Im Winter ist man ja selten im Garten. Wegen des grauen und kalten Wetters bleibt man lieber in der Wohnung. Aber wir können uns einen Garten in die eigenen vier Wände holen und ihn beim Wachsen und Gedeihen beobachten: den Flaschengarten. Pflanzen können tatsächlich in verschlossenen Glasflaschen wachsen, das ist irgendwie magisch. SWR4 Gartenexpertin Heike Boomgaarden gibt Tipps, wie man Flaschengärten anlegt.
So legt man einen Flaschengarten an
So kommen die Pflanzen durch den Flaschenhals
Welches Werkzeug brauche ich?
Welche Pflanzen eignen sich?
So pflegeleicht ist der Flaschengarten
Die Geschichte des Flaschengartens
So legt man einen Flaschengarten an
Als erstes braucht man eine schöne Ballonflasche. Die gibt es in unterschiedlichen Größen, oft auch gebraucht. Wenn man seine Lieblingsflasche gefunden hat, wird der Glasballon gründlich gereinigt. Man lässt ihn richtig trocken und dann kann man loslegen mit dem Befüllen.
Für die Vorbereitung gibt man zuerst etwa fünf Zentimeter Sand oder Kies durch einen Trichter in die Flasche. Wenn man staubige Materialien wie Blumenerde, Holzkohlestückchen oder feinen Sand einfüllt, verlängert man den Trichter einfach mit einem gerollten Papier. Dann bleibt alles drumherum sauber. Die Holzkohle ist wichtig, weil sie verhindert, dass sich eine unschöne grüne Algenschicht am Glas bildet.
Auf die Drainage-Schicht folgen gute Blumenerde und weitere Holzkohlestückchen. In größeren Flaschen sollte die Erdschicht mindestens zehn Zentimeter tief sein, damit die Pflanzen später genügend Raum für ihre Wurzeln haben.
So kommen die Pflanzen durch den Flaschenhals
Um die Pflanzen durch den Flaschenhals in den Glasballon zu bekommen, ist Geschick notwendig. Bevor sie in die Flasche kommen, spült man die Erde vorsichtig mit lauwarmem Wasser von den Wurzeln – ohne die Blätter oder die Wurzeln zu verletzen.
Größere Pflanzen rollt man in Papier ein, damit sie beim Einschieben durch den Flaschenhals nicht beschädigt werden. Mit einer langen Pinzette hält man die Papierhülle fest und platziert die Pflanze an ihrem vorgesehenen Platz.
Am besten gruppiert man die Pflanzen schon vorher, damit man dann genau weiß, wie sie später im Glas angeordnet sein sollen.
Welches Werkzeug brauche ich?
Für das Gärtnern im Flaschengarten muss man sich das ein oder andere Werkzeug selbst basteln. Ein Löffel, eine Gabel oder kleine Pflanzgeräte werden einfach an Bambusstäbchen oder Holzstöckchen gebunden. Eine an einem Stab befestigte Rasierklinge hilft, abgestorbene Pflanzenteile zu entfernen.
Welche Pflanzen eignen sich?
Da gibt es eine richtig schöne Auswahl an Pflanzen. Für einen Flaschengarten wählt man am besten eine Mischung aus blühenden und nicht blühenden Pflanzen, sowie unterschiedlichen Blattfarben und gestaffelten Blütezeiten. So bleibt der Mini-Garten das ganze Jahr über spannend. Die Pflanzen sollte man in kleinen Töpfen kaufen, damit ihre Wurzeln problemlos durch den Flaschenhals passen. Und man sollte sich für Arten entscheiden, die nicht zu stark wuchern.
Besonders gut geeignet sind zum Beispiel: Frauenhaarfarn, der Gold-Drachenbaum oder verschiedene Efeuarten. Auch Nestfarne, Gloxinien, Moose oder kleine Orchideen funktionieren wunderbar, solange sie langsam wachsen. Sonst verbringt man mehr Zeit mit dem Zurückschneiden als mit dem Genießen des Flaschengartens.
So pflegeleicht ist der Flaschengarten
Ein Flaschengarten macht kaum Arbeit. Die Flasche kann luftdicht verschlossen werden und und innendrin entsteht wie in einem kleinen Gewächshaus ein kleines Biotop. Die Pflanzen in der Flasche muss man kaum gießen. Drei- oder viermal im Jahr ein bisschen Wasser genügt vollkommen.
Gefäße, die mit einem Korken verschlossen sind, trocknen eventuell ein bisschen mehr aus, da immer ein bisschen Luft und Feuchtigkeit entweichen kann.
Bei Drehverschlüssen bleibt die Feuchtigkeit besser in der Flasche und das Gießen wird zur Nebensache. Auch die Größe der Öffnung spielt eine Rolle: Je größer die Öffnung, desto mehr Feuchtigkeit kann entweichen.
Man sollte den Flaschengarten aber niemals ins volle Licht stellen. Das Glas heizt sich auf und dann trocknet es zu stark aus. Besser ist ein schattiger Platz mit etwas Lichteinfall. Und man sollte den Flaschengarten nicht über die Heizung stellen.
Die Geschichte des Flaschengartens
Flaschengärten gehen auf die Zeit zurück, in der Pflanzenjäger im 18. und 19. Jahrhundert exotische Pflanzen aus aller Welt nach Europa gebracht haben. Das große Problem damals: Die empfindlichen Pflanzen überlebten die langen Schiffsreisen kaum. Salzwasser, Temperaturschwankungen und schlechte Luft haben ihnen zu schaffen gemacht.
Die Lösung kam – wie so oft – durch Zufall: Dr. Nathaniel Bagshaw Ward hat 1829 entdeckt, dass Pflanzen in einem geschlossenen Glasgefäß erstaunlich gut gedeihen. Dieses Prinzip wurde später als "Ward’sche Kiste" bekannt. Sie war im Grunde der erste funktionierende Flaschengarten – ein kleines, geschlossenes Ökosystem, das Feuchtigkeit und Nährstoffe im Kreislauf hält.