut bringen.
Wir hätten endlich eine Befriedung zwischen der Windenergie, also dem Klimaschutz, und dem Artenschutz. Dann ist uns sehr viel geholfen.