Ab sofort ist der sogenannte KI-Modus für die Google-Suche auch in Deutschland nutzbar. Der US-Konzern hat die Funktion in der Nacht für 40 weitere Länder freigeschaltet. Damit können jetzt auch Nutzer aus Deutschland und anderen deutschsprachigen Ländern auf die erweiterte Suchfunktion zugreifen.
Was genau ändert sich durch diese neue Funktion? Wann und wie kann man den KI-Modus nutzen? Und welche Sorgen oder Kritik gibt es? Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu im Überblick.
Was ist der KI-Modus bei der Google-Suche?
Was ändert sich durch den KI-Modus?
Wie kann man den KI-Modus von Google aktivieren?
Welche Bedenken und Kritik gibt es?
Wie verlässlich sind die Suchergebnisse und KI-Antworten?
Gibt es Quellenangaben und Links?
Erfahrungsberichte: Wie gut funktioniert der KI-Modus?
Was ist der KI-Modus von Google?
Mit dem KI-Modus setzt Google noch stärker auf Künstliche Intelligenz als bisher. Während Google bei bestimmten Suchanfragen bislang häufig schon eine sogenannte Übersicht mit KI angeboten hatte – unter der dann auch Linklisten und Werbung zu sehen waren – soll es nun mit dem KI-Modus eine echte Chat-Funktion geben, ähnlich jener von Chat GPT oder von Google Gemini.
Die Suchmaschine wird also um einen Chat-Bot erweitert, der eingegebene Fragen direkt beantwortet. Das heißt: Nutzende können im Suchfeld natürlich formulierte Fragen stellen und anhand von Folgefragen nachhaken.
Es können zudem Texte, Fotos oder Spracheingaben genutzt und dazu Informationen erfragt werden. Beispielsweise könnte man der KI eine koreanische Speisekarte zeigen und dazu fragen, welche Gerichte vegan sind.
Was ändert sich durch den KI-Modus - und wie unterscheidet er sich von Google Gemini?
Laut Google kann der KI-Modus komplexe Anfragen besser interpretieren und beantworten als die Suchfunktion dies bislang ermöglichte. Zugleich soll er sich stärker auf Aktuelles und seriöse Quellen beziehen als das Gemini tut. Also im Prinzip eine Verbindung der Funktionen der Suchmaschine und dem Chatbot.
Ziel sei nach wie vor, so Google, Inhalte aus dem gesamten Netz zu durchforsten und den Nutzerinnen und Nutzern passende Ergebnisse in Form von prominenten Links bereitzustellen.
Der KI-Modus arbeitet dem Konzern zufolge dazu mit einer maßgeschneiderten Version der Google Gemini-Modelle. Die Technologie mache es möglich, Anfragen in Unterthemen aufzuteilen und parallel zu bearbeiten. Das Verfahren, auch bekannt als „Query-Fan-Out“, durchforstet das Web demnach besonders effizient, um passende Inhalte zu finden.
Frühe Tests zeigen Google zufolge, dass Nutzer im KI-Modus deutlich komplexere und längere Fragen stellen – oft zwei- bis dreimal so lang wie traditionelle Suchanfragen.
Künstliche Intelligenz Gespräche führen mit ChatGPT: So lernt die KI des Chatbots von uns
Von Uni-Aufsätzen bis Programmcode: ChatGPT unterstützt mit künstlicher Intelligenz in zahlreichen Lebensbereichen. Wie arbeitet der Chatbot? Das steckt hinter der Funktionsweise.
Wie kann man den KI-Modus von Google aktivieren - und ab wann ist er nutzbar?
Nutzbar soll die Funktion laut Google über die Google-Startseite sein, per Tab auf der Suchergebnisseite oder über die Google App. Man kann die KI-Suche auch direkt aufrufen, wenn man folgende Adresse im Browser eintippt: google.com/ai
Der KI-Modus soll bei der Google-Suche als zusätzlicher Reiter neben den bisherigen Optionen wie "Alles", "Bilder" oder "Nachrichten" erscheinen. Sprich: Man kann die KI-Funktion aktiv auswählen - muss das aber nicht. Die Suchfunktion, wie sie bisher bestand, wird zunächst nur ergänzt.
Weil Google seine Server nicht alle gleichzeitig aktualisiert, kann es teilweise noch etwas dauern bis der Reiter „KI Modus“ auf der eigenen Google-Oberfläche erscheint. Also nicht wundern, wenn bislang noch kein Reiter "KI-Modus" über der Suchmaske erscheint und die Funktion erstmal noch nicht verfügbar ist.
Informatik Wie KI bessere Antworten liefert – Prompt Engineering
KI-Chatbots wie ChatGPT liefern bessere Ergebnisse, wenn wir besser fragen. Die manchmal kuriosen Techniken des Prompt Engineering zielen auf die internen Mechanismen der Algorithmen.
Welche Bedenken und Kritik gibt es zum KI-Modus in Google?
Bedenken an der neuen Google-Funktion und der verstärkten Integration von generativer KI kommt insbesondere von Verlagen oder Plattformen, die stark darauf angewiesen sind oder waren, dass ihre Angebote im Web über die Google-Suche gefunden und geklickt wurden.
Hier besteht die Sorge, dass Google mit seinem KI-Modus immer mehr Inhalte direkt in der Suchergebnisseite und den generierten Antworten bereitstellt - und Nutzer gar nicht mehr auf externe Webseiten klicken müssen.
Tatsächlich gibt es erste Untersuchungen dazu, die nahelegen, dass die Zahl der Klicks auf Quellseiten durch die KI-Funktion zurückgeht. Auch in den USA sagen viele Betreiber von Internetseiten schon jetzt, dass ihnen die Klicks wegbrechen - und damit auch die Werbeeinnahmen.
Google wiederum argumentiert, dass man das so nicht messen könne - denn über den neuen KI-Modus würden auch deutlich mehr Suchanfragen gestartet als vorher.
Klar ist: Wenn wir in Zukunft unsere Informationen im Netz vor allem über die KI-Werkzeuge großer Tech-Konzerne ziehen und dadurch viel weniger auf den Seiten der ursprünglichen Anbieter von Inhalten selbst recherchieren - etwa bei Onlinezeitungen oder Blogs - wird dies das Internet nachhaltig verändern.
Wie sieht es aus mit der Verlässlichkeit der Suchergebnisse und KI-Antworten?
Fachleute weisen zudem auf die Risiken von KI-generierten Antworten hin: Nicht immer ist klar oder ersichtlich, auf welchen Quellen Teile einer Antwort basieren und ob diese inhaltlich verlässlich sind. Schon jetzt warnen Kritiker regelmäßig davor, dass KI falsche oder irreführende Inhalte verbreiten könnte. Schließlich greifen die Modelle für ihre Ergebnisse auf das gesamte Netz zu - auch auf unzuverlässige oder manipulative Quellen.
Auch mit Blick auf den Datenschutz gibt es Bedenken. Insbesondere durch die sogenannte Multimodalität der neuen KI-Funktion in der Google-Suche, durch die Nutzer etwa Bilder oder Sprachaufnahmen hochladen.
Wie ist das mit Quellenangaben und Links oder Verweisen?
Es wird im KI-Modus der Google-Suche kleine Fußnoten geben, die Quellen enthalten können - einen Link zum Beispiel. Die drei wichtigsten Quellen werden zudem in einem kleinen Kästchen angezeigt.
Aber es ist so wie bei allen Chatbots: Die genaue Suche und die Detailquellen, aus denen sich eine Antwort zusammensetzt, können Nutzer am Ende nicht mehr nachvollziehen. Deshalb ist es wichtig, die Ergebnisse gegenzuchecken - und am Ende auf den entsprechenden Webseiten nochmal tiefer in ein Thema einzusteigen.
Erfahrungsberichte aus den USA: Wie gut funktioniert der KI-Modus und was bringt er wirklich?
Der Start in den USA war ziemlich holprig. Beobachtern zufolge geradezu peinlich für Google. So war der KI-Modus laut einem Artikel der Süddeutschen Zeitung zum Beispiel zunächst nicht dazu in der Lage, unsinnige Nutzerkommentare oder Satire auf Webseiten als solche zu erkennen.
Fehler sind zwar seltener geworden, aber nicht verschwunden. So werden etwa mitunter werbliche Links oder Webseiten als Quellen für Antworten herangezogen.
Am Ende einer Testphase waren die Nutzer aber auf jeden Fall so zufrieden, dass Google den KI-Modus im Juli flächendeckend in den USA sowie in Großbritannien und Indien ausgerollt hat.
Wichtig bleibt allerdings weiterhin: Ganz verlassen sollte man sich auf generative Künstliche Intelligenz als einzige Quelle nicht.