Bei heißen Temperaturen wie in den letzten Tagen braucht es natürlich Schatten und gekühlte Getränke. Was Viele für selbstverständlich halten, ist für Obdachlose nicht ohne Weiteres gegeben. Für sie kann eine Hitzewelle eine echte Gefahr darstellen. Das betont der DRK Landesverband Rheinland-Pfalz und gibt Tipps, wie jeder helfen kann. Im Norden des Bundeslandes engagieren sich viele Initiativen, die sich für Wohnungslose bei Hitze einsetzen.
Wasser und Tücher zum Abkühlen in Koblenz
In Koblenz sind Streetworker vom Verein "Die Schachtel" täglich unterwegs, um Obdachlose darauf hinzuweisen, dass sie genug trinken. Johannes Wirtz ist einer der Streetworker und sagt: "Prinzipiell ist Hitze eine akute Bedrohung für diese Menschen. Gerade, wenn sie körperlich nicht fit sind oder Suchtprobleme haben." Der Verein verteilt an heißen Tagen Wasser an Bedürftige in der Innenstadt. Außerdem gibt es gespendete Kappen aus dem Kleiderlager sowie Mikrofasertücher zum Abkühlen.
Prinzipiell ist Hitze ein akute Bedrohung für diese Menschen.
Die Tücher sind Teil der sogenannten "Hitzeaktionsplanung" der Stadt Koblenz. Die hat die Stadt gemeinsam mit der "Schachtel" und dem Caritasverband Koblenz entwickelt. "Ich habe mich damals auch dafür stark gemacht, Edelstahlflaschen mit Schraubverschluss zu verteilen", betont Johannes Wirtz. 150 davon wurden in einem ersten Anlauf ausgegeben. Der Streetworker tauscht beschädigte Flaschen regelmäßig aus.
Gesundheit Hitze – Wann sie gefährlich wird und wie wir uns anpassen
Hitzewellen sind belastend, doch mit der richtigen Anpassung lassen sie sich gut überstehen. Dazu gehört sich nicht nur in klimatisierten Räumen zu schonen, sondern den Körper an Hitze zu gewöhnen.
Trinkwasserbrunnen und Refill-Stationen
Obdachlose können ihre Flaschen sowohl am Trinkwasserbrunnen in der Jesuitengasse und am Wasserwerk am Stadion Oberwerth auffüllen. Außerdem gibt es insgesamt 24 sogenannte "Refill-Stationen" im Stadtgebiet. Das sind zum Beispiel Gastronomen, die kostenlos wieder auffüllen. Auf die Stationen weist ein Aufkleber am Eingang hin. "Der nimmt vielen schon die Hemmungen, nach Trinkwasser zu fragen", sagt Johannes Wirtz. Insgesamt sei die Kampagne aber noch zu unbekannt.
Kühle Kirchenmauern und Getränke in Neuwied
In Neuwied gibt es zwei Trinkwasserbrunnen in der Innenstadt, betrieben von den Stadtwerken. Einen in der Marktstraße und einen in der Langendorfer Straße. Außerdem bekommen Bedürftige unter der Woche im Café Auszeit der Marktkirche Getränke. "Neben dem Gemeindehaus gibt es außerdem Schatten und Sitzgelegenheiten", erklärt Pfarrer Detlef Kowalski. Auch die Marktkirche mit ihren dicken Mauern stehe zum Abkühlen bereit.
In Lahnstein gibt es kein klassisches Streetwork, wie in Koblenz.
In Lahnstein sieht die Lage etwas anders aus. Im Obdachlosenwohnheim St. Christophorus hat Joachim Grämer die Leitung. Er sagt: "Wir fahren nicht explizit raus und suchen die Leute. In Lahnstein gibt es kein klassisches Streetwork, wie in Koblenz." Doch auch in seiner stationären Einrichtung ändern sich die Arbeitsabläufe im Sommer. Die Tür stehe immer offen für alle, die Schatten suchten. "Außerdem haben wir extra ein Sonnensegel gespannt."
Altes Gebäude zu klein für den Bedarf Schöppche Neuwied: Tagesstätte für Obdachlose wird neu gebaut
In Neuwied wird eine neue Tagesstätte für Obdachlose gebaut. Das alte Gebäude des "Schöppche“ musste nach Angaben der Caritas abgerissen werden.
Freibadkarten werden noch wenig nachgefragt
Aus dem Second Hand-Laden "Anziehpunkt" der Caritas Lahnstein dürfen sich die Obdachlosen auch bedienen, wenn ihnen zum Beispiel eine Kopfbedeckung fehlt. Getränke und Sonnencreme stehen in der Einrichtung ebenfalls immer bereit. Außerdem versucht Grämer mit seinem Team, Wohnungslosen auch soziale Erlebnisse im Sommer zu ermöglichen. "Wenn Bedarf ist, erhalten sie von uns auch Karten fürs Freibad", sagt der Einrichtungsleiter.