Unangekündigte Hausaufgabenüberprüfungen passten nicht zu einer modernen Schule, sagte Bildungsminister Sven Teuber (SPD) zum Start in das neue Schuljahr. Man wolle die Potenziale der Schüler fördern und entwickeln - aber nicht durch Druck, sondern durch gute Vorbereitungsmöglichkeiten.
Zum Schuljahresbeginn gibt es weitere Neuerungen, aber auch viele altbekannte Themen: etwa die Frage nach der Unterrichtsversorgung und der Personaldecke bei den Lehrkräften. Neu ist dagegen das Pflichtfach Informatik, es wird nach und nach eingeführt. Wir haben Zahlen, Fakten und Stimmen zum Start des Schuljahres gesammelt:
- Was muss man zum Pflichtfach Informatik wissen?
- Wie haben sich die Neuerungen an Grundschulen bewährt?
- Wie viele Schüler gibt es und wie viele Schulen?
- Wie ist die Lage bei den Lehrkräften?
- Welche Reaktionen gibt es zum Schulstart?
- Wo gibt es ein Handyverbot an Schulen, wo nicht?
- Wie ist der Stand bei der Inklusion?
- Welche Tipps gibt es für einen sicheren Schulweg?
Pflichtfach Informatik wird an 28 Pilotschulen in RLP eingeführt
Mit Informatik steht für viele Schülerinnen und Schüler in Rheinland-Pfalz ein neues Schulfach im Stundenplan. Eingeführt wird das Pflichtfach Informatik zunächst überwiegend an Gymnasien. Unter den 28 Schulen, die nach den Sommerferien in Rheinland-Pfalz starten, sind 22 Gymnasien, vier Realschulen plus sowie zwei integrierte Gesamtschulen.
Voraussetzung war unter anderem, dass es eine ausreichende IT-Ausstattung und mindestens zwei Informatiklehrkräfte gibt. Ab dem Schuljahr 2028/2029 soll Informatik dann als Pflichtfach Schritt für Schritt ab der Klassenstufe sieben an allen weiterführenden Schulen eingeführt werden.
Haben sich die Neuerungen an den Grundschulen bewährt?
Seit einem Jahr gibt es an den Grundschulen eine zusätzliche Stunde Deutsch und eine verpflichtende tägliche Lesezeit. Außerdem wird mit der ersten Fremdsprache später begonnen. Das Bildungsministerium spricht auf SWR-Anfrage von positiven Rückmeldungen aus den Schulen, aber auch von Eltern und Verbänden. Das Lernen von Deutsch werde dadurch gestärkt.
Auch die frühere Sprachstandserhebung vor der Einschulung werde als gute Chance gesehen, Kinder mit Förderbedarf in Deutsch früh zu erkennen und besonders zu fördern. Es sei auch begrüßt worden, dass weniger Klassenarbeiten geschrieben und die Fähigkeiten in anderer Form gemessen und gefördert würden. Die Neuerungen müssten sich weiter in der Praxis bewähren, so das Ministerium. Weitere Änderungen seien derzeit nicht geplant.
Etwas weniger Erstklässler, mehr Schülerinnen und Schüler insgesamt
Laut Schulstatistik kommen zum neuen Schuljahr rund 39.900 Erstklässlerinnen und Erstklässler an die Schulen im Land. Dies wäre nach dem "Zwanzig-Jahre-Hoch" aus dem Vorjahr ein Rückgang um rund 1.150. Für die ABC-Schützen beginnt die Schullaufbahn offiziell am Dienstag, nachdem am Montag die Einschulung gefeiert wurde.
Die Gesamtzahl wird sich dennoch von 544.561 um mehr als 5.000 auf geschätzt rund 550.400 Schülerinnen und Schüler erhöhen. Davon sollen 440.500 an allgemeinbildenden Schulen unterrichtet werden; von ihnen sind 162.100 Kinder an Grundschulen und 109.900 Jugendliche an Berufsbildenden Schulen.
Im neuen Schuljahr gibt es insgesamt 1.658 allgemeinbildende und berufsbildende Schulen (Vorjahr: 1.641 Schulen). Hierbei ist zu beachten: Der Zuwachs um 17 Schulen ist vor allem ein statistischer Effekt, weil – wie schon im vergangenen Jahr – weitere Pflegeschulen in die Aufsicht des Bildungsministeriums gewechselt sind.
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Lehrkräfte und Unterrichtsversorgung
Nach Angaben des Bildungsministeriums sind zu Beginn des Schuljahres fast alle Lehrkräfteplanstellen in den Schulen im Land besetzt. Konkret seien das 99,6 Prozent, teilte Bildungsminister Sven Teuber (SPD) am Montag mit. Offen seien damit noch 146 zu besetzende Lehrerstellen. Im Vorjahr hatte die Zahl bei 191 unbesetzten Stellen zum Start in das neue Schuljahr gelegen.
Die Zahl der Lehrkräfte an den Schulen in Rheinland-Pfalz ist nach Angaben von Teuber nochmals gestiegen - und zwar auf einen Höchstwert von 45.000 Pädagoginnen und Pädagogen.
Was sagen Gewerkschaften und Parteien zum neuen Schuljahr?
Die Lehrer-Gewerkschaften GEW und VBE begrüßten die Streichung der unangekündigten Hausaufgabenüberprüfungen. Das sei ein wichtiger Schritt für eine bessere Lernatmosphäre und mehr Motivation.
Deutliche Kritik kam dagegen von der CDU-Landtagsfraktion. Das sei ein Misstrauensbeweis gegenüber allen Lehrkräften. Gerade in KI-Zeiten seien unangekündigte Hausaufgabenüberprüfungen unverzichtbar. Ähnlich sieht es der Philologenverband. Den Lehrkräften werde pauschal die Fähigkeit abgesprochen, selbst die Form zu wählen, um das Können zu überprüfen.
Diskussion um Neuregelungen Pro und Contra: Unangekündigte Hausaufgabenüberprüfungen
Bildungsminister Sven Teuber (SPD) hat die unangekündigten Hausaufgabenüberprüfungen zum neuen Schuljahr abgeschafft. Dafür gibt es Lob und Kritik. Was spricht dafür, was dagegen?
Keine bessere Besoldung von Lehrkräften an Grundschulen
Der Forderung der Gewerkschaften GEW und VBE, alle Lehrkräfte - auch jene an Grundschulen - mindestens nach der Besoldungsstufe A13 zu bezahlen, hatte Bildungsminister Teuber zuletzt eine Absage erteilt. Vor der Landtagswahl 2026 sei damit nicht mehr zu rechnen, sagte er dem SWR.
Personal oft überlastet Mehr als 30 Grundschulen in Rheinland-Pfalz ohne Leitung
Der Trend setzt sich fort: In Rheinland-Pfalz sind derzeit 31 Leitungen an Grundschulen nicht besetzt. Das sind acht mehr als im vergangenen Jahr.
Sieben neue Ganztagsschulen sind im Land am Start
Zum neuen Schuljahr starten nach Angaben des Bildungsministeriums sieben neue Ganztagsschulen in Angebotsform. Das heißt, in diesen Schulen wird der Unterricht um einen Bereich mit Lern- und Übungszeiten, Arbeitsgemeinschaften und Förderangeboten ergänzt. Das Ganztagsangebot erstreckt sich in der Regel von Montag bis Donnerstag von 8 bis 16 Uhr, verpflichtend für die dafür angemeldeten Schülerinnen und Schüler.
Damit gibt es im Schuljahr 2025/2026 insgesamt 666 Ganztagsschulen in Angebotsform. Dazu gehören 357 Grundschulen, 63 Förderschulen, 50 Integrierte Gesamtschulen, 52 Gymnasien mit neunjährigem Bildungsgang, 141 Realschulen plus und drei Realschulen in privater Trägerschaft.
Ab dem Schuljahr 2026/2027 haben Grundschüler in Rheinland-Pfalz ein Recht auf Ganztagsbetreuung. Bei der Umsetzung gibt es noch viele Hürden und zunächst profitieren nur Erstklässler. Mehr Informationen dazu gibt es hier in diesem Artikel.
Insgesamt 20 Herkunftssprachen werden jetzt unterrichtet
Und auch das ist neu: Der Herkunftssprachenunterricht wird ab diesem Schuljahr um Mazedonisch ergänzt. Das sei dann die 20. Sprache, teilte das Bildungsministerium mit. Der Start werde zunächst im Schulaufsichtsbezirk Koblenz erfolgen.
Handy: Verbote in Hessen und im Saarland - und wie ist es in Rheinland-Pfalz?
Seit einigen Monaten wird bundesweit verstärkt über Smartphone-Verbote an Schulen debattiert. Dazu gibt es in den Bundesländern unterschiedliche Regelungen. In Hessen etwa ist die Nutzung von Handys ab dem neuen Schuljahr grundsätzlich verboten, Ausnahmen kann es ab der 5. Klasse geben.
Auch im Saarland fasste der Landtag im Juni einen Beschluss: In den ersten vier Klassenstufen ist künftig die Benutzung von privaten Handys verboten. Die Kinder dürfen Smartphones zwar mit in die Schule bringen, sie dort aber nicht benutzen.
Die Ampelregierung in Rheinland-Pfalz stellte sich im Landtag zuletzt gegen die Forderung der CDU, die private Nutzung von Smartphones an Schulen landesweit zu verbieten. Bildungsminister Teuber sprach sich dafür aus, die Handynutzung gemeinsam mit den Schulen angemessen zu regeln. Die Schüler müssten bei den Regeln mitgenommen und als mündige Bürger gestärkt werden, sagte er. Von pauschalen Verboten halte er nichts. Im Ziel sei er aber mit der CDU vereint. Die mentale Gesundheit der Kinder und Jugendlichen müsse geschützt werden.
PISA-Studie entfacht Diskussion um Handynutzung Das plant Rheinland-Pfalz zum Umgang mit Handys an Schulen
Die Bildungsminister der Länder haben über die Handynutzung an Schulen diskutiert. Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) hat für RLP schon eigene Ideen.
Inklusion mit Hürden - Wie läuft die Umsetzung an den Schulen?
Seit einem Jahr gibt es in Rheinland-Pfalz eine neue Schulordnung. Danach sollen alle Erstklässler zunächst in die Regelschule eingeschult werden, auch Kinder mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf. Die Reform soll die Inklusion fördern.
Eine Anfang Juni veröffentlichte Umfrage des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) unter Lehrkräften ergab: Rund 60 Prozent aller Lehrerinnen und Lehrer befürworten eine gemeinsame Beschulung von Kindern mit und ohne Behinderung. Doch nur rund 24 Prozent der Befragten gaben an, dass Inklusion unter den aktuellen Bedingungen praktikabel sei. Es fehle, so der Landesvorsitzende des VBE, Lars Lamowski, an Fachpersonal.
Nahezu alle Lehrinnen und Lehrer halten eine Doppelbesetzung aus einer Lehrkraft und einer Förderschullehrkraft in inklusiven Klassen für notwendig, damit Inklusion gelingen kann. Nur rund 34 Prozent der befragten Lehrkräfte sagten allerdings, dass es an ihrer Schule multiprofessionelle Teams gibt – und diese stünden oft nur zeitweise zur Verfügung. In multiprofessionellen Teams arbeiten Lehrer, Inklusionsfachkräfte, Psychologen und Schulsozialarbeiter zusammen.
Nach Angaben der GEW greift die neue Schulordnung für inklusiven Unterricht erst mit diesem Schuljahr voll. Zum ersten Mal seien Schüler und Schülerinnen auf Basis der neuen Verordnung auf die Schulen verteilt worden.
ADAC Mittelrhein gibt Tipps für einen sicheren Schulweg
Die Kinder in der ersten Klasse müssen jetzt nicht nur Lesen, Schreiben und Rechnen lernen, sondern stehen auch vor der Herausforderung Schulweg.
Die wichtigsten Tipps des ADAC:
- Der Schulweg sollte unter realistischen Bedingungen – sowohl am Morgen als auch mittags geübt werden.
- Auch die Fahrt mit dem Schulbus sollte im Vorfeld trainiert werden. Besonders das Ein- und Aussteigen sowie das Überqueren der Straße nach dem Aussteigen.
- Kinder sollten immer helle Kleidung tragen und mit Reflektoren oder im Idealfall mit einer Sicherheitsweste ausgestattet sein.
- Eltern sollten ihre Kinder nur in Ausnahmefällen mit dem Auto zur Schule bringen.
Ausführlicher finden Sie die Tipps des ADAC hier.