Nachhaltige Geldanlagen sind ein Megatrend. Nicht nur Privatinvestoren, sondern auch institutionelle Anleger legen immer mehr Wert darauf, in Unternehmen zu investieren, die Rücksicht auf Umwelt und Menschenrechte nehmen. Für Nachhaltigkeit gibt es allerdings keine einheitlichen Standards.
Was bedeutet überhaupt "nachhaltig"?
Bei Lebensmitteln ist der Fall klar: Um das europäische Bio-Siegel zu bekommen, müssen Produzenten bestimmte Kriterien erfüllen. Für Geldanlagen gibt es jedoch kein vergleichbares Gütesiegel. Fondsanbieter, Indexanbieter und Analysten legen deshalb selbst bestimmte ESG-Kriterien fest, nach denen Unternehmen bewertet werden. ESG steht herbei für "environment, social and governance", also Umwelt, Sozialstandards und gute Unternehmensführung.
Aber: Wenn Anbieter von Finanzprodukten Begriffe wie "nachhaltig", "grün", oder "ESG" in einem Produktnamen verwenden wollen, können sie das nicht mehr uneingeschränkt - wie in früheren Jahren. Seit Mai 2025 müssen sie dazu mindestens 80 Prozent des Fondsvermögens entsprechend investiert haben. Das regeln Leitlinien der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA. So soll sich die Lücke zwischen Versprechen und Wirklichkeit bei als "grün" beworbenen Fonds schließen. Seit die Leitlinien gelten, haben Fondsgesellschaften teils ihre Anlagestrategie angepasst - oder den Namen ihres Produktes geändert.
Investitionen in nachhaltige Projekte
Eine Möglichkeit, Geld grün anzulegen, sind direkte Investments in konkrete Projekte wie Windkraftanlagen, Solarparks oder Aufforstung. Das hat den Vorteil, dass Anleger selbst entscheiden können, welche nachhaltigen Ziele sie unterstützen wollen. Solche Investments gelten jedoch als sehr riskant, da die Anleger - je nach Anlageform - auch am Risiko beteiligt sind. Wer sich beispielsweise auf so genannte Genussscheine einlässt - eine Mischung aus Aktie und Anleihe - hat selbst kein Mitspracherecht, riskiert jedoch den Verlust des eingesetzten Kapitals.
Aktiv gemanagte Öko-Fonds sind meist teuer
Eine zweite Möglichkeit sind ökologisch ausgerichtete Fonds. Das Angebot ist riesig, die Stiftung Warentest bewertet regelmäßig eine Vielzahl an Fonds. Wie grün ein Fonds tatsächlich ist, entscheidet letztlich der Anbieter. Das Fondsmanagement legt die Kriterien fest, nach denen Aktien ausgewählt werden.
Das Dilemma: Stark auf bestimmte Bereiche spezialisierte Fonds sind riskant, weil das Risiko nicht breit genug gestreut wird. Wenn der Fonds jedoch breit aufgestellt ist, kann er weniger gezielt in nachhaltige Unternehmen investieren. Ein weiterer Nachteil: Gemanagte Fonds haben in der Regel recht hohe Verwaltungskosten.
Chancen am Kapitalmarkt Geldanlage an der Börse: Was Einsteiger wissen sollten
Wer sein Geld auf dem Konto liegen lässt, macht wegen der Inflation Verluste. Viele Deutsche nutzen für den Vermögensaufbau die Börse. Wie der Einstieg gelingt, erfahren Sie hier.
Die Alternative: Grüne ETFs
ETFs (Exchange Traded Funds) sind Fonds, die vergleichsweise günstig sind. Der Grund: Sie werden nicht von einem Fondsmanager verwaltet, sondern orientieren sich stattdessen automatisiert an bestimmten Aktienindizes. Ein ETF kann beispielsweise den DAX nachbilden. Ein solcher Fonds hätte dann die 40 größten deutschen Aktiengesellschaften - ihrer Gewichtung entsprechend - im Portfolio. Neben dem DAX gibt es noch zahllose weitere Indizes, auch mehr oder weniger nachhaltige.
Die Definition von Nachhaltigkeit hängt auch hier vom Indexanbieter ab. Manche Indizes setzen sehr gezielt auf spezielle Bereiche. Andere sind wesentlich breiter aufgestellt und bündeln zum Beispiel hunderte Unternehmen aus aller Welt, die den Öko- und Sozialstandards des jeweiligen Index entsprechen. Das bedeutet: Es werden nicht gezielt nachhaltige Unternehmen ausgesucht. Der Prozess funktioniert umgekehrt: Die weltweit größten Unternehmen können in den Index aufgenommen werden, wenn sie sich auch für Sozialstandards und Umweltschutz einsetzen.
Je grüner, desto riskanter
Das Dilemma ist hier ähnlich wie bei gemanagten Aktienfonds: Je spezialisierter ein ETF ist, desto höher das Risiko, wenn es der gesamten Branche schlecht geht. Breit gestreute ETFs hingegen sind aufgrund des gestreuten Risikos weniger riskant, dafür ist ihr Beitrag zum Klimaschutz oder der Verbreitung von Sozialstandards überschaubar.
Grüne Geldanlage: Wie hoch ist die Rendite?
Es gilt die alte Faustregel: Je höher die (versprochene) Rendite, desto höher auch das Risiko. Deshalb raten Experten insbesondere Kleinanlegern eher zu breit gefächerten Fonds oder ETFs. Aber auch hier lassen sich ordentliche Renditen erzielen. Auswertungen zeigen, dass nachhaltige ETFs in der Vergangenheit vergleichbar gut oder sogar besser abgeschnitten haben als ihre Vorbilder ohne Nachhaltigkeitskriterien.
Doch da Aktienkurse stark schwanken können, ist es ratsam, langfristig zu denken. Der Anlagehorizont sollte zehn bis fünfzehn Jahre betragen. Über solche Zeiträume hinweg haben sich kurzfristige Schwankungen in der Vergangenheit in der Regel ausgeglichen - und unterm Strich blieb eine positive Rendite.