SWR Aktuell Sommerinterview

BW-Ministerpräsident Özdemir fordert härteren Wirtschaftskurs gegen China

Fast täglich gibt es schlechte Nachrichten fürs Autoland Baden-Württemberg. Der neue Regierungschef will, dass die EU mit klugen Zöllen gegen China vorgeht und Naivität ablegt.

Teilen

Stand

Von Autor/in Ruben Moratz, Julia Kretschmer, Hannes Köhle, Paula Nießing

In seinem ersten SWR-Sommerinterview hat Baden-Württembergs neuer Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) einen härteren Kurs gegen chinesische Autohersteller gefordert. Um die Autobauer hierzulande zu schützen, müsse die EU mit weiteren Zöllen reagieren: "Wir brauchen kluge Zölle", sagte Özdemir im Gespräch mit Moderator Georg Bruder. Die Europäische Union (EU) habe zwar Zölle erhoben auf Elektrofahrzeuge, aber nicht auf Hybridmobile. "Also was macht China? Es flutet den Markt mit Hybridfahrzeugen." China schwemme mit unfairen Methoden den europäischen Markt. "Und ich habe nicht den Eindruck, dass die Politik bislang verstanden hat, welche brutale Gefahr das darstellt", so der Regierungschef.

Zudem fordert Özdemir, nicht naiv im Umgang mit China zu sein. Europäische Firmen müssten Zubehör in China kaufen, wenn sie dort auch produzieren wollen: "Warum machen wir nicht dasselbe? Warum sagen wir nicht, dass chinesische Unternehmen, die hier investieren - Autos bauen, was auch immer - ihr Zubehör bei uns einkaufen müssen? Das würde unseren Zulieferern guttun." In Baden-Württemberg hängen rund 400.000 Arbeitskräfte an der Automobilindustrie.

E-Autos: Özdemir sieht auch Probleme in der EU

Allerdings sieht Özdemir auch innerhalb Europas Kaufhemmnisse für Elektrofahrzeuge. Es gebe europaweit nicht ausreichend Wasserstofftankstellen und E-Ladesäulen. Das führe dazu, dass zu wenig Elektrofahrzeuge gekauft werden. "Daimler muss jetzt eine Strafe zahlen in Brüssel, weil die Absatzzahlen nicht hochgehen."

Özdemir will der EU-Chefin Wirtschaft erklären

Auf die Frage, wie er, der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, da helfen könne, antwortet Özdemir: "Ich muss Frau von der Leyen und der Europäischen Kommission erklären: Helft der Wirtschaft bei der Transformation! Die wollen Klimaschutz. Die wollen Produkte herstellen, die unsere Natur weniger belasten." Man müsse nur dafür sorgen, dass man in Europa an einem Strang ziehe und erkenne, dass die Konkurrenz in China und den USA sei.

Dass chinesische Hersteller Werke deutscher Autobauer in BW übernehmen, will Özdemir unbedingt verhindern. Zuletzt waren Sparpläne des VW-Konzerns bekanntgeworden. Seitdem kursiert das Gerücht, das Audi-Werk in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) könnte geschlossen werden.

Standortkosten in der EU zu hoch

Özdemir sieht die Autos aus Baden-Württemberg qualitativ als die besten der Welt an. Allerdings spiele auch der Preis eine entscheidende Rolle - und der sei zu hoch: "Da müssen wir besser werden, also müssen sich die Rahmenbedingungen ändern." Bei den Standortkosten sind besonders die Arbeitskosten im Fokus, die seien hierzulande zu hoch, so Özdemir.

BW-Effizienzgesetz "rettet keine Jobs"

Seinen Beitrag, um der Wirtschaft wieder auf die Beine zu helfen, will Ministerpräsident Özdemir mit dem Effizienzgesetz leisten. Bis Ende 2027 sollen alle Berichts- und Dokumentationspflichten gegenüber dem Land für Unternehmen wegfallen - es sei denn ein Landesministerium setzt sich aktiv dafür ein. Der Gesetzentwurf, der dem SWR vorliegt, soll am Dienstag im Kabinett verabschiedet werden. Doch Özdemir dämpft allzu große Erwartungen daran: "Das Gesetz rettet keine Jobs. Das Gesetz sorgt dafür, dass Unternehmer sich nicht mehr mit Schwachsinn beschäftigen müssen."

"Keine Tabus" für Chef-Modernisierer Boris Palmer

In der Verwaltung soll Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (parteilos) als unabhängiger Rat für Staatsmodernisierung für Erleichterungen sorgen. Laut Özdemir soll Palmer in jedem Ministerium jeden Stein umdrehen und schauen, was besser und effizienter laufen kann: "Was kann wegfallen? Da gibt es keine Tabus."

BW

Diskussion um Sparpläne bei VW Özdemir: Audi-Schließung in Neckarsulm wäre "fatales Signal"

BW-Ministerpräsident Özdemir will die Schließung des Audi-Werks in Neckarsulm verhindern. Der Mutterkonzern VW diskutiert derzeit über Sparpläne.

BW als Standort zu teuer Neuer Ministerpräsident Özdemir räumt ein: "Es werden Jobs wegfallen"

Die Krise kostet im Autoland BW zehntausende Arbeitsplätze. Und beim Jobabbau ist kein Ende in Sicht, sagt auch der neue Regierungschef Özdemir. Was ist zu tun?

ZUR SACHE Baden-Württemberg SWR BW

Neuer BW-Landtag Özdemir zum Ministerpräsidenten gewählt - Trikot statt Blumenstrauß als Geschenk

Das Land hat einen neuen Regierungschef: Grünen-Politiker Cem Özdemir ist neuer Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Nach der Wahl fuhr er mit der Stadtbahn zum neuen Amtssitz.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Ruben Moratz
Ruben Moratz
Julia Kretschmer
Julia Kretschmer Portrait SWR Volontärin 2022
Hannes Köhle
Hannes Köhle ist Teil des Teams von "Zur Sache! Baden-Württemberg".
Paula Nießing