Es ist unsichtbar, riecht nicht – und beschleunigt dennoch die Klimaerhitzung: Methan. Es entweicht aus Gasleitungen, bei der Förderung fossiler Energien und wenn diese abgefackelt werden.
Seit einem Jahr gilt deshalb in der EU: Wer fossile Energieinfrastruktur betreibt, also zum Beispiel Erdgas fördert, muss Leckagen finden und beseitigen – um das Klima zu schützen.
Für Wissenschaftler Hermann Lotze-Campen vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung ein wichtiger Schritt:
Für die Erreichung der Klimaziele müssten die Methan- und auch die Lachgasemissionen so weit wie möglich reduziert werden.
EU-Verordnung hilft, Emissionen einzusparen
Die EU-Verordnung greift nicht nur bei Methan in Europa, sondern auch bei fossilen Energien, die wir nach Europa importieren. Und die Umsetzung lohnt sich laut Internationaler Energieagentur auch noch.
Die Organisation schätzt, es könnten weltweit drei Viertel der Methanemissionen aus der Öl- und Gasindustrie mit heutiger Technik vermieden werden – oft sogar kostenneutral.
Umsetzung Methanverordnung in Deutschland klappt nicht reibungslos
Doch an der konkreten Umsetzung der Methanverordnung hapert es – auch in Deutschland. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat punktuell eigene Messungen an Biogas- und Kläranlagen vorgenommen und kritisiert, dass solche Kontrollen eigentlich so langsam auch in den Bundesländern Standard sein müssten.
Die Behörden müssen Verstöße proaktiv benennen und ahnden. Aktuell haben viele Bundesländer noch nicht einmal die zuständigen Behörden benannt – das ist inakzeptabel und schadet Klima und Glaubwürdigkeit.
Um konkrete Rückgänge in den Methanemissionen zu sehen, sei es rund ein Jahr nach Inkrafttreten der Verordnung noch zu früh, darin sind sich alle Stellen einig.
Dazu kommt: Die Verordnung erfasst nur Methan aus fossilen Energien. Rund die Hälfte der Methanemissionen in der EU stammen jedoch aus anderen Quellen, der Abfallwirtschaft und der Landwirtschaft.
Das Problem der EU mit der Kuh
Methan in der Landwirtschaft entsteht dann, wenn Wiederkäuer, also Rinder, Schafe oder Ziegen aufstoßen, pupsen oder wenn Gülle nicht abgedeckt wird. Deshalb sagt Forscher Lotze-Campen, die Methanverordnung sei zwar sinnvoll, decke aber nur einen kleinen Teil ab. Auch die Landwirtschaft müsse in die klimapolitische Strategie miteinbezogen werden.
In der Konsequenz würde das in Europa vor allem weniger Tierhaltung bedeuten – und wäre damit auch eine wirtschaftliche Herausforderung für viele Betriebe. Und auch in Hinblick auf die Emissionen von importiertem Fleisch seien dabei noch viele Fragen offen.
Ein Jahr nach Inkrafttreten ist klar: Die EU-Methanverordnung hat internationale Aufmerksamkeit geschaffen und erste Veränderungen angestoßen. Ob sie ihr Potenzial ausschöpft, hängt davon ab, wie konsequent sie umgesetzt – und ob sie ausgeweitet wird.