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Unterwegs in Welt und Geschichte(n)

Ein Gespräch mit Felicitas Hoppe über das Reisen, ein neues Standardwerk zur Literatur im Nationalsozialismus sowie Bücher von Lídia Jorge, Steffen Kopetzky und Peggy Mädler.

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Sehnsucht als Motor

Das Reisen ist im Menschen angelegt. Sie ziehen in die Welt, manchmal zu Fuß, aber zumeist mit dem Auto, dem Schiff, dem Flugzeug. Klimakrise hin oder her. Sie brechen auf mit festen Vorstellungen von dem, was sie erwartet. Und wollen doch überrascht werden, Abenteuer erleben – Das Tourismusgeschäft ist ein riesiger Illusionsbetrieb.

Und was bleibt davon nach der Rückkehr? Die Büchnerpreisträgerin Felicitas Hoppe hat ein neues Buch geschrieben. Es trägt den Titel „Reisen“, es ist relativ schmal, aber ein echtes Hoppe-Buch. Felicitas Hoppe schreibt darin über Sehnsüchte, Kindheitserinnerungen, Zugfahrten – und über den großen Zirkus des Unterwegsseins, dem man automatisch angehört, wenn man Schriftstellerin ist.

Befreiung aus dem Klammergriff

Die portugiesische Schriftstellerin Lídia Jorge, Jahrgang 1946, begleitet mit ihren Romanen den Wandel in Portugal. Während Lídia Jorge in ihrer Heimat, aber auch in anderen Ländern, wie etwa Frankreich, bekannt und präsent ist, dürften sie hierzulande nur wenige kennen. Aber das könnte sich ändern.

Der Secession Verlag aus Berlin will nach und nach die Bücher dieser bedeutenden Autorin auf Deutsch veröffentlichen. Im Vorjahr ist „Erbarmen“ erschienen; ein Buch über greise Menschen in einem Altersheim.

Der jetzt von Marianne Gareis ins Deutsche übersetzte Roman „Die Stunde der Nelken“, der in Portugal bereits 2014 herauskam, erzählt von der Nelkenrevolution und davon, was aus deren Protagonisten geworden ist.

Von Mitläufern und Emigranten

Vor neun Jahren veröffentlichte der Heidelberger Literaturprofessor Helmuth Kiesel seine 1300 Seiten umfassende Studie „Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1918 bis 1933“; ein Werk, mit dem der 2015 emeritierte Kiesel neue Maßstäbe setzte.

Nun hat er an dieses Buch angeschlossen – mit einem noch einmal knapp 100 Seiten längeren Buch. In „Schreiben in finsteren Zeiten“ widmet Kiesel sich der „Geschichte der deutschsprachigen Literatur von 1933 – 1945“, so der Untertitel.

Kiesels Mammutwerk ist ein hochinformatives, sorgfältig strukturiertes Nachschlagewerk, das sich den Gattungen Drama, Lyrik und Prosa widmet und, gegliedert in drei kurze zeitliche Perioden, von Mitläufern, innerem Widerstand, Opportunisten und Exilanten erzählt.

Ein Buch, so sagt SWR-Literaturchef Frank Hertweck, das trotz des einen oder anderen blinden Flecks zum Standardwerk werden dürfte.

Deutsche Landschaft

Der Harz ist ein deutsches Kernland voller Mythen, Geschichten und Geschichte. Bis 1989 verlief hier die innerdeutsche Grenze, der Brocken war militärisches Sperrgebiet. Vor genau 200 Jahren durchwanderte Heinrich Heine den Harz und schrieb seine berühmte „Harzreise“.

Aus diesem Anlass ist der Schriftsteller Steffen Kopetzky, einer der unterhaltsamsten und recherchefreudigsten deutschsprachigen Gegenwartsautoren, Heine hinterhergewandert. Auf seiner Harzreise gibt Kopetzky sich, seiner Fortbewegungsart angemessen, betont unzeitgemäß.

Ihm begegnen blühende Landschaften – im Osten –, triste Kleinstädte – im Westen – , und irgendwann werden auch die Beine müde. Was jedoch immer mitschwingt, ist die politische Realität der Gegenwart.

Kybernetik und Hoffnungen

Peggy Mädler wurde 1976 in Dresden geboren. Mit ihren beiden ersten Romanen hat sie auf ausgesprochen kluge und ungewöhnliche Weise Lebensläufe von Menschen aus der DDR rekonstruiert.

Ihr dritter Roman „Selbstregulierung des Herzens“ überträgt auf ausgesprochen kluge Weise das Gedankenmodell der Kybernetik auf menschliche Emotionen und politische Konstellationen.

Mädler erzählt von den 1960er-Jahren bis nah an die Gegenwart heran von einer Gruppe von Menschen, die allesamt Kriegskinder sind und in den sozialistischen Staat Hoffnungen setzen. Hoffnungen, die bald enttäuscht werden.

Ein System, das von oben herab streng und starr dirigiert wird, ist zur Selbstregulierung nun einmal nicht fähig. Sandra Kegel, Leiterin des Feuilletons der FAZ, ist begeistert von Peggy Mädlers Roman.

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Erstmals publiziert am
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Redakteur/in
Christoph Schröder
Moderator/in
Christoph Schröder