An allen 25 Messstationen in Baden-Württemberg lag die Feinstaubbelastung im Jahr 2025 unter dem derzeit geltenden Grenzwert. Die Werte stiegen jedoch leicht an, sodass die ab 2030 geltenden Grenzwerte nicht überall eingehalten wurden. Zudem wurden die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Richtwerte vergangenes Jahr an 96 Prozent der Messstellen im Land überschritten. Das zeigen Daten des Umweltbundesamts, die das SWR Data Lab gemeinsam mit der SWR-Recherche-Unit ausgewertet hat.
Während die Luft in Baden-Württemberg im globalen Vergleich gut ist und den derzeit geltenden Anforderungen entspricht, ist die Belastung mit Feinstaub weiter schädlich für Menschen, Tiere und Natur. In großen Bereichen des Landes führt Feinstaub immer noch zu Lungen- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder Diabetes und vorzeitigen Todesfällen. Laut Europäischer Umweltagentur starben in Deutschland im Jahr 2022 rund 32.000 Menschen vorzeitig durch die Luftverschmutzung mit Feinstaub.
"Völlig veraltete Grenzwerte" der EU
Um Menschen vor den Gesundheitsgefahren zu schützen, hat die Europäische Union (EU) Obergrenzen für die Feinstaubbelastung eingeführt. Diese seien aber inzwischen "völlig veraltet und in keiner Weise den wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechend", sagt Barbara Hoffmann. Sie ist Umweltepidemiologin an der Universität Düsseldorf und forscht zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Luftschadstoffen. Dass die aktuellen Jahresgrenzwerte eingehalten werden, ist laut ihr noch kein Erfolg.
Der Grenzwert für Feinstaub der Kategorie PM2,5 wurde im Jahr 2008 auf 25 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel gesetzt. 2021 veröffentlichte die WHO neue Empfehlungen auf Basis der aktuellen Studienlage. Bereits ab 5 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft sei mit erheblichen gesundheitlichen Belastungen zu rechnen, so die WHO.
Feinstaubbelastung 2025 gestiegen
Die EU überarbeitete daraufhin ihre Grenzwerte. Die Verhandlungen der Mitgliedstaaten kamen Ende 2024 zu einem Kompromiss, der für Feinstaub ab 2030 einen Grenzwert von 10 Mikrogramm je Kubikmeter vorschreibt - also das doppelte der WHO-Empfehlung. Dieser Wert wurde in den Jahren 2023 und 2024 in Baden-Württemberg an allen Stationen eingehalten. 2025 lagen die Stationen in Mannheim und Heilbronn jedoch wieder darüber, acht weitere lagen nur knapp darunter.
Nur an der Messstation im Südschwarzwald fernab von Fabriken, Autobahnen oder anderen Emissionsquellen wurde vergangenes Jahr auch der von der WHO empfohlene Richtwert eingehalten.
Die Schadstoffbelastung schwankt je nach Wetterlage. Grund für die gestiegenen Werte vergangenes Jahr waren unter anderem Perioden im Februar und März, in denen sich sehr viel Feinstaub in den bodennahen Luftschichten anreichern konnte.
Abgesehen von solchen Wettereinflüssen hat sich die Belastung in den letzten Jahren flächendeckend verringert. Dazu beigetragen haben die Auflagen der EU, bessere Schadstofffilter und der Umstieg auf Elektromobilität. Weitere Einsparungen können durch den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, höhere Standards für Baufahrzeuge oder den Umstieg von Holzöfen auf Wärmepumpen erreicht werden.
Überschreitungen am Friedrichsring in Mannheim - WHO-Empfehlung überall verfehlt
Mit der neuen EU-Richtlinie werden ab 2030 auch Tagesgrenzwerte für Feinstaub eingeführt. Diese dürfen nicht öfter als 18-mal pro Jahr überschritten werden. Im Jahr 2025 riss lediglich die Station Mannheim Friedrichsring diesen Wert. An 21 Tagen lag hier die Belastung darüber. Die WHO-Empfehlung für tagesweise Überschreitungen wurde 2025 an allen Stationen in Baden-Württemberg verfehlt.
Stundenweise stieg die Feinstaubbelastung sogar immer wieder auf über 70 Mikrogramm, beispielsweise Anfang März in Tübingen, Mitte Juni in Villingen-Schwenningen und Anfang August in Mannheim. "Solche Kurzzeitpeaks können vor allem für Menschen mit Vorerkrankungen gefährlich werden", so die Umweltepidemiologin Hoffmann.
Messwerte für saubere Luft ab 2026 zählen
Die EU schreibt vor, dass auf Basis der Luftmessdaten für 2026 Prognosen erstellt werden müssen. Sie sollen eine Abschätzung erlauben: Werden die Grenzwerte ohne weitere Maßnahmen im Jahr 2030 eingehalten? "Ist das nicht der Fall, sind bis Ende 2028 Luftreinhalte-Fahrpläne mit Maßnahmen zu erstellen", schreibt das Verkehrsministerium auf Anfrage. Ziel sei es, die gesetzlichen Grenzwerte in Baden-Württemberg fristgerecht einzuhalten.
Das Umweltbundesamt geht derzeit jedoch nicht davon aus, dass die neuen Grenzwerte für Feinstaub bundesweit ausnahmslos eingehalten werden können. Daher bleibt abzuwarten, ob Deutschland Fristverlängerungen beantragen wird, um die Werte erst 2035 einhalten zu müssen. Wie aus Dokumenten hervorgeht, die dem SWR vorliegen, hat sich Deutschland bei den Verhandlungen auf EU-Ebene für diese Ausnahmeregelung stark gemacht und sich auch gegen drohende Fahrverbote ausgesprochen.