Die Preise an den Tankstellen schnellen nach oben und der Herzschlag vieler Autofahrenden gleich mit. Doch wenn das Erdöl teuer wird oder gar ganz ausbleibt, wirkt sich das nicht nur auf die Spritpreise aus. Denn nur die Hälfte des geförderten Erdöls landet tatsächlich im Tank von Autos oder Heizungen. Die andere Hälfte des Erdöls und die daraus gewonnenen Derivate und Baustoffe stecken in vielen anderen alltäglichen Produkten.
Erdöl ist einer der wichtigsten Rohstoffe der Menschheit und dabei nicht nur eine endliche Ressource, sondern auch klima- und umweltschädlich. Deshalb schauen sich Politik und Wissenschaft nach neuen Alternativen um. Doch wettbewerbsfähige Alternativen sind häufig nicht so einfach zu finden - zum Beispiel beim Schwerlasttransport, in der Flugindustrie oder in der Stahlherstellung. Noch dazu befindet sich Erdöl in unzähligen Produkten.
Wo Erdöl im Alltag steckt
Rohöl ist zum Beispiel das Ausgangsmaterial für Kunststoffe. Kunststoffe wie Plastik werden für Verpackungen wie Flaschen, Joghurtbecher oder Folien verwendet, aber auch für Kreditkarten, Spielzeug, Smartphones, Laptops und Fernseher. Diese bestehen zu einem großen Teil aus erdölbasierten Kunststoffen.
Unsere Bekleidung und viele Stoffe sind ebenfalls oft aus Erdölderivaten hergestellt – in hoher Konzentration stecken Kunststoffe vor allem in Regenkleidung, Strumpfhosen, Badesachen und überhaupt in Sportkleidung. Aber auch in vielen anderen Kleidungsstücken sind Kunststofffasern zu finden, vor allem Polyester, Polyacryl oder Elastan.
Außerdem stecken Erdölderivate - Stoffe, die aus Rohöl hergestellt wurden - in strapazierfähigen Teppichen oder Autositzen und auch in Schaumstoffen, zum Beispiel für Matratzen oder Sofas. Auch in der Kosmetik wird oft mit Stoffen aus Erdöl gearbeitet – sie sind unter anderem in Shampoo, Waschmittel, Seife, Haarspray, Cremes und Make-up enthalten.
In der Medizin braucht man Erdölderivate, um Spritzen oder Infusionsschläuche zu fertigen. Außerdem werden heute die allermeisten Tabletten aus Erdöl-Derivaten hergestellt. Zum Beispiel besteht das Schmerzmittel Ibuprofen zu 100 % aus Erdölderivaten.
Und nicht zuletzt wird Erdöl unter anderem als PVC, Polyethylen oder Styrodur in der Baubranche eingesetzt – zum Beispiel für Fenster, Rohre, Dämmungen, Kabel und Bodenbeläge.
Diese Anteile haben Kleidung, Medizingüter und Co. am Erdölverbrauch
Grob gesagt wird weltweit rund 10 bis 15 Prozent des Erdöls nicht verbrannt, sondern als Rohstoff genutzt – vor allem für Kunststoffe und Chemie.
Etwa 5 bis 6 Prozent werden für Kunststoffe genutzt, 3 bis 4 Prozent für synthetische Textilien und 1 bis 2 Prozent für Medizin, Kosmetik und Hygieneprodukte. Der Rest geht in Farben, Lacke, Klebstoffe, Schmierstoffe oder Asphalt.
Welche Alternativen zu Erdöl werden schon heute genutzt?
Besonders gut ist Erdöl im Personentransport ersetzbar. Benzin und Diesel lassen sich immer häufiger durch Elektroantriebe ersetzen – vor allem im Pkw-Verkehr sowie bei Bussen oder Bahnen. Auch in der Stromerzeugung sind nachhaltige Alternativen wie Solar- oder Windenergie nicht nur wettbewerbsfähig, sondern sogar günstiger als fossile Energieträger.
Heizöl kann theoretisch durch Wärmepumpen, Fernwärme oder Solarthermie ersetzt werden. Das bedeutet, dass wir vieles, wofür wir Erdöl heute einfach verbrennen, technisch bereits anders lösen können.
Die nötigen Technologien sind vorhanden, doch der Umstieg scheitert bisher oft an Kosten und Infrastruktur.
Wo Alternativen zu Erdöl schwierig zu finden sind
Einen Ersatz für Erdöl zu finden, ist besonders dort schwierig, wo es als Rohstoff genutzt wird – also als Material, um andere Stoffe daraus zu gewinnen. Das betrifft vor allem die Chemie- und Kunststoffindustrie.
Besonders problematisch sind medizinische Produkte wie Spritzen, Schläuche oder sterile Verpackungen, Spezialkunststoffe für Elektronik, Autos oder Maschinen sowie chemische Grundstoffe für Medikamente, Farben oder Dünger. Hier gibt es zwar Alternativen – etwa Biokunststoffe oder Recycling –, die allerdings oft teurer, weniger haltbar oder in bestimmten Bereichen, etwa in der Medizin, ungeeignet sind.
Doch auch als Energieträger ist Erdöl zumindest aktuell noch schwer zu ersetzen. Erdöl hat eine hohe Energiedichte, es kann also viel Energie auf kleinem Raum speichern. Das ist besonders im Transportsektor entscheidend.
Zwar sind E-Autos mittlerweile in vielen Bereichen ebenbürtig zum Verbrenner, doch bisher gibt es kaum Alternativen zum Schweröl in Schiffen oder Kerosin in Flugzeugen. Wasserstoff gilt als mögliche Lösung, ist jedoch aufgrund der aufwendigen Speicherung noch weit davon entfernt, wirklich wettbewerbsfähig zu sein.
Aufgrund der vielseitigen Einsetzbarkeit von Erdöl als Energieträger oder als Ausgangsstoff verschiedener Produkte ist Erdöl ein wichtiger Bestandteil unseres alltäglichen Lebens. Die Umstellung auf klima- und umweltfreundliche Alternativen ist deshalb nicht einfach.