Viele Zuschauerinnen und Zuschauer klagen über die schlechte Tonqualität ihrer Fernsehgeräte. Warum ist die Sprache manchmal schlecht verständlich? Wie lässt sich die Akustik verbessern? Und welche Zusatzgeräte sorgen wirklich für einen besseren TV-Ton? Tipps von SWR-Technik-Experte Andreas Reinhardt.
Schlechte Tonqualität beim Fernsehen: verschiedene Ursachen
Wenn der Ton des TV-Gerätes zu wünschen übriglässt, kann das verschiedene Ursachen haben. Hier eine Übersicht über die häufigsten Problemquellen.
Problem 1: Tonmischung
Eine der häufigsten Ursachen für Verständnisprobleme beim Fernsehton liegt bereits bei der Tonmischung des Films selbst. Genauer: beim Dynamik-Umfang der Mischung. Er beschreibt die Differenz zwischen dem leisesten und dem lautesten Geräusch.
Da der Ton meist möglichst realistisch abgemischt wird, sind laute Geräusche wie etwa Schüsse oder Explosionen selbstverständlich lauter als die Stimmen bei normalen Gesprächen in ruhiger Umgebung.
Das Problem: Der Dynamik-Umfang ist in solchen Fällen sehr groß. Wenn wir also den "Lärm" im Film per Fernbedienung auf ein erträgliches Maß herunter reguliert haben, sind die folgenden Gespräche zu leise gepegelt.
Hinzu kommt, dass die Musik häufig bewusst laut gemischt wird, um im großen Kinosaal, für den viele Filme hauptsächlich produziert werden, ihre dynamische Wirkung zu erzielen und gerade auch jüngeres Publikum mitzureißen. Im Wohnzimmer zuhause erscheint das mitunter übertrieben laut.
Problem 2: Raum-Akustik zuhause
Viele Filme sind für das Kinoerlebnis – also auch die Raumakustik eines großen Kinosaals – gemischt. Also für die dort üblichen sogenannten Surround-Systeme, durch die Richtungshören möglich wird. Wir kennen das, wenn etwa die Stimme des Schauspielers im Kinosaal plötzlich von rechts kommt. Die Klänge sind für dieses Richtungshören mit fünf oder mehr Lautsprechern im Saal abgemischt - und für die idealen, akustischen Eigenschaften der Kino-Wände.
Der Ton am TV-Gerät zuhause ist meist nur Stereo. Es gibt also kein Richtungshören und die Wände sind in der eigenen Wohnung womöglich völlig unterschiedlich und asymmetrisch – auf der einen Seite eventuell eine Fensterfront, an der anderen, viel näheren Wand womöglich ein großes Regal voller Bücher. Dadurch wird das Sprachverständnis beeinträchtigt.
Problem 3: Lautsprecher
Aussehen vor Funktionalität – gerade bei Flachbildschirmen muss der Ton oft hintenanstehen. Die Tonübertragung fristet im Vergleich zu den anderen modernen Bauteilen des Geräts ein Nischendasein. Denn das schlanke Design lässt kaum Platz für die Lautsprecher. Das wirkt sich direkt auf die Tonqualität aus, denn die Lautsprecher strahlen beim Flachbildschirm meist nach unten oder gar nach hinten ab. Das kann die Verständlichkeit merklich beeinträchtigen.
Beim Neukauf sollte man laut Techniker Jan Ludes deshalb darauf achten, dass der Lautsprecher des Geräts einen anschaut. Das heißt: Die Lautsprecher sollten für einen besseren Ton am besten nach vorne abstrahlen.
Problem 4: Standort des Fernsehers
Gerade wenn die Lautsprecher nach hinten abstrahlen, ist die Ton-Reflektion beeinträchtigt, wenn das Fernsehgerät zum Beispiel in einem Bücherregal oder direkt vor einer Wand steht. Das betrifft gerade den Hochtonbereich. Die Folge: Es fehlt nicht nur die Lautstärke, sondern auch ein Teil des Tons.
Ein Mindestabstand des Lautsprechers zur Wand von etwa 30 Zentimetern kann sinnvoll sein. Eine deutliche Verbesserung bei ungünstigen Lautsprechern darf man davon allerdings nicht erwarten.
Ton- und Verständnisprobleme: Was kann man tun?
Um die Sprache, das Gesprochene im Fernsehen besser verstehen zu können, gibt es verschiedene Lösungen. Manche sind kostenlos. In einigen Fällen lohnt es sich, in zusätzliche Geräte zu investieren.
Lösungsvorschlag 1: Ton-Voreinstellungen am TV-Gerät verändern
Der erste Versuch: Die Voreinstellungen des Tons am Fernseher überprüfen und zum Testen verändern. Das geht über die Fernbedienung und den sogenannten Equalizer:
- Zunächst das Menü aufrufen.
- Den Ton anwählen.
- Dann über den Equalizer die Töne verändern.
Meist gibt es drei Regler: für Höhe, Tiefe und Bass. Bei einigen Fernsehern gibt es noch mehr Möglichkeiten.
Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten bieten für die Verbesserung der Verständlichkeit eine eigene Tonspur mit der Bezeichnung „Klare Sprache“ an, mit der man beispielsweise Sprechertexte etc. besser hören sollte.
Je nach Hersteller des Fernsehgeräts gibt es unterschiedliche Wege, diese Tonspur zu aktivieren. Bei ARD Digital werden ausführliche Informationen zum Einstellen der Funktion “Klare Sprache” an Fernseher und Receiver angeboten. Auch eine Liste mit Anleitungen für die gängigen Fernsehhersteller steht hier zur Verfügung. Weitere Informationen gibt es auch bei Stiftung Warentest.
Lösungsvorschlag 2: Fernseher an die Lautsprecherboxen der Stereoanlage anschließen
Die meisten Fernseher lassen sich an eine vorhandene Stereoanlage anschließen. Das sollte auch bei älteren Modellen klappen - gerade bei ihnen, denn hier gibt es noch analoge Eingänge wie etwa Aux-in oder einen Tape-Eingang.
Einfach mal ausprobieren. Das Ton-Ergebnis ist dadurch häufig deutlich besser.
Lösungsvorschlag 3: Wie hilfreich sind Kopfhörer?
Manche Kopfhörer bieten eine aktive Geräuschreduzierung. Sie unterdrücken Umgebungslärm.
On Ear-Kopfhörer sind die größeren Bügelkopfhörer. Sie sitzen auf den Ohren oder umschließen die Ohren – dann also Over Ear-Kopfhörer. Beide bieten oft etwas längere Akkulaufzeiten.
In Ear-Kopfhörer sind günstiger als On Ear-Varianten. Sie werden wie Ohrstöpsel ins Ohr gesteckt. Sie sind klein und leicht. Man kann sie auch beim Sport benutzen.
Gute In Ear- und Bügelkopfhörer gibt es für unter 100 Euro. Wichtig beim Kauf: unbedingt ausprobieren! Ohrhörer müssen zum Ohr und Bügelkopfhörer müssen zum Kopf passen.
Die dritte Variante bei Kopfhörern sind Open Ear-Kopfhörer. Sie sind klein und leicht wie In Ear-Kopfhörer, sitzen aber nicht im Ohr, sondern davor. Das heißt, der Gehörgang bleibt offen und man nimmt die Umgebung weiterhin deutlich war. Gute Modelle gibt es für unter 150 Euro.
Open Ear-Kopfhörer übertragen den Ton über Schädelknochen. Schallwandler vibrieren auf der Haut, der darunterliegende Knochen leitet die Vibration ans Innenohr weiter.
- Der Vorteil bei Open Ear-Kopfhörern ist: Man bleibt ansprechbar, es entsteht kein Druck im Gehörgang und kein Hitzestau. Die Akkus halten lange, meistens mindestens sechs Stunden.
- Der Nachteil: Sie liefern nur schwache Bässe. Lärm und Umgebungsgeräusche bleiben bestehen. Das Aufsetzen ist manchmal etwas knifflig. Die Umgebung hört mit.
Tipp für Menschen mit Hörgerät:
Wer ein In-dem-Ohr-Hörgerät (IdO) verwendet, sollte vor dem Fernseher weiche On-Ear-Kopfhörer beziehungsweise Over-Ear-Kopfhörer wählen.
Lösungsvorschlag 4: In zusätzliche Geräte für den Fernseher investieren
Bei größeren Ton-Beeinträchtigungen und Verständnisproblemen lohnt es sich, über zusätzliche, den Ton verbessernde Geräte nachzudenken, die an das TV-Gerät angeschlossen werden. Wir haben uns drei verschiedene Gerätetypen genauer angesehen:
Was sogenannte Soundbars leisten
Eine Option für besseren Ton sind sogenannte Soundbars. Günstige gibt es ab 200 Euro. Soundbars machen Sinn, wenn der Fernseher nicht älter als sieben, acht Jahre alt ist.
Eine Soundbar hat drei oder mehr Lautsprechersysteme. Neben dem linken und rechten Ton, über den oft viel Atmosphäre übertragen wird, auch einen dritten Lautsprecher in der Mitte, über den die Sprache übertragen wird. Dazu gehört meist noch eine zusätzliche Bassbox.
Soundbars lassen sich meist leicht am Fernseher anschließen - zum Beispiel per HDMI-Kabel.
Die Sprachverständlichkeit ist mit Soundbar besser, weil das komplette Spektrum der menschlichen Sprache übertragen werde – und nicht nur die oberen Frequenzen, erklärt der Soundspezialist Hans Peter Kirchhof.
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Oskar-Lautsprecher funktionieren bei allen Fernsehern
Der spezielle Oskar-Lautsprecher von Faller ist für Sprache optimiert. Er hat eine Basistation, kann aber mobil eingesetzt werden. Und er funktioniert mit allen gängigen Fernsehern.
Der Oskar-Lautsprecher hat Extra-Klangeinstellungen. Soundspezialist Kirchhof ist überzeugt, dass der Oskar-Lautsprecher bei eingeschränktem Hörvermögen die Sprachverständlichkeit erhöhen kann. Das muss man aber selbst ausprobieren. Allerdings ist der Oskar mit knapp 270 Euro kein Schnäppchen.
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Können günstige Bluetooth-Lautsprecher mithalten?
Oft günstiger sind kleine, sogenannte Bluetooth-Lautsprecher. Sie lassen sich mit vielen modernen Fernsehern direkt verbinden.
Besonders günstig: der Bluetooth-Lautsprecher von Ikea. Er kostet nur 60 Euro. Bei Stiftung Warentest erhielt er immerhin die Note befriedigend.
Auch Soundexperte Kirchhof findet das Tonerlebnis hier überraschend gut. Wegen des abgestimmten Bassreflexgehäuses sei der Sound auch schön warm.
Fazit über die Zusatzgeräte für besseren Sound:
- Die Soundbar verbessert Klang und Sprachverständlichkeit deutlich.
- Die günstige Ikea-Bluetooth-Box kann eine gute Alternative sein.