Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2026
Ingo Schulze, geboren 1962 in Dresden, ist nicht nur der Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, sondern vor allem einer der bedeutendsten Schriftsteller der deutschsprachigen Gegenwart.
Sein neuer Roman heißt „Das Wasser im August“, steht auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis und wurde schon vor Erscheinen mit dem Uwe-Johnson-Preis ausgezeichnet.
Die Hauptfigur sitzt im Publikum
Die Konstruktion des Romans ist raffiniert: Ein Schriftsteller Anfang 60 wird im Juni 2025 engagiert, um auf der Geburtstagsfeier eines ehemaligen Mitschülers aus einem noch unveröffentlichten Buch zu lesen.
Mit dem Mitschüler verbindet ihn eine ungute Erinnerung, trotzdem reist der Ich-Erzähler an. Dass im Publikum eine der Hauptfiguren jener autobiografischen Novelle sitzt, aus der er vorliest, weiß er zunächst nicht.
Eine Liebesgeschichte, vielleicht
Die Novelle selbst spielt im Sommer 1979 am Tollensesee in Mecklenburg. Dorthin wird der sechzehnjährige Thomas in das Haus eines Malerpaares eingeladen.
Thomas will Schriftsteller werden, lernt das Hinsehen und lernt die weitaus ältere Sonja kennen. Eine Liebesgeschichte, vielleicht.
Die Zukunft schien offen
Im Gespräch erzählt Ingo Schulze vom autobiografischen Gehalt seines Romans, vor allem aber vom Lebensgefühl des Jugendliche Thomas, der, obwohl er in einem unfreien Staat lebt, die Zukunft als offen erlebt.
Zwischen den beiden Zeitebenen liegen 46 Jahre, eine Wiedervereinigung, Hoffnungen, Verluste, Missverständnisse.
Besorgter Blick auf die Wahlen
„Das Wasser im August“ ist kein Thesenroman, sondern löst historische Erfahrungen erzählerisch auf. Mit Blick auf die anstehenden Wahlen in Sachsen-Anhalt und seinem Romanschauplatz Mecklenburg sagt Schulze:
„Die Mehrzahl der AfD-Wähler wählen noch immer aus Protest. Und das hat mit Ohnmachtserfahrungen zu tun.“ Schulzes Befürchtung: „Da wird viel kaputtgemacht werden.“
Mehr von Ingo Schulze
Ingo Schulze im Gespräch Jahrestagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung – Freundschaften für einen klareren Blick auf die Welt
Trotz gegenwärtiger Polarisierungen könne Freundschaft durchaus politisch sein, sagt Autor und Akademie-Präsident Ingo Schulze zum Motto der Jahrestagung „Freundschaft in Zeiten des Streits“.