Gesundheit im Büroalltag

Hygiene am Arbeitsplatz: Die größten Keimfallen im Büro

Auf Tastaturen, in Kaffeeküchen und an Bürotelefonen tummeln sich oft mehr Keime als auf einer Toilettenbrille. Was heißt das für die Gesundheit und worauf können wir am Arbeitsplatz achten für mehr Hygiene?

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Von Autor/in Frank Wittig

In einer Untersuchung der University of Arizona wurden auf Computertastaturen deutlich mehr Bakterien gefunden als auf Toilettensitzen. In Einzelfällen sogar mehrere Hundert Mal so viele. Der Vergleich ist zwar spektakulär, aber er zeigt vor allem eines: Toilettenbrillen werden in Büros meist regelmäßig geputzt, Tastaturen dagegen eher selten.

Ohnehin sind Keime überall und häufig auch nicht krankheitserregend. Viele Bakterien gehören zur normalen Hautflora und begleiten uns täglich. Problematisch wird es vor allem dort, wo viele Menschen dieselben Flächen benutzen, besonders wenn jemand akut krank ist.

Wie sich auf Tastaturen so viele Keime sammeln

Unsere Hände sind das zentrale "Verkehrskreuz" für Mikroorganismen. Wir fassen Türklinken, Handläufe, Smartphones, Essen und danach die Tastatur an.

Besonders unter den Fingernägeln finden Bakterien besonders gute Bedingungen: warm, feucht, reichlich organisches Material. Bei tausenden Tastenanschlägen pro Tag wandert ein Teil davon auf die Tastatur.

Auf der Oberfläche bleiben die Keime an Staub und Schmutz hängen, zwischen und unter den Tasten sammeln sich zusätzlich Krümel, Hautschuppen und andere Partikel. So entsteht eine Art "Buffet" für Bakterien und Pilze. Aber wie gefährlich ist das?

Wenn nur eine Person die Tastatur benutzt, finden sich dort vor allem Keime, mit denen das eigene Immunsystem vertraut ist. Für gesunde Menschen ist das Risiko zusätzlicher Infektionen eher gering.

Wenn aber viele Personen dieselbe Tastatur nutzen, steigt die Chance, mit Krankheitserregern anderer in Kontakt zu kommen. Für Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann das ein relevantes Risiko sein. Dasselbe gilt im Prinzip für die Computermaus.

Jemand putzt eine Computermaus
Gerade wenn mehrere Personen dieselbe Maus benutzen, sollte sie regelmäßig gesäubert werden, um die Übertragung von Keimen zu reduzieren. Zoonar

Essen am Schreibtisch: Futter für Mikroorganismen

Wer am Arbeitsplatz isst, füttert dabei oft unbemerkt auch Mikroorganismen: Krümel, Soßenspritzer und Dressingreste landen auf der Tischplatte, in der Tastatur und auf der Maus. Auch vor dem Essen gewaschene Hände verschmutzen beim Essen wieder - und übertragen Lebensmittelreste weiter auf Geräte und Oberflächen. In Tastatur-Zwischenräumen bleiben Essensreste dann hartnäckig hängen und lassen sich mit einem Tuch kaum entfernen.

Natürlich lässt sich daran vieles verbessern: Hände vor und nach dem Essen waschen, Krümel sofort wegwischen, den Arbeitsplatz regelmäßig reinigen. Vollständig vermeiden lässt sich eine zusätzliche Keimbelastung durch Essen am Schreibtisch aber kaum.

Hinzu kommt ein zweiter Aspekt: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, Mahlzeiten bewusst in einer Pause einzunehmen und nicht nebenbei vor dem Bildschirm zu Essen. Das sei besser für Verdauung, Erholung und Konzentration. Wer kann, sollte also zum Essen den Platz wechseln: In die Kantine, in einen Pausenraum oder nach draußen. Das entlastet die Hygiene am Arbeitsplatz und tut auch dem Kopf gut.

Kaffeeküche: Biofilme, Kühlschrankfallen und Spülschwämme

Die Kaffeeküche ist sozialer Treffpunkt und hygienisch oft ein Brennpunkt. Viele Menschen hantieren mit Lebensmitteln, fassen dieselben Griffe, nutzen dieselben Geräte. Häufig hängen am Schrank Zettel wie "Bitte benutztes Geschirr in die Spülmaschine", aber die genauen Zuständigkeiten sind unklar.

Etwa bei der Kaffeemaschine bedeutet heiß nicht auch gleich sauber. Der Mythos, die Hitze der Kaffeemaschine kille alle Keime, stimmt nur teilweise. In Wassertanks und Leitungen können sich sogenannte Biofilme bilden. Das sind Schleimschichten aus Bakterien, eingebettet in eine Schutzmatrix. Das passiert vor allem dann, wenn Geräte nicht regelmäßig gereinigt und entkalkt werden. Diese Keime verschwinden nicht einfach, nur weil das Wasser heiß ist.

Auch der Bürokühlschrank wird oft unterschätzt. Untersuchungen zeigen, dass sich in vielen Haushalts- und Bürokühlschränken potenziell krankmachende Bakterien finden – etwa Staphylokokken oder bestimmte Bacillus-Arten.

Dazu kommen offene Verpackungen, verschüttete Flüssigkeiten, vergessene oder abgelaufene Lebensmittel, Schimmel in Ecken oder an Gummidichtungen. All das bietet Mikroorganismen über längere Zeit gute Lebensbedingungen, trotz niedriger Temperatur.

Küchenschwämme und ‑lappen gehören laut vielen Studien zu den am dichtesten besiedelten Objekten im Haushalt. Im feuchten, warmen Material können sich Milliarden Bakterien pro Kubikzentimeter ansiedeln. Im Büro bedeutet das: Wer mit einem stark besiedelten Schwamm Arbeitsflächen, Spülbecken oder Griffe abwischt, verteilt Keime großzügig in der gesamten Kaffeeküche.

Spülschwamm in einer Spüle
Auch in der Büroküche tummeln sich Keime, etwa auf den Spülschwämmen. Levine-Roberts

Schwämme und Lappen sollte man daher nach Gebrauch gründlich ausspülen, auswringen und offen trocknen lassen, sowie regelmäßig austauschen. Außerdem sind klar geregelte Zuständigkeiten für das Reinigen von Kühlschrank, Kaffeemaschine und Arbeitsflächen hilfreich, beispielsweise als Putzplan.

Telefone, Headsets, Drucker: die Übertragungswege im Büro

Bürotelefone, Headsets und häufig genutzte Geräte wie Drucker oder Kopierer werden oft stiefmütterlich behandelt, was die Reinigung angeht. Untersuchungen haben gezeigt, dass sich auf Hörmuschel und Mikrofon von Bürotelefonen sehr viele Keime ansammeln können - insbesondere, wenn sie von mehreren Personen genutzt werden. Speicheltröpfchen, Hautfette und Schweiß liefern den Nährboden.

Headsets sind noch enger am Körper: Ohrpolster und Mikrofon liegen direkt auf Haut und Ohr. Bei gemeinsam genutzten Headsets bedeutet das sehr direkte Berührungsflächen mit der Hautflora anderer Menschen.

Für Menschen mit Hautproblemen, offenen Stellen oder geschwächtem Immunsystem kann das problematisch werden. Jede und jeder sollte nach Möglichkeit ein eigenes Headset haben. Gemeinsame Geräte sollten regelmäßig gereinigt werden.

Tastenfelder, Touchscreens und Griffe an Gemeinschaftsgeräten werden täglich von vielen Händen berührt. Sie sind selten der "Hauptschuldige", aber wichtiges Bindeglied in der Übertragungskette: Hand - Gerät - Hand. Regelmäßiges Abwischen und gegebenenfalls Desinfizieren - vor allem in Erkältungs- und Grippezeiten - kann hier Übertragungsketten unterbrechen.

Zwischen Hysterie und Gleichgültigkeit: Wo die sinnvolle Mitte von Hygiene liegt

Das Extrem des obsessiven Saubermanns, der sich aus Angst vor Keimen kaum aus dem Haus traut, ist weder realistisch noch gesund. Kontakt mit Mikroorganismen ist wichtig für ein gut trainiertes Immunsystem.

Auf der anderen Seite ist völlige Gelassenheit nach dem Motto "Keime? Egal!" im Büro nicht sinnvoll. Viele Menschen aus unterschiedlichen Haushalten bringen ihre persönliche Keimflora und potenziell auch Krankheitserreger mit. Gerade wer vorerkrankt ist, älter oder immunsupprimiert, profitiert von einer bewussteren Büroumgebung.

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